Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

5. Zukunftsforum „Arbeiten – Lernen – Innovationen“

Zwei Tage „Zukunftsforum“ in Berlin liegen hinter mir und 600 anderen Besuchern, wenn man der Teilnehmerliste Glauben schenken darf. Es gab Grußworte, Reden und 22 Foren, von denen man gemäß Zeitplan gerade 2 (!) besuchen konnte. Von daher gibt es an dieser Stelle nur einige Eindrücke und keinen Überblick. Im Mittelpunkt des Kongresses standen die beiden vom BMBF geförderten Programme „Lernkultur Kompetenzentwicklung“ und „Innovative Arbeitsgestaltung – Zukunft der Arbeit“, die dabei in den letzten Jahren geförderten Projekte und ihre Ergebnisse. So ist es nicht überraschend, dass Kompetenzen, Kompetenzentwicklung und Kompetenzmessung den roten Faden bildeten, der fast alle Beiträge durchzog.

Einige Stichworte, die ich mir notiert habe: Peter Meyer-Dohm, Vorsitzender der ABWF, betonte die Bedeutung des „arbeitsplatznahen, arbeitsintegrierten und selbstorganisierten Lernens“. Winfried Hacker, TU München und Dresden, lieferte die Sätze, die in diesen zwei Tagen am häufigsten zitiert wurden, z.B. „nicht ausgeschöpfte Kompetenz ist abwanderungsgefährdet, Inkompetenz bleibt“. Oder: „Kompetenzen entwickeln sich in den Arbeitsprozessen, in denen sie erforderlich sind.“ Und das Fazit seines Vortrags: „Auch bei diversifizierten Arbeitsvertragsformen und Massenarbeitslosigkeit gilt die Wechselwirkung zwischen Arbeitsgestaltung und Befähigungsentwicklung.“

Am ersten Tag hat der Titel des Forums, das ich besucht habe, bei mir Erwartungen geweckt („Neue Wege der Kompetenzentwicklung durch multimediale Netzwerke“), die nicht gehalten wurden. Erst der letzte Vortrag von Hans-Peter Schnurr (ontoprise GmbH) hat mich neugierig gemacht. Er hat von einem Projekt erzählt, in dem es darum ging, das Wissen, das Servicetechniker bei der Reparatur und Fehlerbehebung sammeln, schnell und unkompliziert anderen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen, und welchen Beitrag Ontologien als Wissensmodelle dabei leisten können. Kurz, wie man sicherstellen kann, dass, wenn ein Servicetechniker eine Arbeit als „Problem mit der Achse“ beschreibt, ein anderer von seinen Erfahrungen profitieren kann, auch wenn dieser eine Lösung für einen „Fehler mit dem Lenkarm“ sucht, sich aber auf dasselbe Phänomen bezieht. Wirklich spannend, auch wenn es mehr um Ontologien und weniger um Kompetenzentwicklung ging!

Im Forum 21 ging es am zweiten Tag um „Vielfalt durch Lernen mit neuen Medien“. Thomas Reglin (f-bb) referierte über „Formelles und informelles Lernen verknüpfen? Aktuelle Tendenzen des Blended Learning“. Hier waren die Stichworte u.a. „das ‚andere’ Blended Learning als Integration von Arbeits- und Wissensinstrumenten“ und die Unterscheidung zwischen e-Learning als „Instrument formellen arbeitsplatznahen Lernens“ (z.B. durch ‚elektronische Seminare’) und e-Learning als „Instrument informellen, arbeitsintegrierten Lernens“ (z.B. im Rahmen von Communities oder durch Online-Hilfen). Vor allem das Potenzial, aber auch die Markttauglichkeit des „informellen e-Learning“ (mein neues Buzzword!!) standen im Mittelpunkt der folgenden Diskussion.

„Mit Highspeed zum Hochschulabschluss“ hatten Anke Hanft und Wolfgang Müskens von der Universität Oldenburg ihren Vortrag genannt, und es ging um nichts Geringeres als um das zukünftige Profil der Hochschulen. Ihre Frage: Wie können sich die Hochschulen neuen Zielgruppen öffnen, indem sie bereits vorhandene Kompetenzen bei der Zulassung zum Studium berücksichtigen bzw. auf das Studium anrechnen? Und da war sie wieder, die Frage nach der Kompetenzmessung! Anke Hanft sprach in diesem Zusammenhang sogar davon, dass sich ganze Schwerpunkte für Bildungsträger von „Lernen zur Kompetenzerfassung“ verlagern könnten.

Und damit komme ich auch zu der Lektüre, die ich mir von diesem Zukunftsforum als Anregung und Hausaufgabe mit nach Frankfurt nehme: „Kompetenzmessung im Unternehmen. Lernkultur- und Kompetenzanalysen im betrieblichen Umfeld.“ (Waxmann, 2005). Der Titel deutet auf praktische Relevanz hin und damit vielleicht auf das (noch) größte Problem der „Lernkultur- und Kompetenz-Community“: Man ist, abgesehen von den Unternehmen, die zur Mitarbeit in den Förderprojekten gewonnen werden konnten, noch unter sich. Ein Blick in die Teilnehmerliste genügt da.

Wer weitere Informationen über die diskutierten Themen und Projekte sucht, der sei (noch einmal) auf die Seiten der ABWF hingewiesen, wo reichlich Lektüre (z.B. QUEM-reports und -Bulletins) zum Download zur Verfügung steht!
5. Zukunftsforum „Arbeiten – Lernen – Innovationen“, 14/15 April 2005 (pdf)
[Kategorien: Kompetenzen, Trends in der Weiterbildung]

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Blick aus meinem Hotelfenster auf den Alex. Und die Frage, die sich mir bei diesen Szenen immer wieder stellt: Wie funktionieren eigentlich Baustellen? Welche Kompetenzen sind notwendig, um das in time, in budget, in quality umzusetzen, was sich andere in Projektplänen und Zeitfenstern ausgedacht haben?

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