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Epistemische Prekarität. Warum Wissen im KI-Zeitalter brüchig wird

Ich habe auf LinkedIn gesehen, dass Ulrich Wirth, einer der Autor:innen unseres CLC Buches, einen Artikel geschrieben hat, der Teil einer Publikation ist (Ertl, H. u.a.: KI in der beruflichen Bildung – wie können wir die Zukunft gestalten?), aber als Forschungsbericht auch direkt aufgerufen werden kann. Da es auf den ersten Blick um Wissen und Künstliche Intelligenz geht, habe ich die 17 Seiten direkt gelesen. Ulrich Wirth führt darin aus, dass generative Sprachmodelle wie ChatGPT heute Antworten geben können, die sehr überzeugend und fachlich klingen, obwohl sie manchmal falsch, unvollständig oder unbelegt sind. Das Problem besteht jetzt nicht nur darin, dass die KI Fehler macht. Das eigentliche Problem besteht darin, dass diese Fehler oft nicht sofort erkennbar sind, weil die Sprache so sicher und plausibel wirkt.

Dieses Problem nennt Ulrich Wirth „epistemische Prekarität“, kurz: das Wissen befindet sich in einer unsicheren Lage bzw. wir haben es mit einer „Verschiebung epistemischer Autorität“ (S. 6) zu tun. In der Studie verbindet er seine Analyse mit Beispielen aus der Ausbildung im Gesundheitswesen und überlegt laut, welche Konsequenzen sich daraus für die berufliche Bildung und die in ihr tätigen Lehrkräfte ergeben.

Sein Fazit: „Klug prüfen statt schnell vertrauen
„Generative KI verändert nicht, was wir wissen, sondern wie Wissen Geltung erhält. Sie schafft keine Wahrheiten, sondern Simulationen von Wissen (vgl. Ji u. a. 2023).
In der Gesundheitsbildung wirkt diese Verschiebung unmittelbar – in denselben Mustern, die bereits in den Fallanalysen sichtbar wurden: Fehler erscheinen plausibel, Expertise kann simuliert werden, Urteilsbildung droht zu erodieren. Doch dieselbe Technologie kann – richtig gerahmt – Reflexion schärfen, Quellenkritik trainieren und epistemische Mündigkeit fördern. Entscheidend ist nicht der Einsatz, sondern die Haltung zur Nutzung.“
Ulrich Wirth, BIBB Forschungsberichte, Bonn, 2026 (via LinkedIn)

 

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