Tony Bates nimmt hier zu einem Artikel in den BBC News (“MIT launches free online ‘fully automated’ course”) Stellung. Kurz zur Erinnerung: MIT hatte ja bereits vor einigen Wochen angekündigt, ab März mit drei offenen Online-Kursen (”MITx”) zu starten. Und es sind mindestens zwei Punkte, die bei der Lektüre des MIT-Angebots auffallen: der Kurs soll “fully automated” stattfinden, sprich: es sind keine Interaktionen zwischen MIT und den Teilnehmern geplant (gleichwohl soll es Möglichkeiten des Austauschs und der Diskussion für die Teilnehmer geben); und es wird ein MIT-Zertifikat geben, wenn man ein entsprechendes Online-Assessment besteht. In jedem Fall hat das MIT-Experiment gute Chancen, wieder Standards zu setzen und die “bewährten” Modelle der Hochschulausbildung herauszufordern.
Tony Bates hat hier schon einmal “Pro” und “Contra” abgewogen. Besonders sein abschließender Satz gefällt mir sehr: “I am trying to ignore my gut reaction that this is in fact a step 30 years backward in e-learning, and I wish to give this very interesting experiment the benefit of the doubt, and I really do wish it well. I also hope this experiment is fully evaluated, as it has tremendous implications. …
Sebastian Thrun (ehemals Stanford, Open Course zu AI) spricht hier auf der DLD-Konferenz in München (DLD = Digital, Life, Design) über seine Erfahrungen als Gastgeber eines Open Online Courses: als er plötzlich nicht mehr 20, sondern 160.000 Studierenden gegenüberstand. Und welche Konsequenzen er daraus gezogen hat. Und wie er diese Erfahrungen jetzt fortsetzen möchte. Nicht in Stanford, aber am liebsten mit 500.000 Studierenden. Sehr emotional, mit Rückmeldungen von Teilnehmern am AI-Open Course. Sebastian Thrun, DLD, 24. Januar 2012
Sebastian Thrun, einer der Facilitators des gerade beendeten Open Online Courses über “Künstliche Intelligenz” an der Stanford University, startet ein neues Projekt. Doch dieses Mal nicht unter dem Dach von Stanford, sondern als eigenes Startup. Hier das Wichtigste: “Instead, he said, he concluded that “I can’t teach at Stanford again.” He’s given up his tenure at Stanford, and he’s started a new online university called Udacity. He wants to enroll 500,000 students for his first course, on how to build a search engine - and of course it’s all going to be free.” Thrun, so scheint es, schielt dabei auch etwas auf das Modell der Khan Academy. Wie auch immer, der Autor wundert sich jedenfalls, dass Stanford nicht die Chance ergreift, das Erfolgsprojekt fortzuführen oder gar auszudehnen. Vielleicht zeigt der Schritt aber auch, wo der Wandel heute (noch) seine Grenzen hat.
George Siemens hat übrigens den Schritt Thrun’s zum Anlass genommen, um noch einen Gedanken über unser zukünftiges Bildungssystem loszuwerden: “If we were to design education today, without the legacy baggage of the existing system, what would it look like? I don’t have a clear answer, but I think it would look similar to open online courses: distributed, leveraging network effects, participative, peer/social pedagogy, large scale sensemaking, artifact creation and sharing, knowledge growth and domain expansion, etc.”(”I can’t teach at Stanford again”) Lesenswert! Felix Salmon, Reuters, 23. Januar 2012
Nun ist Stanford’s Open Course über Künstliche Intelligenz auch im Spiegel angekommen! “Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod?”, heißt es gleich zum Aufwärmen. Leider wird das Projekt dann vor allem als Angebot zur effizienteren Lehre vorgestellt, “Massen-Uni 2.0″ eben, der Reiz des netzbasierten und vernetzten Lernens bleibt dabei völlig auf der Strecke. Auf die Idee, z.B. mal einen der 160.000 Teilnehmer anzusprechen, ist der Autor jedenfalls nicht gekommen. Stattdessen wird daran erinnert, dass die Hochschulen hierzulande eine Chance der Effizienzsteigerung (E-Learning!) schon vertan haben … Markus Verbeet, SPIEGEL ONLINE, 17. Dezember 2011
Eine interessante Diskussion, in der Salman Khan (Khan Academy) sowie Peter Norvig und Sebastian Thrun (Stanford) über ihre Erfahrungen als Anbieter bzw. Facilitators von “open online courses” berichten. Dabei machen sie aus ihrer Begeisterung über das neue Format und seine Möglichkeiten kein Hehl, sprechen aber auch kritische, weiterführende Punkte an, wie z.B. die Entkoppelung von Lehre und Zertifizierung.
Überhaupt die Diskussion: Sie fand als Google Plus-Hangout statt, in das sich Teilnehmer mehrerer großer Hochschulen eingeschaltet hatten. Peter Norvig moderierte. Ein sehr lebendiges, informelles Format, das auch als YouTube-Konserve kurzweilig “herüberkommt”. Kurz: In Form und Inhalt empfehlenswert!
Lediglich George Siemens weist an anderer Stelle darauf hin, dass bei aller Begeisterung für die Protagonisten dieses Events die Geschichte der “open online courses” bereits vor der Khan Academy und Stanford begann. GoogleplusHangouts, 9. Dezember 2012 (via YouTube)