Im Moment kann man fast eine wöchentliche Veranstaltungsübersicht präsentieren, die sich allein dem Thema Open Online Courses bzw. MOOCs widmet. Kurz der Reihe nach:
1) der Klassiker: CCK012
Ich glaube, es ist mittlerweile die vierte Auflage dieses Kurses on “Connectivism and Connective Knowledge”, der ja die ganze MOOC-Bewegung erst so richtig ins Rollen gebracht hat. Er dauert vom 23. Januar bis zum 18. April (allerdings ist die Course Outline im Moment noch aus 2011 …). Facilitators sind wieder George Siemens und Stephen Downes.
2) das Trendthema: lak12
“lak12″ steht für “Learning Analytics and Knowledge 2012″ und hier kann man sich gleich über eines der Themen austauschen, die auch der Horizon Report 2012 auf seine Trendliste gesetzt hat. Der lak12 läuft über 8 Wochen. Er ist auch am 23. Januar gestartet (bis 18. März) und irgendwie schafft es George Siemens, auch hier die Rolle des Facilitators zu übernehmen - neben vier weiteren Kollegen.
3) der Shooting Star: CS 101: BUILDING A SEARCH ENGINE
David Evans und Sebastian Thrun versprechen nicht wenig: “Learn programming in seven weeks. We’ll teach you enough about computer science that you can build a web search engine like Google or Yahoo!” Und es braucht kein Vorwissen, sagen die beiden Experten (grinsen dabei aber irgendwie komisch)! Ab dem 20. Februar kann jeder prüfen, wie weit er kommt.
Heute hat, wie bereits erwähnt, das Fachforum “Lernen in sozialen Netzwerken” stattgefunden. Ich habe noch Herrn Larbig gehört. Und Rene Scheppler, wie er über die “Klasse(n)Blogs” an der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden berichtet hat. Und dann haben wir unser OpenCourse-Projekt vorstellen dürfen. Das geschah in zwei Etappen: Zuerst habe ich kurz über Hintergründe und Kontext informiert (Folien anbei), und dann haben Claudia Bremer, David Weiß und ich den Kurs selbst vorgestellt, inklusive einiger Zahlen und ersten Eindrücken. Schön, dass einige OpenCourse-Teilnehmer vor Ort waren, um die Chance einer “realen” Begegnung zu nutzen und ihre Anmerkungen beizusteuern! Danke an @herrlarbig, @mons7, @designeon, @KhPape und … Jochen Robes, Slideshare, 21. Juni 2011
George Siemens, gerade aus seinem letzten OpenCourse “CCK11″ entlassen, meint, dass “self-directed learning” immer weniger die Lernerfahrungen und -prozesse beschreibt, die wir heute machen. “When faced with learning in complex environments, what we need is something more like network-directed learning – learning that is shaped, influenced, and directed by how we are connected to others. Instead of sensemaking in isolation, we rely on social, technological, and informational networks to direct our activities.”
Das ist ein alter Hut, werden jetzt einige sagen. Lernerfahrungen sind immer sozial und vernetzt, sind “praktisch” (wenn es nicht nur um das Memorieren von Fakten geht), eingebettet in einen sozialen Kontext. Die Frage könnte also lauten: Wie hat sich das vernetzte Lernen unter den Bedingungen und Möglichkeiten von Social Media verändert? George Siemens, Connectivism, 1. Mai 2011
Claude Almansi nimmt das aktuelle Themenheft der “International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL)” zum Anlass, um über einige grundlegende Dinge in Massive Open Online Courses (MOOC) nachzudenken. Ihre Schlussfolgerung: Manches ist komplizierter vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Zum Beispiel die berühmt-berüchtigten “Lurker”, die in den Statistiken von Online-Aktivitäten auftauchen, ohne selbst etwas aktiv bzw. kreativ beizutragen. Zum einen: “Lurking is not a problem, as long as lurkers are learning.” Zum anderen geht es um unterschiedliche Haltungen und Persönlichkeiten der Teilnehmer, die verschiedene Formen der Teilnahme mit sich bringen, so Almansi.
Der Beitrag ist auch so interessant, weil die Autorin auf einige jüngste Erfahrungen aus Open Online-Kursen wie z.B. PLENK 2010 zurückgreift. Sie weist darauf hin, dass PLENK zuletzt 1.616 Anmeldungen hatte, hinter denen jedoch nur 40-60 aktive Teilnehmer standen. Und sie erklärt sehr anschaulich, wie sich für sie als “digital immigrant” das konnektivistische Lernen durch das Netz verändert hat:
“Example: I am presently in charge of the Conferences page here. As I am not an academic - nor likely to be able to afford the costs of attending most conferences - this task would have been totally beyond me in pre-digital times. As I explained in the introduction of that page, now, I strive to update it via indications sent by e-mail, added to the comments of that page, gathered from mailing-lists, social networks, etc. To these information resources, I recently added Lanyrd, a twitter-based application: if you sign in to it with your twitter account, you will see which conferences your twitter contacts are attending in the near future.”
Das erste Fachmagazin, das eine komplette Ausgabe dem Thema “Connectivism” widmet, schreibt George Siemens, nicht ohne Stolz, im Editorial. Im Vordergrund, so Siemens, steht aber die Frage, wie der technologische Wandel, allen voran das Internet (”distributed, social, networked”), Bildungs- und Lernprozesse beeinflussen. Kann der Connectivism diesen Wandel adäquat beschreiben?
Neun Beiträge versuchen sich an einer Antwort. Ich habe einen Blick in Rita Kops Arbeit geworfen, in der es um die Herausforderungen geht, vor denen der Connectivism und “connectivist learning” stehen. Das wären zum einen Fähigkeiten wie “self-directed learning”, “presence” und “critical literacies”, die Facilitators und Lerner mitbringen sollten. Und zum anderen die Aktivitäten, denen sie im Rahmen von Open Courses nachkommen sollen: “aggregating, relating, creating, and sharing”. Rita Kop hat anschließend die Lernaktivitäten in zwei Open Online-Kursen untersucht und zeigt auf, wo hier noch die Grenzen liegen: “… but only a minority of 40-60 PLENK participants were engaged in the creation of digital artefacts, such as blog posts and videos, and in the distribution of these.” The International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL), Vol 12, Nr. 3 (2011)
Der Autor hat seine Erfahrungen mit PLENK2010 in vier “lessons learned” zusammengefasst: “- Lesson 1: Learning in a MOOC is Possible
- Lesson 2: Learning Often Occurs Through the Back Channels
- Lesson 3: Learning Without Being Assessed
- Lesson 4: Learning Needs a Daily Reminder”
Zwei Kapitel zum “Connectivism” und zum Kurs “PLENK2010″ bieten den notwendigen Kontext. Und die Erfahrungen sind aus meiner Sicht gut auf andere Lernsituationen und -prozesse übertragbar. Dalit Levy, PLENK2010, 9. Dezember 2010
George Siemens hatte wohl gestern das, was man einen “Rappel” nennt. Bei dieser Gelegenheit hat er einige Zeitfresser kurz und knapp auf den Punkt gebracht: Fragen rund um das Lernen und Online-Lernen, die niemanden wirklich vorwärts bringen:
“1. Is online learning more or less effective than learning in a classroom? …
2. Does technology use vary by age? …
3. How do learning styles influence learning online? …
4. What role do blogs or microblogging [insert tool in question] play in classroom or online learning? …
5. How can educators implement [whatever tool] into their teaching? …
6. Is connectivism a learning theory? …”
In diesen Tagen starten ja einige Open Courses (zuletzt habe ich auf Jane Harts Tutorial “How to use social media in your job” hingewiesen). Heute fällt der Startschuss zu PLENK 2010, “Personal Learning Environments, Networks and Knowledge”, und es gibt gute Gründe, vielleicht gerade diesen Kurs auszuwählen, wenn man sich auf das Experiment “Open Course” einmal einlassen will:
a) zwei der Initiatoren von PLENK2010, Stephen Downes und George Siemens, haben vor zwei Jahren mit ihrem Connectivism-Kurs (CCK08) die Welle losgetreten und können bereits auf einige Erfahrungen mit den Unwägbarkeiten von Open Courses zurückgreifen; b) PLENK2010 wird ausdrücklich als “connectivist course” bezeichnet, was eine enge Verbindung von Theorie und Didaktik sowie regelmäßige Reflektionen über das Format selbst mit sich bringt; was c) sicher auch dadurch unterstützt wird, dass das Format bzw. Personal Learning Environments zugleich auch Thema des Kurses ist.
Ich habe jedenfalls am Freitag gleich die Probe aufs Exempel gemacht und an der ersten Elluminate-Session, eine Art “Welcome”, teilgenommen. 75 Teilnehmer aus allen Ecken der Welt hatten sich eingeklinkt. Personal Learning Environments, Networks, and Knowledge 2010 (PLENK)
“Open Courses” sind aktuell eine der spannendsten Bewegungen im Online-Lernen. Sie sind die logische Weiterentwicklung dessen, was MIT 2002 mit der Publikation seiner Kursmaterialien im Netz losgetreten hat. Sie sind zudem eng verknüpft mit der Idee des Connectivism und damit eine interessante Verbindung von Theorie und didaktischem Design. Die hier vorliegenden Überlegungen von George Siemens, einem der aktivsten Initiatoren von “Open Courses”, fassen die bis heute gemachten Erfahrungen zusammen. Sein Fokus liegt dabei auf zwei Fragen: “How do MOOCs reflect effective practices within the digital economy?” und “In terms of discourses, literacies, and prior knowledge, what digital skills are privileged and rewarded within the MOOC environment?” Um diese Fragen herum gruppiert er eine Reihe von interessanten Beobachtungen über die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen dieses Formats. Einige will ich an dieser Stelle kurz festhalten: Continue Reading
Gabi Reinmann hat noch vor ihrer Sommerpause ihren Beitrag zum L3T-Projekt online gestellt. Er ist überschrieben mit “Didaktisches Design: Von der Lerntheorie zur Gestaltungsstrategie” - und enthält genau das, was draufsteht: er führt den Leser von der Theorie (bzw. den vier bekannten Lerntheorien) zu Lehrzielen und Lehrzieltaxonomien, dann zur Ausrichtung von Lernumgebungen und schließlich zu konkreten didaktischen Szenarien. Der Text erklärt, wie Theorie und die Gestaltung von Lernszenarien zusammenhängen, warum Lerntheorien wichtig sind und wo ihre Grenzen liegen: “Lerntheoretische Kenntnisse machen einen noch nicht zum didaktischen Designer, weil Lerntheorien keine unmittelbar handlungspraktische Relevanz haben. Sie liefern dennoch eine wichtige Grundlage für reflektierte didaktische Entscheidungen, weil sie für verschiedene Sichtweisen auf das Phänomen Lernen und damit verbundene Lehrstrategien sensibel machen.” Ein lesenswerter Grundlagenartikel! Gabi Reinmann, e-Denkarium, 24. Juli 2010
Am 13. September beginnt PLENK2010, ein weiterer „connectivist course” zum Thema “Personal Learning Environments, Networks, and Knowledge”. Dazu gehört z.B. die Frage, wie (persönliche) Lernumgebungen aussehen können, die über die klassische Lernplattform und traditionelle Kursformate hinausgehen. Der Kurs wird Teilnehmern wieder eine Möglichkeit bieten, sich nicht nur mit einem Thema (PLENK), sondern zugleich auch mit lerntheoretischen Grundlagen (connectivism) und didaktischem Design (open course) zu beschäftigen. Die Gastgeber (facilitators) des Kurses werden George Siemens, Stephen Downes, Dave Cormier und Rita Kop sein, organisiert und sponsored wird er vom Technology Enhanced Knowledge Research Institute (TEKRI) an der Athabasca University (Kanada) mit der technischen Infrastruktur und dem Support, der aus ähnlichen „open course”-Formaten bekannt ist. Stephen Downes, stephen’s web, 12. August 2010
Am Mittwoch habe ich diese Slides auf dem 2. Treffen der Community of international Training Practice (COiTP) in Fulda vorgestellt. Ein ausgewählter Kreis von Trainings- und Bildungsexperten großer Unternehmen bildet diese Community. Das Schwerpunkt-Thema des Treffens hieß “Neue Lernmethoden, neue Wege Wissen zu verteilen”, und es gab einige Diskussionspunkte, die ich an dieser Stelle kurz festhalten möchte:
Es ist oft nicht ganz einfach, zwischen Trainingsmanagern eines Industriebereichs und den Bildungsexperten eines Dienstleistungsunternehmens zu vermitteln. Vor allem an die Unterscheidung zwischen dem geführten Präsenztraining von Teilnehmern und den selbstorganisierten Lernprozessen von Managern, Experten und Wissensarbeitern muss immer wieder erinnert werden.
Das betrifft auch E-Learning. Zu schnell wird das klassische Web-based Training mit der Community-Plattform im Netz gleichgesetzt.
Auch (oder gerade) wenn man in neue informelle, community-gestützte Lernumgebungen investiert, stellt sich die Frage nach dem konkreten, nachweisbaren Nutzen dieser Projekte (bzw.: nach dem ROI oder “business impact”). Hier braucht es sicher noch einige Best Practices!
Die Globalisierung der Märkte und Wertschöpfungsketten stellt Herausforderungen dar, die heute weit in den Mittelstand hineinreichen - z.B. wenn ein Teilnehmer betont, dass die Konsolidierung seines Unternehmens vor allem vom Wachstum des chinesischen Marktes abhängt.
George Siemens hat ja schon einige Male versucht zu erklären, was Connectivism bedeutet und sogar schon ein ganzes Buch darüber geschrieben (”Knowing Knowledge”). Dieser Artikel ist sicher einer der verständlicheren, auch weil er hier versucht, die Brücke zu Corporate Learning zu schlagen. Sein Fahrplan: Traditionelles, kurs-basiertes Lernen will vermitteln, was bereits bekannt ist. Aber das ist zu wenig in heutigen, schnelllebigen und komplexen Zeiten. Viel wichtiger sind Lernprozesse, in denen Mitarbeiter selbst Verbindungen zwischen Informationen und Personen durch soziale und technische Netzwerke herstellen. “The distinction in a connectivist course is that the learner - the employee - pulls together the various sources of information into a coherent whole.” George Siemens, elearnspace, 15. Juli 2010
Wer sich für das Format des Open Online-Kurses näher interessiert, ist hier richtig. Zugleich ist es ein weiterer Artikel, der die Erfahrungen des “CCK08″ - des “Connectivism and Connective Knowledge”-Kurses von George Siemens und Stephen Downes - auswertet, also jenes Online-Kurses, der in der EduCommunity und darüber hinaus den Startschuss für dieses Format gegeben hat. Die Autoren fragen in kritischer Sympathie, inwieweit es den Initiatoren/Facilitators gelungen ist, die eigenen Ansprüche umzusetzen, also Connectivism nicht im klassischen Stil zu lehren, sondern seine Grundprinzipien - “autonomy, diversity, openness and connectedness” - in eine entsprechende Lernumgebung zu überführen. Continue Reading
George Siemens spricht hier über “collapsing to connections” - 18.18 Minuten, frei, ohne Slides, sehr persönlich. So geschehen im Rahmen der TEDxNYED am 6. März 2010. Dabei schlägt er einen Bogen von seinen ersten Jahren in Mexiko, dem Wechsel nach Kanada zur Idee des “Connectivism” (ohne zu theoretisieren) und wie er diese Idee im Konzept der offenen Online-Kurse mit Stephen Downes und Dave Cormier umzusetzen versucht.
“When we learn transparently, we become teachers. The act of showing others how we’re learning is an instructional task. In the same regard every expression is an opportunity for connection in the digital space.”
Für später: Auch die Präsentationen der anderen Referenten dieses Events, z.B. Henry Jenkins, Michael Wesch, David Wiley, Lawrence Lessig und und … sind online und bestimmt lohnenswert! George Siemens, elearnspace, 19. April 2010
Manchmal wünschte ich mir, in diese Interviews mit Experten würden etwas mehr aktuelle Bezüge einfließen. Also z.B. den Interviewten fragen, womit er sich gerade beschäftigt, warum er an diesem Ort ist, was er von der Nachricht xy oder dem gerade gehörten Statement hält, usw. Vor allem, wenn es wie im Fall George Siemens schon eine Fülle von Interviews im Netz gibt. Anyway, auch dieses Interview ist hörenswert und enthält schöne Antworten, zum Beispiel auf die Frage “Can you make friends with people you don’t know or you only “virtual”?” und zur “role of theory”. Und natürlich Einschätzungen von George Siemens zum Online-Kurs “Connectivism and Connective Knowledge (CCK)”. Dankenswerterweise gibt es eine hilfreiche thematische Gliederung des 40-minütigen Videos. Ulrike Reinhard, Conversations At the Beginning of a New Time, 8. März 2010
Und schon gibt es eine Diplomarbeit zum “Unkonferenzformat BarCamp”. Entstanden ist sie natürlich an der TU Ilmenau, wo auch 2008 das erste EduCamp im deutschsprachigen Raum stattfand. Marcel Bernatz hat sich dort die Frage gestellt, warum BarCamps so populär sind, ob sie als Lernorte funktionieren und ob sich dort Netzwerke oder gar Wissensgemeinschaften bilden. Das Rüstzeug für den empirischen Teil der Arbeit holt er sich bei Etienne Wenger (Communities of Practice) und George Siemens (Konnektivismus). Interessant ist auch das Kapitel zum Konferenzformat selbst, indem er die Spielregeln vorstellt, nach denen BarCamps “ticken” (und ich kann bestätigen, dass man sich auf dem letzten EduCamp in Hamburg ziemlich exakt daran gehalten hat!). Die Ergebnisse seiner Untersuchung bestätigen, dass BarCamps gut in diese Zeit passen. Marcel Bernatz fasst zusammen, “dass das Format die wesentlichen Charakteristiken einer Lernökologie erfüllt und sogar vorsichtig als optimale Lernumgebung bezeichnet werden kann” (S. 108). Wenn das kein Grund für einen Besuch ist … Marcel Bernatz, 16. November 2009
Es gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewußtsein dazu, die drei Kapitel eines Artikels mit “Context”, “Current” und “Future” zu überschreiben. Aber, okay, es ist Stephen Downes und er versucht hier, eloquent und assoziativ, die Zukunft des Online-Lernens zu skizzieren: “This paper describes experimentation in the development of distributed online courses and in software - particularly, the personal learning environment - that support the formation of connections between the far-flung pieces of such courses.”
Wem das noch zu allgemein ist, dem sei gesagt, dass Social Networking Technologies und Personal Learning Environments zentrale Stichworte des Artikels bilden. Wenn er von “experimentation in the development of distributed online courses” spricht, dann meint er den Connectivism-Kurs, den er zusammen mit George Siemens 2008 und 2009 durchgeführt hat. Ansonsten enthält der Artikel gerade im ersten Teil viele kluge Bemerkungen, mit denen der Autor immer wieder das Geschäftsmodell jeder Bildungsinstitution untergräbt: “First, and significantly, we often do not know what it is we want to teach the student …” Stephen Downes, Journal of Emerging Technologies in Web Intelligence, Vol. 2, No. 1, Februar 2010
George Siemens misst das Online-Lernen aus. Dabei orientiert er sich an den Ansätzen, die Google und Facebook verkörpern: “Google looked at the web and saw information to organize. Facebook looked at the same web and saw people who needed to be connected.” Hier, so George Siemens, gibt Facebook die Richtung vor, auch wenn sich so mancher mit deren Geschäftsphilosophie nicht anfreunden mag. Was bedeutet das für die Weiterbildung?
“First: Most organizations currently use a learning management system (LMS) such as Moodle or Desire2Learn. These systems are content-centric. Their objective is to organize and manage content, just as Google did in early 2000. Because higher education is particularly enamored with content, an LMS is a critical service. It’s completely the wrong model, however, and this will become increasingly apparent in the next several years.”
Aber der wichtigste Punkt ist ein anderer: “Fourth: Managing abundance and complexity requires a different view of teaching and learning than currently forms the foundation of education.”
Hier beginnen mit Blick auf die Praxis in vielen Organisationen und Unternehmen die Missverständnisse (auch bei Siemens): Denn dort, in der Weiterbildung der Organisationen und Unternehmen, geht es nicht um das Management von Komplexität! Lernplattformen werden eingesetzt, um den Umgang mit Produkten, Software oder Prozessen zu schulen oder über gesetzliche Regularien zu informieren. Diese Anforderungen sind nicht komplex, sie sind oft nicht einmal kompliziert, sondern schlicht “simple” (siehe das Cynefin-Framework von David Snowden). Wer es heute mit komplexen oder “chaotischen” Problemen im Arbeitsalltag zu tun hat, wird in den Lernplattformen dieser Welt keine Antworten finden. Da hat George Siemens wieder Recht. 22 Kommentare bis heute … George Siemens, Connectivism, 10. November 2009
Das passt natürlich hervorragend zum Start des cck09. Silke Hinrichs hat Stephen Downes’ Video-Statement “What is Connectivism? A Quick introduction to the topic of Connectivism” ins Deutsche übersetzt. Auch wenn ich sicher bin, dass Stephen Downes hier sicher genauso viele Fragen aufwirft wie beantwortet, es ist sicher für manchen eine schöne Sache, auch den zweiten Protagonisten des Kurses kurz in Wort und Bild zu erleben.
“Was ist also Konnektivismus? Das Besondere am Konnektivismus ist die These, dass Wissen buchstäblich über Verknüpfungen (=connections) verteilt ist. Wissen ist das, was entsteht, wenn Informationen von einer Verknüpfung, von einer Entität an eine andere gesendet werden.” Silke Hinrichs’ Blog, 7. August 2009