Viele interessante Artikel finden sich in der aktuellen Ausgabe von IRRODL. Hier geht es um den Connectivism als Lerntheorie. Die Autorinnen spiegeln Grundprinzipien dieses derzeit so populären Ansatzes - “autonomy, connectedness, diversity, and openness” - mit den Erkenntnissen der Persönlichkeits- und Selbstbestimmungstheorie. Das ist im Detail sehr komplex, oft nur kurz angerissen, aber immer wieder interessant, weil es zeigt, wie vielschichtig einzelne Phänomene im Lichte dieser Theorien sind. Beispielhaft hier ein kurzes Zitat:
“Etienne Wenger (2011) has reflected that in the 21st century identity can be linked to a multitude of communities (or networks). The challenge for individuals is how to engage with and enable individual identity to be realised in these communities and networks.”
Die “tyranny of participation” ist ein weiteres Stichwort, und ein Kapitel ist mit “Autonomy and Lurking” überschrieben. Hinzu kommt, dass immer wieder auf die in MOOCs gewonnenen Erfahrungen Bezug genommen wird. Etwas für eine ruhige Stunde.
Im Moment kann man fast eine wöchentliche Veranstaltungsübersicht präsentieren, die sich allein dem Thema Open Online Courses bzw. MOOCs widmet. Kurz der Reihe nach:
1) der Klassiker: CCK012
Ich glaube, es ist mittlerweile die vierte Auflage dieses Kurses on “Connectivism and Connective Knowledge”, der ja die ganze MOOC-Bewegung erst so richtig ins Rollen gebracht hat. Er dauert vom 23. Januar bis zum 18. April (allerdings ist die Course Outline im Moment noch aus 2011 …). Facilitators sind wieder George Siemens und Stephen Downes.
2) das Trendthema: lak12
“lak12″ steht für “Learning Analytics and Knowledge 2012″ und hier kann man sich gleich über eines der Themen austauschen, die auch der Horizon Report 2012 auf seine Trendliste gesetzt hat. Der lak12 läuft über 8 Wochen. Er ist auch am 23. Januar gestartet (bis 18. März) und irgendwie schafft es George Siemens, auch hier die Rolle des Facilitators zu übernehmen - neben vier weiteren Kollegen.
3) der Shooting Star: CS 101: BUILDING A SEARCH ENGINE
David Evans und Sebastian Thrun versprechen nicht wenig: “Learn programming in seven weeks. We’ll teach you enough about computer science that you can build a web search engine like Google or Yahoo!” Und es braucht kein Vorwissen, sagen die beiden Experten (grinsen dabei aber irgendwie komisch)! Ab dem 20. Februar kann jeder prüfen, wie weit er kommt.
Sebastian Thrun, einer der Facilitators des gerade beendeten Open Online Courses über “Künstliche Intelligenz” an der Stanford University, startet ein neues Projekt. Doch dieses Mal nicht unter dem Dach von Stanford, sondern als eigenes Startup. Hier das Wichtigste: “Instead, he said, he concluded that “I can’t teach at Stanford again.” He’s given up his tenure at Stanford, and he’s started a new online university called Udacity. He wants to enroll 500,000 students for his first course, on how to build a search engine - and of course it’s all going to be free.” Thrun, so scheint es, schielt dabei auch etwas auf das Modell der Khan Academy. Wie auch immer, der Autor wundert sich jedenfalls, dass Stanford nicht die Chance ergreift, das Erfolgsprojekt fortzuführen oder gar auszudehnen. Vielleicht zeigt der Schritt aber auch, wo der Wandel heute (noch) seine Grenzen hat.
George Siemens hat übrigens den Schritt Thrun’s zum Anlass genommen, um noch einen Gedanken über unser zukünftiges Bildungssystem loszuwerden: “If we were to design education today, without the legacy baggage of the existing system, what would it look like? I don’t have a clear answer, but I think it would look similar to open online courses: distributed, leveraging network effects, participative, peer/social pedagogy, large scale sensemaking, artifact creation and sharing, knowledge growth and domain expansion, etc.”(”I can’t teach at Stanford again”) Lesenswert! Felix Salmon, Reuters, 23. Januar 2012
Auf den Blog Carnival folgt der Blog Calendar: “The blog calendar is an open, non-profit blog which features 365 different blog posts from around the world. As thousands of people are choosing to learn through massive open online courses in and around the web, this blog will tell a story of how new ways of connecting with each other online are irreversibly changing education.”
Mittlerweile gibt es nicht nur Erfahrungsberichte, sondern auch erste Untersuchungen zum Thema “MOOC”. Viele stammen aus der Feder von Rita Kop, die sie dankenswerterweise hier aufgelistet und verlinkt hat. Rita Kop war im PLENK2010 (mit 1.641 Teilnehmern) engagiert und arbeitet am National Research Council of Canada. “Each publication looks at the data from a different perspective, eg, requirements in a PLE, self-directed learning, learner support, creativity.” Rita Kop, Observations about learning, knowledge and technology, 5. Januar 2012
Nun ist Stanford’s Open Course über Künstliche Intelligenz auch im Spiegel angekommen! “Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod?”, heißt es gleich zum Aufwärmen. Leider wird das Projekt dann vor allem als Angebot zur effizienteren Lehre vorgestellt, “Massen-Uni 2.0″ eben, der Reiz des netzbasierten und vernetzten Lernens bleibt dabei völlig auf der Strecke. Auf die Idee, z.B. mal einen der 160.000 Teilnehmer anzusprechen, ist der Autor jedenfalls nicht gekommen. Stattdessen wird daran erinnert, dass die Hochschulen hierzulande eine Chance der Effizienzsteigerung (E-Learning!) schon vertan haben … Markus Verbeet, SPIEGEL ONLINE, 17. Dezember 2011
Eine interessante Diskussion, in der Salman Khan (Khan Academy) sowie Peter Norvig und Sebastian Thrun (Stanford) über ihre Erfahrungen als Anbieter bzw. Facilitators von “open online courses” berichten. Dabei machen sie aus ihrer Begeisterung über das neue Format und seine Möglichkeiten kein Hehl, sprechen aber auch kritische, weiterführende Punkte an, wie z.B. die Entkoppelung von Lehre und Zertifizierung.
Überhaupt die Diskussion: Sie fand als Google Plus-Hangout statt, in das sich Teilnehmer mehrerer großer Hochschulen eingeschaltet hatten. Peter Norvig moderierte. Ein sehr lebendiges, informelles Format, das auch als YouTube-Konserve kurzweilig “herüberkommt”. Kurz: In Form und Inhalt empfehlenswert!
Lediglich George Siemens weist an anderer Stelle darauf hin, dass bei aller Begeisterung für die Protagonisten dieses Events die Geschichte der “open online courses” bereits vor der Khan Academy und Stanford begann. GoogleplusHangouts, 9. Dezember 2012 (via YouTube)
Am Dienstag habe ich diese Slides auf dem 14. DIE-Forum in Bonn präsentiert. In einer Kapelle! Ich habe wieder einleitend einen kleinen Bogen gespannt - von “open” über “open educational resources” bis zu “open courses” im allgemeinen und unserem “#opco11″ im besonderen. Da die Zeit für unsere Arbeitsgruppe knapp bemessen war, konnten wir nur Fragen einsammeln: u.a. ob im Rahmen dieser Kurse überhaupt gelernt wird; wie die Qualität gesichert wird; welche Selbstlernkompetenzen Teilnehmer mitbringen müssen, usw.. Da die Zahl der “open courses” auch in 2012 zunehmen wird, wird es sicher noch Gelegenheiten geben, ausführlicher auf diese Fragen einzugehen. Jochen Robes, Slideshare, 8. Dezember 2011
Clark Quinn ist Gastgeber in der 13. Woche des #change11-MOOC (Massively Open Online Course). Der Titel “Slow Learning” ist vielleicht etwas verwirrend, weil er hier weniger eine neue Bewegung postuliert oder Tempo aus Lernprozessen herausnehmen will. Vielmehr lotet er offen und tastent aus, wie eine optimale Lernumgebung für uns aussehen könnte. Eine Einladung zum Mitdenken und Spinnen.
“Our formal learning approaches too often don’t follow how our brains really work. …
For me, that would be having a personal mentor traveling with me, looking at my tasks, providing both support in the moment, and developing me slowly over time. …
The notion is a sort-of personal GPS for your knowledge work. …”
Wie können Lernumgebungen und -prozesse aussehen, die sich den Anforderungen der Wissensgesellschaft stellen? Wie müssen Bildungskonzepte gestaltet werden, die “chaos, emergence, and complexity” integrieren? Die Autoren sind optimistisch, dass MOOCs die Kriterien erfüllen, die sich aus diesen Vorgaben ableiten lassen, und somit als ein “example of an open and adaptive, complex system” gesehen werden können. Mit konkreten Erfahrungen, die sie während des Mobi-MOOCs im April/ Mai 2011 sammeln konnten, stützen sie ihre Beobachtungen.
Der Artikel ist keine leichte Kost. Aber er verbindet weitere Bausteine (Chaos-Theorie, Theorie komplexer Systeme) mit dem MOOC-Konzept. Ansonsten gilt: “MobiMOOC brought together three innovations linked to the Knowledge Age: mobile technology, social media, and the MOOC as its learning and teaching format.”
Wer wie ich das EduCamp in Bielefeld (18. - 20. November 2011) verpasst hat, kann sich hier einen ersten Überblick über das Geschehen verschaffen. Es finden sich Hinweise auf die verschiedenen Sessions, z.B. zum Flipped Classroom, zu OER, Wikis, Web Apps, zur Schülerbeteiligung und zum MOOC-Klassentreffen. Und es gibt vor allem den direkten Link zum EduCamp-Channel auf YouTube, wo jede Session und ihre Protagonisten noch einmal kurz gewürdigt werden. marazico, minus, 23. November 2011
Zwei kurze Antworten von George Siemens. Die eine betrifft seine Gefühlslage als Facilitator des #Change11-MOOCs; die andere das Stichwort “information overload”. Seine Botschaft: “Information is not a problem to be solved. It’s a reality to be navigated … “ Sui Fai John Mak, Learner Weblog, 22. November 2011
Fast ein philosophisches Manifest. Stephen Downes startet langsam, spricht über die “Idea of Openness”, über die verschiedenen Aspekte und Perspektiven auf “Openness”. Dann führt er in die “Language of LOLcats” ein (”Now I’m going to change gears, and I’m going to change gears really dramatically. …”), streift Semiotik, Semantik und all die sprachtheoretischen Untiefen, um - Gott sei Dank - am Ende wieder bei der “(Open) Language of Learning” aufzutauchen. Etwas für ruhige Minuten am Wochenende.
“That’s the basis that George Siemens and I used to create the massive open online courses. The idea of these courses was that, and is that, we provide as much material for conversation as possible and set up this conversational network where the exchange of this material can take place. So the course itself becomes a network, the open educational resources are the concepts, the words, the vocabulary that people in this network use to communicate with each other. And that’s in fact exactly what happens.” Stephen Downes, Half an Hour, 6. November 2011
Eine hervorragende Zusammenfassung, die EDUCAUSE hier im bewährten “7 things you should know about …” präsentiert. Kurze Absätze zu Stichworten wie “What is it?”, “How does it work?”, “Who’s is doing it?” usw. Unter “What are the implications for teaching and learning?” heißt es: “But perhaps the most significant contribution is the MOOC’s potential to alter the relationship between learner and instructor and between academe and the wider community by potentially providing a very large and diverse forum and meeting place for ideas. Those enrolling in a MOOC are likely to discover learning at its most open on a platform that invites the world not only to see and hear but also to participate and collaborate.”
Slides und Audio von Stephen Downes, die er irgendwie nach Belgien gebracht hat: “In this talk I make the case for a community-based model of learning, where courses are structured as connectivist networks, describe some of the thinking behind the model, and outline a policy framework for the support of free learning. For audio and more please see http://www.downes.ca/presentation/282″ Aber den Link hier gibt es vor allem für Slide 19! Stephen Downes, Slideshare, 25. Oktober 2011
Ein Massive Open Online Course (MOOC) ist zwar offen und vertraut an vielen Stellen auf die Selbstorganisation der Teilnehmer. Aber es gibt sie natürlich, die Gastgeber bzw. Learning Facilitators, die den Kurs vorbereiten, Online-Sessions mit Referenten organisieren, Informationen zusammentragen, und und und …. Das dabei nicht alles glatt läuft, haben auch Stephen Downes und George Siemens in den ersten Wochen ihres laufenden Kurses, “Change: Education, Learning, and Technology” (#change11), erfahren müssen. Vor allem die Live Online Sessions machten große Probleme. “Timmmmyboy” schreibt u.a.: “But much of how the course is being delivered is disappointing to me, and some aspects so offensive to the very pedagogy that these men preach, that I believe they deserve to be called out on it.”
Natürlich verteidigen sich Stephen Downes und George Siemens ausführlich. Ich habe den Wortwechsel mit großem Interesse gelesen. Er bringt die zum Teil widersprüchlichen Erwartungen der Beteiligten sehr schön auf den Punkt. Und ist an vielen Stellen sehr direkt und persönlich in der Kommunikation. Timmmmyboy, Weblog, 19. Oktober 2011
Stefanie Panke versucht in diesem Artikel, zwei Konzepte zusammenzuführen: zum einen die Idee der “Persönlichen Lernumgebung” (PLE), die seit 2004/2005 diskutiert wird; und zum anderen die Praxis der Massive Open Online Courses (MOOC), die seit 2008, als George Siemens und Stephen Downes das erste Experiment starteten, immer intensiver gelebt wird. Dabei stützt sie sich auf konkrete Erfahrungen, die sie als Teilnehmerin an einem Open Course, „Personal Learning Environments, Networks and Knowledge” (PLENK 2010), gesammelt hat. Ein interessantes Kapitel ist mit “Zentrale Herausforderungen” überschrieben. Und ich zitiere einen kurzen Ausschnitt aus der Zusammenfassung, die einige der offenen Fragen zu den “neuen Formen kooperativer Wissensgenerierung” festhält:
“Eine nachhaltige Kompetenzentwicklung bedarf ausgeprägter Selbstlernstrategien oder einer Moderation des Lernprozesses, die den Lernenden mit geeigneten Strategien ausrüstet. Wie der Schwund an Beteiligung im Verlauf des MOOC demonstriert, ist diese Aufgabe keineswegs trivial. Eine Schwäche des PLE-Konzepts ist zudem der fehlende Brückenbau zu tradierten Lehr-/Lernkulturen mitsamt zugehöriger Prüfungsordnungen und vorgegebenen Lehrplänen. Noch ist unzureichend geklärt, wie konnektivistische und konstruktivistische Ideen mit curricularer Integration in Einklang zu bringen sind.” Stefanie Panke, e-teaching.org, 19. Oktober 2011 (pdf)
Heute startet an der Universität Tübingen ein Open Course zum Thema “Workplace Learning” (#ocwl11), der sicher einen Blick oder gar das Mitmachen lohnt. Dörte Giebel gibt in diesem Post einen schönen Überblick über die Ziele des Kurses, seine Besonderheiten und ihre Rolle als Patin der ersten Woche. Als solche will sie “Bindeglied zwischen dem Offline- und dem Online-Teil der Lehrveranstaltung” sein. Dörte Giebel, NetzFaktorei, 9. Oktober 2011
Martin Weller gehört die dritte Woche des #change11 MOOCs. Sein Thema ist “digital scholarship”: “… I suggest that ‘digital scholarship’ is really a shorthand for digital, networked and open”. Er hat hier eine Reihe von Informationen, Links und Aufgaben zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe sich die Teilnehmer dem Thema nähern können. Dazu gehören u.a. eine kurze Video-Vorstellung (Achtung, Martin Weller ist Waliser!), der Hinweis auf sein Buch “Digital Scholarship” (hier die Open Access-Version) und einige interessante Reflektionen zur Frage, mit welchem Engagement und Zeitbudget man als unbezahlter Referent seinen “Pflichten” im Rahmen eines MOOC nachkommt (“What are the values in a MOOC?”). Martin Weller, The Ed Techie, 28. September 2011