JOCHEN ROBES ÜBER BILDUNG, LERNEN UND TRENDS

Wenn Lernen plötzlich überall ist

Gudrun Porath denkt in ihrer Haufe-Kolumne laut nach: Lernen (oder vielleicht muss man genauer sagen: Performance Support) kann jetzt KI-gestützt noch genauer, gezielter und individueller im Arbeitsprozess stattfinden. Und gleichzeitig versprechen die Anbieter und ihre Systeme, alle Lernprozesse mit entsprechenden Skills zusammenzubringen und so zu steuern. Gudrun Porath sieht hier Grenzen:

„Denn je stärker Lernen in Systeme integriert wird, desto größer wird der Druck, es zu standardisieren, daran ändert auch eine individuelle KI-Lernbegleitung nichts. Und je stärker es standardisiert wird, desto weiter entfernt es sich von dem, was es eigentlich leisten soll.

Die Konsequenz ist eine paradoxe Bewegung. Lernen wird allgegenwärtig – und gleichzeitig unsichtbar. Es wird messbarer – und gleichzeitig schwerer zu greifen. Es wird systematisiert – und verliert dabei an Offenheit. Das muss kein Problem sein. Es kann sogar ein Fortschritt sein. Aber nur, wenn klar ist, was dabei verloren geht. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Skills wichtig sind oder ob Lernen in den Workflow gehört. Beides ist sinnvoll und notwendig.“

Eine Schwierigkeit dieser Reflexionen liegt sicher darin, dass in ihnen (aber auch in den zugrundeliegenden Ankündigungen und Interviews) vieles zusammengeworfen (Lernprozesse und Performance Support) und vieles ausgegrenzt wird (informelles, selbstorganisiertes Peer-to-Peer-Lernen).
Gudrun Porath, Haufe, 25. März 2026

Bildquelle: Headway (Unsplash)