Der Horizon Report 2012 ist etwas ganz Besonderes für mich. Als Mitglied des Advisory Boards durfte ich dieses Mal aktiv an seiner Entstehung und der Auswahl der einzelnen Trends teilnehmen. Eine interessante und spannende Erfahrung, auch wenn die Prozesse klar strukturiert sind und sich alles in einem relativ kurzen Zeitfenster zwischen November und Januar abspielt. Hinzu kam, dass es sich dieses Mal um die zehnte Ausgabe dieses Reports handelt, wie immer gemeinsam vom New Media Consortium (NMC) und der EDUCAUSE Learning Initiative (ELI) durchgeführt. Und wie immer ging es darum, „emerging technologies” zu identifizieren, „likely to have a large impact over the coming five years in education around the globe”. Wobei das Flagschiff, die “Higher Education Edition”, hier noch einmal einen besonderen Schwerpunkt setzt.
Am Format des Reports hat sich nichts geändert. Sechs Trends werden wieder nach ihrer voraussichtlichen “time to adoption” aufgereiht:
- ein Jahr oder weniger: Mobile Apps und Tablet Computing
- zwei bis drei Jahre: Game-based Learning und Learning Analytics
- vier bis fünf Jahre: Gesture-Based Computing und Internet of Things
Noch ein kleiner Grundsatzartikel. Es geht um “openness”, allerdings nicht radikal-politisch, sondern reform-orientiert, als einzig plausible Antwort auf den fortwährenden Wandel. Und warum “openness” auch für das nächste Feld der Bildungsdiskussion, “learning analytics”, wichtig ist.
“Learning analytics serve to give educators information on what’s working and what’s not working. For this reason, analytics tools must be open, embodying the principles of open source movements or the hacker way: iterative, hands on, democratic, open, and transformative.” George Siemens, elearnspace, 10. Februar 2012
“We need to rethink learning analytics”, schreibt der Autor, und wer möchte ihm da nicht Recht geben. Denn viel zu häufig konzentriert sich das Bildungscontrolling (wie es ja hierzulande heißt) nur auf Lernaktivitäten und macht da halt, wo die Umsetzung des Gelernten in der Praxis beginnt. Lieber sollte man fragen, so die Empfehlung, “whether content is valuable to our audience”, und die Antwort mit Hilfe der Informationen suchen, die uns in den Kommunikationsflüssen des Social Web zur Verfügung stehen. Analyse und Diagnose sind okay, aber die Lösung ist noch nicht zu Ende gedacht … Reuben Tozman, T+D Magazine, Februar 2012
Im Moment kann man fast eine wöchentliche Veranstaltungsübersicht präsentieren, die sich allein dem Thema Open Online Courses bzw. MOOCs widmet. Kurz der Reihe nach:
1) der Klassiker: CCK012
Ich glaube, es ist mittlerweile die vierte Auflage dieses Kurses on “Connectivism and Connective Knowledge”, der ja die ganze MOOC-Bewegung erst so richtig ins Rollen gebracht hat. Er dauert vom 23. Januar bis zum 18. April (allerdings ist die Course Outline im Moment noch aus 2011 …). Facilitators sind wieder George Siemens und Stephen Downes.
2) das Trendthema: lak12
“lak12″ steht für “Learning Analytics and Knowledge 2012″ und hier kann man sich gleich über eines der Themen austauschen, die auch der Horizon Report 2012 auf seine Trendliste gesetzt hat. Der lak12 läuft über 8 Wochen. Er ist auch am 23. Januar gestartet (bis 18. März) und irgendwie schafft es George Siemens, auch hier die Rolle des Facilitators zu übernehmen - neben vier weiteren Kollegen.
3) der Shooting Star: CS 101: BUILDING A SEARCH ENGINE
David Evans und Sebastian Thrun versprechen nicht wenig: “Learn programming in seven weeks. We’ll teach you enough about computer science that you can build a web search engine like Google or Yahoo!” Und es braucht kein Vorwissen, sagen die beiden Experten (grinsen dabei aber irgendwie komisch)! Ab dem 20. Februar kann jeder prüfen, wie weit er kommt.
George Siemens und Phil Long werben hier einmal mehr für die Möglichkeit, ja, Notwendigkeit von Learning Analytics, also “measurement, collection, analysis and reporting of data about learners and their contexts, for purposes of understanding and optimising learning and the environments in which it occurs”. Fast jeder Lernprozess hinterlässt heute digitale Spuren, “big data”, die genutzt werden können, um Lerner zeitnah zu unterstützen und Lernprozesse zu optimieren. Doch “big data” sind auch die Grundlage für “business intelligence” und “performance management”, also wirtschaftliche Entscheidungen über die Verteilung von Ressourcen - und genau das macht den Ansatz gleichermaßen interessant und schwierig.
Doch das Feld ist noch jung und relativ abstrakt. Leider führen auch die Autoren kein konkretes Beispiel an, das zeigt, wie eine Institution hier den Ball aufnimmt, strategische Ziele setzt, gezielt Daten sammelt und auswertet, um anschließend Lernprozesse zu optimieren. “Learning is messy, and using analytics to describe learning won’t be easy”, schreiben Siemens/ Long. George Siemens und Phil Long, EDUCAUSE Review Magazine, Vol. 46, Nr. 5, September/ Oktober 2011
Ich wage einmal einen Versuch: Hinter dem Thema steckt viel mehr, als es der trockene Titel vermuten lässt! Wenn wir uns Social Learning anschauen, also das netzbasierte Lernen, das sich nicht in der stillen Auseinandersetzung mit einem Thema, sondern in Diskussionen, Konversationen, Kommentaren und vielen weiteren Netzwerkbeziehungen vollzieht, so stehen den Beteiligten damit eine Fülle von Informationen zur Verfügung. Das ist prinzipiell nichts Neues: Business Intelligence und Web Analytics sind schon lange dabei, entsprechende Informationen für verschiedene Interessengruppen aufzubereiten. Jetzt entdecken Bildungsexperten das Feld (siehe z.B. den Horizon Report 2011). Continue Reading
In Mailand findet gerade das Social Business Forum statt. Auf den Konferenzseiten ist eine Reihe von interessanten Interviews mit den Referenten versammelt, die im Vorfeld der Konferenz geführt wurden. U.a. dieses mit George Siemens, der hier einige Dinge zum Stichwort “social learning” sehr schön auf den Punkt bringt. Und damit Stoff zum Nachdenken und Diskutieren liefert. Deshalb will ich etwas länger zitieren: Continue Reading
George Siemens hat hier einige Eindrücke und Ressourcen der Konferenz in Banff zusammengefasst (28.02.- 01.03.). Seine zentrale Botschaft: “Analytics will be huge in education and are coming faster than almost anyone can anticipate.” Zugleich bereitet er uns auf den damit verbundenen Hype vor: “analytics will be everything, they will cure all ails, they will transform education, they will … Purchase your Batman Consultant-Repellant spray now.” Will do. George Siemens, elearnspace, 11. März 2011
Eine weitere Arbeitsprobe aus der 24/7-Werkstatt von Martin Ebner (Graz). In diesem Fall haben die Autoren einen Blick auf Twitter geworfen und versucht, den Informationsflüssen während der ED-MEDIA-Konferenz 2010 in Toronto einige Einsichten zu entlocken. Ein Experiment und Werkstattbericht, nicht mehr. Aber er deutet zumindest an, vor welchem “Datenschatz” Wissenschaftler heute stehen. “Learning Analytics” wäre ein anderes Stichwort. Wobei man nur hoffen kann, dass das Ganze nicht in einem “Hase und Igel”-Wettrennen endet. Martin Ebner, Thomas Altmann und Selver Softic, in: Form@are Online Journal, 11(74), 4. März 2011
Der Titel ist etwas irreführend. Denn der Autor, Dan Pontefract, arbeitet sich vor allem an Donald Kirkpatricks’ “Four Levels of Evaluation”-Modell ab, das er mit einer Kakerlake, “cockroach”, vergleicht: Beide haben sich bis heute erfolgreich jedem Wandel widersetzt. Doch wenn Lernen ein kontinuierlicher Prozess ist, der sich nicht nur im Klassenzimmer bzw. Seminarraum abspielt, dann müssen sich Evaluationsmodelle dringend anpassen:
“Learning professionals would be well advised to build social learning metrics into the new RPE model through qualitative and quantitative measures … Diverging from the cockroach, it’s time for the learning profession to evolve.” Dan Pontefract, trainingwreck, 6. Februar 2011
Rita Kop (National Research Council of Canada) hat hier einige Erfahrungen, aber vor allem Daten aus PLENK2010, dem Open Online Course zu Personal Learning Environments, Networks and Knowledge, zusammengetragen. Ich kann einen Blick in der verlinkte Präsentation empfehlen: Es sind zum Teil sehr interessante Versuche, die Aktivitäten der Teilnehmer abzubilden und zu analysieren. Alles noch sehr ergebnisoffen und sicher erst ein Anfang, aber spannend! Ich denke, es geht in die Richtung, die George Siemens u.a. derzeit unter dem Stichwort “Learning Analytics” diskutieren:
Wikipedia: “Learning analytics is the use of intelligent data, learner-produced data, and analysis models to discover information and social connections for predicting and advising people’s learning.” (hier geht es zur aktuellen Konferenz, die am Sonntag startet) Rita Kop, Blog, 24. Februar 2011
Die Prognosen von Tony Bates habe ich aus zwei Gründen mit Gewinn gelesen: Zum einen decken sich seine Trends weitgehend mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen. Unter Überschriften wie “Course Redesign”, “The Future is Mobile”, “Open Educational Resources” oder “More Multimedia” stellt Tony Bates eine Reihe von technischen, didaktischen und organisatorischen Entwicklungen vor, die das laufende Jahr prägen werden: das reicht von iPads und e-Books, über kurze Videoformate bis zur fortschreitenden Integration von Social Media in Kursmodelle und Lernumgebungen.
Hier noch, wie Tony Bates “Learning Analytics” versteht:
“Learning analytics is the measurement, collection, analysis and reporting of data about learners and their contexts, for purposes of understanding and optimizing learning and the environments in which it occurs. In other words it is the application of business intelligence software to learning and learners.”