Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Mein Wochenausklang: Ungleichzeitigkeiten beim Online-Lernen

Online-Lernen, das wurde mir diese Woche wieder an verschiedenen Stellen bewusst, bedeutet nicht für alle dasselbe. Das fängt schon beim Begriff an. Ich versuche ja inzwischen gerne, den Begriff E-Learning zu vermeiden und spreche lieber von der Digitalisierung in der Bildung oder der digitalen Bildung. Nicht unbedingt schönere Begriffe, aber sie deuten an, dass es nicht nur um einen bestimmten Ausschnitt eines umfassenden Prozesses, nämlich die Lehre oder die Schulung, geht. Andererseits ist für viele E-Learning noch eine neue Erfahrung, und sie stehen vielleicht gerade vor der Herausforderung, eine Lernplattform einzuführen oder für regelmäßige Unterweisungen eine effizientere Lösung zu finden. Das sind dann so alltägliche Ungleichzeitigkeiten, auf die man trifft.

Hinzu kommen die vielen englischen Begriffe. Ich werde ja häufig gebeten, etwas über Trends und neuere Entwicklungen zu erzählen und lande dann ganz selbstverständlich bei Microlearning, Badges und Open Educational Resources. Gibt es für Blended Learning eigentlich keinen deutschen Begriff, bin ich kürzlich gefragt worden? Doch, habe ich vorsichtig geantwortet, man könnte auch von integriertem Lernen sprechen. Wenn es sein muss. Weil der größere Teil der Anwesenden schon mal etwas von Blended Learning gehört hat. Und immer zweisprachig arbeiten, um niemanden zu verlieren?

Vor einigen Tagen gab es einen kleinen Rundbrief mit der Bitte um Beispiele neuer „Digital Learning“-Praktiken für Mitarbeitende in der Fertigung bzw. Produktion. Eine gute Frage, denn diese Zielgruppe besitzt in der Regel ja noch nicht einmal einen Arbeitsplatzrechner. Natürlich gibt es auch in diesem Bereich eine Reihe von Projekten, in denen mit Tablets gearbeitet wird, mit QR Codes, es gibt Social Augmented Learning und Virtual Reality (alles englisch, sorry …). Es bewegt sich also etwas, aber weniger im klassischen E-Learning. Andererseits sind auch diese Beispiele für die meisten Industrieunternehmen und Betriebe noch Zukunftsmusik. Wieder Ungleichzeitigkeiten.

Ich muss in diesem Zusammenhang auch an Messen wie die Online Educa (im Dezember) oder die LEARNTEC (im Januar/ Februar) denken, die ja jedes Jahr diesen Spagat leben: im Vorfeld die Einführungs-Workshops für Einsteiger und dann die Keynotes mit Visionen und Ausblicken für die, die neue Trends und Impulse suchen. Ich bin wahrscheinlich eher bei den Letzteren anzutreffen, was es aber an anderen Stellen nicht einfacher macht.

Bildquelle: Kevin (Unsplash)

2 Responses to “Mein Wochenausklang: Ungleichzeitigkeiten beim Online-Lernen”

  1. CS

    Ich muss zugeben, dass ich mich als Pädagoge mit dem Studiumsschwerpunkt Bildungstheorie schwer tue mit Begriffen wie „digitalisierte Bildung“ – Bildung ist für mich ein Vermögen, ein innerer, reflexiver und kritischer Prozess. Digitalisierte Bildung könnte ich dann höchstens mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung bringen. „Digitalisierung in der Bildung“ überzeugt mich auch nicht so richtig.

    Daher gefällt mir eLearning schon besser: es geht ums Lernen, sei es zum Zweck der Ausbildung oder der eigenen Bildung, und um „e“-lektronische Medien. Und ich habe das Gefühl, dass viele Fachfremde mit diesem Begriff noch eher etwas anfangen können.

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    • Jochen Robes

      Ja, stimme Ihnen voll und ganz zu. Obwohl die Unterscheidung des Lernens in „e“, „mobile“, „micro“ usw. natürlich auch keinen Pädagogen glücklich macht. Aber wie Sie sagen, es geht ja häufig auch darum, die Begriffe zu verwenden, mit denen andere etwas anfangen können. Oder mit denen man an eine laufende Diskussion anknüpfen kann. Deshalb fragen derzeit ja schon viele, wie es eigentlich um „Bildung 4.0“ und „Lernen 4.0“ steht …

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