Um ein mögliches Missverständnis gleich auszuschließen: Natürlich geht es “nur” darum, Twitter als weiteren, zusätzlichen Kanal zu nutzen, um Kommunikations- und Lernprozesse interaktiver zu gestalten und Ansatzpunkte zur weiteren Vernetzung zu bieten. Zwischenüberschriften lauten “Twitter … @ Conferences, … for Scientists, … for Education”. Martin Ebner, SlideShare, 3. November 2011
Die Wissensmanagement-Plattform “References@BT” von Siemens, Building Technologies Divison, ist aus verschiedenen Blickwinkeln eine interessante Case Study: Community of Practice, Knowledge Sharing, unternehmensinternes Microblogging. Das liegt nicht zuletzt an Johannes Müller, der als Knowledge Manager seit 2005 (!) diese Plattform entwickelt, moderiert, dokumentiert und präsentiert. Auf der Professional Learning Europe in Köln habe ich leider seinen Vortrag verpasst, aber Alexander Stocker hat ihn dankenswerter Weise hier bereits verlinkt. Mit weiteren Referenzen zum Best Practice “References@BT”. Alexander Stocker, Alexander Stockers Weblog zu Web 2.0 und Unternehmen, 22. September 2011
Andrew McAfee (”Enterprise 2.0: New Collaborative Tools for Your Organization’s Toughest Challenges”) fasst hier einige Blog-Artikel der letzten Wochen zusammen. Sie kreisen um die Frage, wie Enterprise 2.0 - “the use of emergent social software platforms by companies” - von Unternehmen angenommen und umgesetzt wird. Stichworte sind die Integration in bestehende Arbeitsprozesse und Workflows, die Attraktivität von “contextual collaboration” und der “business impact” von enterprise 2.0. Dazu gehört auch folgende kurze Story:
“John Hagel, co-chairman of Deloitte’s Center for the Edge, relates how a “bunch of old guys” in the Metropolitan Transit Authority’s maintenance department took to a microblogging tool to help them solve a nagging problem: locating hard-to-find parts for buses. “It completely transformed their view of social software,” Hagel said at the Enterprise 2.0 Conference. “They drilled down and saw they could use technology to affect operating performance.”
Sehr schön. Bildung und Qualifizierung hinken hier leider hinterher. Sie müssen darauf vertrauen, dass andere im Unternehmen “emergent social software platforms” einführen, um selbst solche Geschichten zu entwickeln. Aber die Zeit wird kommen. Andrew McAfee, Andrew McAfee’s Blog, 6. September 2011
Es geht auch so: Ein Beratungsunternehmen mit weltweit über 110.000 Mitarbeitern nutzt Yammer, einen Social Networking-Dienst in der Cloud. Okay, es gibt Spielregeln, einen “code of conduct”, um sicherzustellen, dass vertrauliche Informationen hier fehl am Platze sind. Aber ansonsten ist man sich schon nach kurzer Zeit sicher, dass die Vorteile des Dienstes mögliche Risiken weit überwiegen.
Was hat Andy Mulholland, Global Chief Technology Officer bei Capgemini, am meisten beeindruckt? “In large part it is about decentralising the information flow, to create greater collaboration from the outside in. Whereas previously information dissemination was all about the centralised business and knowledge management, social networking has caused a shift in the way we communicate: it’s about an event, a topic, a specific information need at the point of service delivery, such as on site at a client facility.”Continue Reading
Yammer ist ein kleines faszinierendes Tool, eine Art „Facebook light”. Es ist im Kern eine Microblogging-Plattform für den internen Einsatz, ohne die Beschränkung auf 140 Zeichen und mit einer Reihe weiterer Features, die den informellen Informationsaustausch erleichtern. Wenn ich heute daran denke, wie man das informelle Lernen unterstützen, wie man formale Qualifizierungsangebote mit alltäglichen Routinen verknüpfen kann, denke ich an solche Plattformen. Der vorliegende Erfahrungsbericht beschreibt sowohl die mit Yammer verbundenen Möglichkeiten und Grenzen, aber auch die Schwierigkeiten, andere mit an Bord einer Community zu bekommen. Ian Thorpe, KM on a dollar a day, 25. März 2011
Hier zur Illustration die Seite der “Social Learning Community”, eine offene Yammer-Community, ins Leben gerufen von Jane Hart:
Eine weitere Arbeitsprobe aus der 24/7-Werkstatt von Martin Ebner (Graz). In diesem Fall haben die Autoren einen Blick auf Twitter geworfen und versucht, den Informationsflüssen während der ED-MEDIA-Konferenz 2010 in Toronto einige Einsichten zu entlocken. Ein Experiment und Werkstattbericht, nicht mehr. Aber er deutet zumindest an, vor welchem “Datenschatz” Wissenschaftler heute stehen. “Learning Analytics” wäre ein anderes Stichwort. Wobei man nur hoffen kann, dass das Ganze nicht in einem “Hase und Igel”-Wettrennen endet. Martin Ebner, Thomas Altmann und Selver Softic, in: Form@are Online Journal, 11(74), 4. März 2011
Jane Hart schreibt: “For those of you who didn’t see the episode of Grey’s Anatomy that showed the use of Twitter as a learning tool for surgeons, here are some clips on YouTube.” Zum Wochenanfang. Jane Hart, C4LPT Blog, 10. Februar 2011
Eine nette Fingerübung von Nicholas Carr (”The Shallows. What the Internet Is Doing to Our Brains”), der über drei Entwicklungen nachdenkt: alles wird kürzer; mit Konsequenzen für unsere Lesegewohnheiten: das Browsen ersetzt das um Verständnis ringende Lesen; und was wir heute als “kurz” wahrnehmen, wäre früher, also vor dem Internet, vielleicht überhaupt nicht wahrgenommen worden. Nicholas Carr, Rough Type, 16. Januar 2011
Das ist schon das 14. Kurz-Interview im Rahmen des L3T-Projekts! Microlearning, so Martin Lindner hier, sind die kurzen Informationseinheiten, die das Web heute prägen; “activity streams” auf Facebook, Twitter und Co., denen wir versuchen, Sinn und Struktur zu geben, für uns und für andere. “Alles geht, aber wir kommen gar nicht mehr hinterher, das anzuwenden, was technisch möglich ist.” Interview mit Martin Ebner, E-Learning Blog, 17. Januar 2011
Was hat Twitter mit Lernen zu tun? Wer so fragt, deutet zuerst einmal an, dass für ihn Lernen nur da stattfindet, wo auch Lernen drauf steht. Kurse, Seminare, WBTs, eine Didaktik, Lernziele, Übungen usw. Man diskutiert dann häufig nicht über Twitter, sondern über informelles, lebenslanges, selbstorganisiertes Lernen - und was alles dazu gehört. Vor diesem Hintergrund hat Jane Hart bisher Twitter als “a great place to build a PLN - Personal Learning Network” beschrieben. Aber was ist ein PLN? Also noch einfacher: Twitter als “a professional development tool”. Genau! Jane Hart, Social Media for Working & Learning, 30. November 2010
Der Artikel hat eine Schwachstelle: Wenn nämlich die Autorin den Charme von Microsharing-Tools wie Twitter damit erklärt, auf diesem Wege Mitarbeiter im Notfall schneller erreichen zu können. Denn einige Absätze später sind es genau diese Mitarbeiter, die bei diesen Diensten selbst entscheiden, wem und wessen Nachrichten sie folgen wollen. Abgesehen davon wird mit Microsharing (oder Microblogging oder Microlearning, die Autorin ist hier flexibel) sehr schön das Bild der “learning” bzw. “networked organization” gezeichnet. Absätze macht der Artikel bei den Stichworten “Individualized Updates”, “Collective Intelligence” und “Social Seaming”. Zusammengefasst heißt es prosaisch: “Microblogging is the capillary system [of an enterprise].” Marcia Conner, Blog, 24. August 2010
Die ersten Erfahrungsberichte aus dem Hochschulalltag liegen vor. Und damit auch erste Handreichungen, die diese Erfahrungen auswerten und anderen als “Lehr-/Lernkonzepte” zur Verfügung stellen. Das hier vorgestellte Konzept zur Einbindung von Twitter in die Hochschullehre entstand im Rahmen eines Seminars des Studiengangs Medien und Kommunikation an der Universität Augsburg. Im Mittelpunkt stehen vier Bausteine des Twitter-Einsatzes: Kollaboration, Recherche, Reflexion, Diskussion. Grundlegendes zu Twitter, Links auf Praxisberichte und zwei Einsatzszenarien runden das Papier ab. Wobei ich, nur am Rande, aus Wissensmanagement-Perspektive den umgekehrten Blick genauso interessant finde: Welche Instrumente können Kollaboration, Recherche, Reflexion und Diskussion im Hochschul- bzw. Lernalltag unterstützen? Julia Hisserich und Jasmin Primsch, Community of Knowledge, 10. August 2010
Die Experten der Deutsche Bank Research beschäftigen sich regelmäßig mit den Auswirkungen des technologischen Wandels auf Unternehmen, ihre Dienstleistungen und ihre Märkte. Auch das Web 2.0 war in diesem Zusammenhang schon Thema, z.B. 2005 (”Blogs: ein neues Zaubermittel der Unternehmenskommunikation?”) und 2007 (”Starten statt warten: Auswirkungen des Web 2.0 auf Finanzdienstleister”). Jetzt steht “Enterprise 2.0″ im Untertitel und gibt die Richtung der aktuellen Dokumentation vor: Neben Hinweisen zum Stand der Web 2.0-Nutzung und der wohl unvermeidlichen Darstellung einzelner Instrumente geht es um das, was Andrew McAfee als “selbstorganisierende (emergente) Social-Software-Plattformen, die in Unternehmen oder zwischen Unternehmen und ihren Partnern oder Kunden eingesetzt werden”, beschreibt.
Auf dieser Grundlage gibt die Autorin, Antje Stobbe, einzelne Ratschläge (z.B. “Unternehmenskultur muss passen”), betont die Unterschiede zwischen Web 2.0 und Enterprise 2.0, um schließlich darauf hinzuweisen, dass sich viele Projekte derzeit noch im “experimentellen Stadium” befinden. Im Ausblick heißt es: “Dennoch wird das Web 2.0 aus der Wirklichkeit von Unternehmen künftig nicht mehr wegzudenken sein.” Ein professioneller Überblick, der leider weitgehend auf Fallbeispiele verzichtet. Und mit Blick auf das sich täglich weiter ausdifferenzierende Feld von Web 2.0/ Enterprise 2.0 könnte es sinnvoll sein, sich in zukünftigen Studien auf ein konkretes Thema zu konzentrieren. Deutsche Bank Research, 19. Juli 2010 (pdf)
Weil es gerade so schön passt, ein weiterer Artikel zum Thema Microblogging. Hier berichtet das Redaktionsteam von t3n von seinen Erfahrungen mit Yammer, einem Microblogging-Tool für den Unternehmenseinsatz. Das (vorläufige) Fazit: “Mit einer klaren Zielstellung, eindeutigen Rahmenbedingungen und einer konsequenten Umsetzung kann ein internes Microblogging-Tool viel zur Verbesserung der Kommunikation beitragen und sogar eine Eigendynamik entfalten.” Die zahlreichen und ausführlichen Kommentare zeigen, wie viele Unternehmen und Teams derzeit offensichtlich an ihrer Kommunikationskultur arbeiten. (via Tim Schlotfeldt) Jan Tißler, t3n, 6. Juli 2010
1.331 Beiträge von 384 Autoren in einem Jahr. Hinter diesen Zahlen stehen zwei Vorteile des Microbloggings, auf die die Autoren hinweisen: ein schnellerer Informationsfluss und -austausch sowie eine effektivere Unterstützung der weltweiten Vernetzung im Unternehmen. Der Microblogging-Dienst ist übrigens Teil der Community-Lösung von Siemens, “References@BT”, auf die ich an dieser Stelle schon öfters hingewiesen habe (z.B. hier). Alexander Stocker und Johannes Müller, Computerwelt, 7. Juli 2010
Nachtrag (12.07.2010): Gerade entdeckt, dass die Autoren auch eine Langfassung dieses Artikels geschrieben und auf Scribd veröffentlicht haben: “Enterprise Microblogging als “Add-on” des Wissensmanagements”.
Microblogging scheint angekommen. Auf den Seiten der Harvard Business Review wirbt Jeanne C. Meister (die, by the way, vor zehn Jahren die “Corporate University”-Welle anstieß) für die neuen Möglichkeiten, Twitter-ähnliche Tools (hier: Yammer und Socialtext) innerhalb von Unternehmen und Organisation zu nutzen. Drei Ratschläge haben die Autorinnen parat: “- Start small and monitor results …
- Provide training to employees …
- Integrate Microblogging into your workflow …” Jeanne C Meister und Karie Willyerd, Harvard Business Review Blog, 16. April 2010
“Yet very little is known about how corporate employees use microblogging tools.” Es gibt also gute Gründe, einen Blick auf diese Studie zu werfen, in der untersucht wird, ob IBM-Mitarbeiter das unternehmensinterne Microblogging-Tool anders nutzen als das offene Twitter. Um diese Frage zu beantworten, haben die Autoren Posts in verschiedene Kategorien (”status”, “provide information”, “retweet”, “ask question”, “directed posts” und “directed question”) eingeteilt, die sicher auch in anderen Zusammenhängen nützlich sein können. Das Ergebnis in Kurzform: “In both settings, posts that provided information or were directed to others were more common than posts on status.” Weitere Details finden sich im Artikel, der zugleich eine Ahnung davon vermittelt, welche Möglichkeiten der social network analysis hier noch vor uns liegen (via Tim Schlotfeldt und Bill Ives). Kate Ehrlich und N. Sadat Shami, 2010 (pdf)
Einer der Links in Tony Karrer’s Aufzählung führt zu Jane Hart und ihrem umfangreichen und lesenswerten Twitter-Guide. Auch wenn man glaubt, dass es bei Twitter nicht viel zu erklären gibt oder möglicherweise bereits alles gesagt ist, bei Jane Hart wird man sicher noch fündig. Kurze Erklärungen und Hilfen, viele Beispiele und “Reading Lists”, gegliedert in “Getting Started”, “The Basics”, “Presentations, Events, Classes & Training”, “Micro-Learning”, “Other Activities” und “Managing multiple accounts & networks”. Eine tolle Ressource!
“This Guide therefore looks at how to use Twitter for social learning - that is to build a community, communicate, collaborate with others, as well as share information and resources. In addition it looks at how it can be used for to support formal social learning events and programmes.” Jane Hart, Centre for Learning and Performance Technologies (C4LPT), März 2010
Inzwischen stehen die meisten Referate aus der von mir moderierten LEARNTEC-Sektion zum Thema Twitter online. Kurz, was sich hinter den Titeln verbirgt: Andrea Back beschreibt, wie Twitter sich nahtlos in bekannte Szenarien einfügt: Lerngemeinschaften angehören; Lernen durch Lesen; Fragen stellen; Feedback erhalten; Karrierekontakte knüpfen (”Twitter - Begegnung mit altbekannten Lernsituationen”). Joachim Niemeier fasst Erfahrungen mit Microblogging in Form einer SWOT-Analyse (”Microblogging im Unternehmen”) zusammen. Martin Ebner und Sandra Schaffert stellen in ihrem Vortrag die Ergebnisse von fünf Fallstudien im Hochschulkontext vor (”Microblogging - Potentiale an der Hochschule”). Ihren Vortrag gibt es auch als Podcast (hier). Und ich frage mich gerade, warum die Veranstalter nicht jeden Referenten im Vorfeld bitten, seine Folien auf Slideshare zur Verfügung zu stellen …