Auswählen: Was ist es wert, festgehalten zu werden?
So, ich habe gerade noch einmal einen Blick auf die erste Station der PKM-Lernreise geworfen: „Was ist es wert, festgehalten zu werden?“ heißt es da. Mein erster Reflex: Die Frage stelle ich mir im Alltag selten bewusst, und sie steht damit etwas quer zu meinen Routinen. Aber ich will in einigen Stichworten versuchen, sie aufzunehmen und mich ihr zumindest anzunähern.
– Vor der Frage „Was ist es wert, festgehalten zu werden?“ steht die Frage „Was ist es wert, gelesen (gehört, gesehen) zu werden?“
Hier habe ich inzwischen meine festen Quellen, denen ich folge: Netzwerke, Organisationen und Personen. Sie sind qualitätsgesichert (kurz: haben sich in meinem kleinen Universum bewährt), bespielen meine Themen und Interessen, sind im Idealfall selbst Aggregatoren und Kurator:innen, die unentwegt Fundstücke in meine Kanäle spülen. Meine Kanäle: unzählige Newsletter (ich bin bekennender Newsletter-Junkie!), Podcasts, Feedly, Tageszeitungen, Zeitschriften und Bücher (ich investiere kräftig in Abos und Buchhandlungen!), Netzwerke wie LinkedIn, Projekte, BarCamps und persönliche Begegnungen.
– Diese Fundstücke werden regelmäßig ausgesiebt, auf Lesenswertes überprüft und in digitalen Ordnern abgelegt (es gibt auch Collegeblöcke und Leuchttürme, aber deren Rolle überspringe ich hier einmal). Dieser Prozess ändert sich alle paar Jahre. Im Moment ist Todoist meine wichtigste To-Read-Ablage. In den Taskmanager habe ich mich vor einigen Jahren schockverliebt und verwende ihn seitdem für fast alles, vor allem, um vom Sofa und Smartphone aus permanent Links mit Datum abzulegen. Aber nach Studium der Signal-Gruppe zur PKM-Lernreise scheine ich ja nicht der einzige Todoist-Fan zu sein. Und dann nutze ich das Bookmarking-Tool diigo als Ablage und Feedly, das sich ja selbst mit interessanten Beiträgen füllt.
– Gelesen wird zwischendurch, aber vor allem am Wochenende. Der Samstag ist in der Regel Lesetag.
– „Lesen“ (hören, an sehen) heißt bei mir seit zwei Jahrzehnten automatisch auch Schreiben. Ich habe mir angewöhnt, alles, was ich lese, schriftlich zusammenzufassen und einzuordnen. Als Blogposts und, seit drei Jahren, zusätzlich in Obsidian. Meine Wissensdatenbank in Obsidian ist umfangreicher und privater und umfasst auch Workshop-, Projekt- und Seminarnotizen und tagebuchähnliche Einträge. Aber mit einem ausgebufften Kategoriensystem, für das ich hoffentlich irgendwann einmal belohnt werde, bevor es in den digitalen Nachlass wandert!
Das heißt auch: Dinge, die mir auf den ersten Blick nicht relevant erscheinen, lese ich in der Regel nicht (weiter). „Kritiken“ schreibe ich nicht, das kostet zu viel Energie. Kurze Posts in den Netzwerken lasse ich vorbeirauschen. Und Links, die dann monatelang auf den To-Read-Listen verweilen, werden regelmäßig ausgemistet. Da bin ich bei Feedly und Todoist relativ diszipliniert, bei diigo weniger. Aber das Ausmisten (Löschen) bildet ja möglicherweise noch eine eigene, zukünftige Station auf dieser Lernreise.
Zurück zur Frage „Was ist es wert, festgehalten zu werden?“ Ich habe keine strengen Auswahlkriterien. Festhaltenswert ist für mich alles, was an bestehende Interessen und Projekte anschließt, manchmal einen eigenen Gedanken auslöst und sich durch das Schreiben weiterverarbeiten lässt.
Vielleicht steht die Frage also weniger quer zu meinen Routinen, als ich zunächst dachte. Meine Auswahlkriterien sind nur selten ausdrücklich formuliert. Sie stecken bereits in der Art, wie ich lese, aussortiere und schreibe.
Nachtrag (27.07.2026): siehe auch: Simon Dückert: Was ist es wert, festgehalten zu werden? (#CLCPKM, Woche 1), CONNECT, 20. Juli 2026
One Response to “Auswählen: Was ist es wert, festgehalten zu werden?”
Danke fürs Teilen lieber Jochen – bei vielem kann ich mich anschließen. Was Deine Hauptfrage angeht, sehe ich das gerade im Kontext der Informationsschwemme sehr wichtig.
Wir können ja fragen: „Was blieb von Menschen vor uns“ – „Was hat Bestand und wie lange“ … das hängt je nach betrachtetem Zeitraum ab. Von Höhlenmalereien, über Inschriften in Gebäuden über Dokumente oder mündliche Überlieferungen. Unsere „digitale“ Welt scheint ja nicht so nachhaltig stabil zu sein… Wenn wir also etwas für uns selbst langfristig (Dokumente aus meinen 90ern sind kaum noch lesbar) oder für die Menschheit sichern wollen, sollten wir uns schon mehr Gedanken machen.
Wobei natürlich KI auch helfen kann, alte Formate wieder lesbar zu machen… nur wer weiß wohin sich KI in Jahren entwickelt…