Sebastian Thrun, einer der Facilitators des gerade beendeten Open Online Courses über “Künstliche Intelligenz” an der Stanford University, startet ein neues Projekt. Doch dieses Mal nicht unter dem Dach von Stanford, sondern als eigenes Startup. Hier das Wichtigste: “Instead, he said, he concluded that “I can’t teach at Stanford again.” He’s given up his tenure at Stanford, and he’s started a new online university called Udacity. He wants to enroll 500,000 students for his first course, on how to build a search engine - and of course it’s all going to be free.” Thrun, so scheint es, schielt dabei auch etwas auf das Modell der Khan Academy. Wie auch immer, der Autor wundert sich jedenfalls, dass Stanford nicht die Chance ergreift, das Erfolgsprojekt fortzuführen oder gar auszudehnen. Vielleicht zeigt der Schritt aber auch, wo der Wandel heute (noch) seine Grenzen hat.
George Siemens hat übrigens den Schritt Thrun’s zum Anlass genommen, um noch einen Gedanken über unser zukünftiges Bildungssystem loszuwerden: “If we were to design education today, without the legacy baggage of the existing system, what would it look like? I don’t have a clear answer, but I think it would look similar to open online courses: distributed, leveraging network effects, participative, peer/social pedagogy, large scale sensemaking, artifact creation and sharing, knowledge growth and domain expansion, etc.”(”I can’t teach at Stanford again”) Lesenswert! Felix Salmon, Reuters, 23. Januar 2012
Als das MIT 2001 verkündete, die Materialien aller seiner Kurse online und ohne Kosten zur Verfügung zu stellen, haben viele es nicht ernst genommen und hielten es für einen gigantischen Marketing-Coup (der es sicher auch war). Aber in der Rückschau steht MIT’s OpenCourseWare-Projekt (OCW) am Beginn einer Bewegung, die heute unter dem Label “Open Educational Resources” ein fester Begriff und Baustein der bildungspolitischen Agenda ist. Also hört man genauer hin, wenn das MIT wieder etwas verkündet, wie zu Beginn dieser Woche. Das neue Projekt heißt MITx, und ich zitiere aus der Ankündigung:
“MITx will offer a portfolio of MIT courses through an online interactive learning platform that will:
- organize and present course material to enable students to learn at their own pace
- feature interactivity, online laboratories and student-to-student communication
- allow for the individual assessment of any student’s work and allow students who demonstrate their mastery of subjects to earn a certificate of completion awarded by MITx
- operate on an open-source, scalable software infrastructure in order to make it continuously improving and readily available to other educational institutions.”
Wie schon damals ist auch heute die Tragweite dieser Ankündigung schwer einzuschätzen. Sicher ist es eine Antwort auf Stanfords Einstieg in die Open Course-Community. Sicher ist es Marketing, nachdem mit OCW die ersten, großen Ziele erreicht wurden. Aber ansonsten? Ein MIT-Abschluss light? Ein später Einstieg ins e-Learning? Man darf gespannt sein. MIT News, 19. Dezember 2011
Eine interessante Diskussion, in der Salman Khan (Khan Academy) sowie Peter Norvig und Sebastian Thrun (Stanford) über ihre Erfahrungen als Anbieter bzw. Facilitators von “open online courses” berichten. Dabei machen sie aus ihrer Begeisterung über das neue Format und seine Möglichkeiten kein Hehl, sprechen aber auch kritische, weiterführende Punkte an, wie z.B. die Entkoppelung von Lehre und Zertifizierung.
Überhaupt die Diskussion: Sie fand als Google Plus-Hangout statt, in das sich Teilnehmer mehrerer großer Hochschulen eingeschaltet hatten. Peter Norvig moderierte. Ein sehr lebendiges, informelles Format, das auch als YouTube-Konserve kurzweilig “herüberkommt”. Kurz: In Form und Inhalt empfehlenswert!
Lediglich George Siemens weist an anderer Stelle darauf hin, dass bei aller Begeisterung für die Protagonisten dieses Events die Geschichte der “open online courses” bereits vor der Khan Academy und Stanford begann. GoogleplusHangouts, 9. Dezember 2012 (via YouTube)
Zwei kurze Antworten von George Siemens. Die eine betrifft seine Gefühlslage als Facilitator des #Change11-MOOCs; die andere das Stichwort “information overload”. Seine Botschaft: “Information is not a problem to be solved. It’s a reality to be navigated … “ Sui Fai John Mak, Learner Weblog, 22. November 2011
Ein Massive Open Online Course (MOOC) ist zwar offen und vertraut an vielen Stellen auf die Selbstorganisation der Teilnehmer. Aber es gibt sie natürlich, die Gastgeber bzw. Learning Facilitators, die den Kurs vorbereiten, Online-Sessions mit Referenten organisieren, Informationen zusammentragen, und und und …. Das dabei nicht alles glatt läuft, haben auch Stephen Downes und George Siemens in den ersten Wochen ihres laufenden Kurses, “Change: Education, Learning, and Technology” (#change11), erfahren müssen. Vor allem die Live Online Sessions machten große Probleme. “Timmmmyboy” schreibt u.a.: “But much of how the course is being delivered is disappointing to me, and some aspects so offensive to the very pedagogy that these men preach, that I believe they deserve to be called out on it.”
Natürlich verteidigen sich Stephen Downes und George Siemens ausführlich. Ich habe den Wortwechsel mit großem Interesse gelesen. Er bringt die zum Teil widersprüchlichen Erwartungen der Beteiligten sehr schön auf den Punkt. Und ist an vielen Stellen sehr direkt und persönlich in der Kommunikation. Timmmmyboy, Weblog, 19. Oktober 2011
Stefanie Panke versucht in diesem Artikel, zwei Konzepte zusammenzuführen: zum einen die Idee der “Persönlichen Lernumgebung” (PLE), die seit 2004/2005 diskutiert wird; und zum anderen die Praxis der Massive Open Online Courses (MOOC), die seit 2008, als George Siemens und Stephen Downes das erste Experiment starteten, immer intensiver gelebt wird. Dabei stützt sie sich auf konkrete Erfahrungen, die sie als Teilnehmerin an einem Open Course, „Personal Learning Environments, Networks and Knowledge” (PLENK 2010), gesammelt hat. Ein interessantes Kapitel ist mit “Zentrale Herausforderungen” überschrieben. Und ich zitiere einen kurzen Ausschnitt aus der Zusammenfassung, die einige der offenen Fragen zu den “neuen Formen kooperativer Wissensgenerierung” festhält:
“Eine nachhaltige Kompetenzentwicklung bedarf ausgeprägter Selbstlernstrategien oder einer Moderation des Lernprozesses, die den Lernenden mit geeigneten Strategien ausrüstet. Wie der Schwund an Beteiligung im Verlauf des MOOC demonstriert, ist diese Aufgabe keineswegs trivial. Eine Schwäche des PLE-Konzepts ist zudem der fehlende Brückenbau zu tradierten Lehr-/Lernkulturen mitsamt zugehöriger Prüfungsordnungen und vorgegebenen Lehrplänen. Noch ist unzureichend geklärt, wie konnektivistische und konstruktivistische Ideen mit curricularer Integration in Einklang zu bringen sind.” Stefanie Panke, e-teaching.org, 19. Oktober 2011 (pdf)
Heute startet an der Universität Tübingen ein Open Course zum Thema “Workplace Learning” (#ocwl11), der sicher einen Blick oder gar das Mitmachen lohnt. Dörte Giebel gibt in diesem Post einen schönen Überblick über die Ziele des Kurses, seine Besonderheiten und ihre Rolle als Patin der ersten Woche. Als solche will sie “Bindeglied zwischen dem Offline- und dem Online-Teil der Lehrveranstaltung” sein. Dörte Giebel, NetzFaktorei, 9. Oktober 2011
Martin Weller gehört die dritte Woche des #change11 MOOCs. Sein Thema ist “digital scholarship”: “… I suggest that ‘digital scholarship’ is really a shorthand for digital, networked and open”. Er hat hier eine Reihe von Informationen, Links und Aufgaben zur Verfügung gestellt, mit deren Hilfe sich die Teilnehmer dem Thema nähern können. Dazu gehören u.a. eine kurze Video-Vorstellung (Achtung, Martin Weller ist Waliser!), der Hinweis auf sein Buch “Digital Scholarship” (hier die Open Access-Version) und einige interessante Reflektionen zur Frage, mit welchem Engagement und Zeitbudget man als unbezahlter Referent seinen “Pflichten” im Rahmen eines MOOC nachkommt (“What are the values in a MOOC?”). Martin Weller, The Ed Techie, 28. September 2011
Inge de Waard, bis vor einigen Wochen selbst noch Gastgeberin eines MOOC (”Massive Open Online Course”), hat in Wikispaces eine Seite mit Informationen darüber aufgesetzt, was bei der Planung und Durchführung eines MOOC zu beachten ist. Der Guide umfasst derzeit folgende Stichpunkte, ist aber offen für Veränderungen und Ergänzungen:
0. Home Intro to MOOC, 1. History of MOOC’s, 2. Benefits and challenges of a MOOC, 3. What to consider before rolling out a MOOC, 4. Designing a MOOC using social media tools, 5. Self regulated learning and coping with MOOC abundance, 6. Facilitating a MOOC, 7. How to make your MOOC mobile accessible, 8. Add your ideas and acknowledgment, 9. References. Lesenswert und nützlich!
“This MOOC guide based on the experience of the MobiMOOC(ourse) which was a course that ran from 2 April until the 14 May 2011 and had 580 participants that hooked up to its resources. The course resulted in collaborations transcending the duration of the course. The course focused on the subject of mobile learning and was delivered over 6 weeks, each of which had a different angle: …” Inge de Waard, Wikispaces, 8. Juli 2011
Vielleicht kann ich mit diesem Link gleich zwei Fliegen schlagen: Zum einen den dezenten Hinweis auf unsere Online-Befragung zum OpenCourse unterbringen (was natürlich vor allem für Teilnehmer, Ex-Teilnehmer, Teilzeit-Teilnehmer und Lurker am OpenCourse selbst interessant ist); und zum anderen auf diese Einladung von George Siemens hinweisen. Er sucht Mitstreiter und Interessierte für ein “distributed online research program around upcoming (massive) open online courses (MOOCs)”. Aber noch spannender sind vielleicht die folgenden Fragen, die ihn aktuell treiben:
“The following are some questions I have around MOOCs:
1. What are the habits and patterns of learner self-organization in open online courses?
2. Do learners perform better in open online courses that in traditional courses? By what metrics would we begin to answer that question?
3. Are there any subjects that are not suitable for open online course delivery?
4. How can open online courses be merged with on-campus courses (i.e. blended MOOCs)?
5. What types of skills do educators need to teach MOOCs? How can educators support learner success?
6. What principles or models of instructional design are most effective in developing MOOCs?
7. What types of technologies are needed to a) help learners make sense of complex topics, b) manage information overload, c) maintain instructor presence, d) encourage learner autonomy?
8. How do existing online learning/teaching models relate to MOOCs (i.e. communities of inquiry, communities of practice, connectivism)?” George Siemens, elearnspace, 4. Juli 2011
Claude Almansi nimmt das aktuelle Themenheft der “International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL)” zum Anlass, um über einige grundlegende Dinge in Massive Open Online Courses (MOOC) nachzudenken. Ihre Schlussfolgerung: Manches ist komplizierter vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Zum Beispiel die berühmt-berüchtigten “Lurker”, die in den Statistiken von Online-Aktivitäten auftauchen, ohne selbst etwas aktiv bzw. kreativ beizutragen. Zum einen: “Lurking is not a problem, as long as lurkers are learning.” Zum anderen geht es um unterschiedliche Haltungen und Persönlichkeiten der Teilnehmer, die verschiedene Formen der Teilnahme mit sich bringen, so Almansi.
Der Beitrag ist auch so interessant, weil die Autorin auf einige jüngste Erfahrungen aus Open Online-Kursen wie z.B. PLENK 2010 zurückgreift. Sie weist darauf hin, dass PLENK zuletzt 1.616 Anmeldungen hatte, hinter denen jedoch nur 40-60 aktive Teilnehmer standen. Und sie erklärt sehr anschaulich, wie sich für sie als “digital immigrant” das konnektivistische Lernen durch das Netz verändert hat:
“Example: I am presently in charge of the Conferences page here. As I am not an academic - nor likely to be able to afford the costs of attending most conferences - this task would have been totally beyond me in pre-digital times. As I explained in the introduction of that page, now, I strive to update it via indications sent by e-mail, added to the comments of that page, gathered from mailing-lists, social networks, etc. To these information resources, I recently added Lanyrd, a twitter-based application: if you sign in to it with your twitter account, you will see which conferences your twitter contacts are attending in the near future.”
Das erste Fachmagazin, das eine komplette Ausgabe dem Thema “Connectivism” widmet, schreibt George Siemens, nicht ohne Stolz, im Editorial. Im Vordergrund, so Siemens, steht aber die Frage, wie der technologische Wandel, allen voran das Internet (”distributed, social, networked”), Bildungs- und Lernprozesse beeinflussen. Kann der Connectivism diesen Wandel adäquat beschreiben?
Neun Beiträge versuchen sich an einer Antwort. Ich habe einen Blick in Rita Kops Arbeit geworfen, in der es um die Herausforderungen geht, vor denen der Connectivism und “connectivist learning” stehen. Das wären zum einen Fähigkeiten wie “self-directed learning”, “presence” und “critical literacies”, die Facilitators und Lerner mitbringen sollten. Und zum anderen die Aktivitäten, denen sie im Rahmen von Open Courses nachkommen sollen: “aggregating, relating, creating, and sharing”. Rita Kop hat anschließend die Lernaktivitäten in zwei Open Online-Kursen untersucht und zeigt auf, wo hier noch die Grenzen liegen: “… but only a minority of 40-60 PLENK participants were engaged in the creation of digital artefacts, such as blog posts and videos, and in the distribution of these.” The International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL), Vol 12, Nr. 3 (2011)
Graham Attwell startet das neue Jahr mit zwiespältigen Gefühlen: Auf der einen Seite Entwicklungen wie Open Educational Resources (OER) oder Massive Open Online Courses (MOOC), die schon lange nicht mehr nur in Bildungsnischen wahrgenommen werden; und auf der anderen Seite die Versuche verschiedener Regierungen, die Kosten der Hochschulbildung schrittweise zu privatisieren und damit den freien Zugang zu Bildung zu erschweren (was ja in UK aktuell ein großes Thema ist). Lesenswert! Graham Attwell, Pontydysgu, 3. Januar 2011
Ich bin gestern in Berlin gewesen, um auf dem E-Learning-Tag der TU Berlin zu präsentieren. Morgens hin, abends zurück, leider. Im Mittelpunkt des Programms standen natürlich der Erfahrungsaustausch der TU-Community sowie Good Practices im E-Learning-Einsatz “vor Ort”. Ich habe mit meinem Part einen gedanklichen Sprung angeboten und die Idee der “Open Courses” vorgestellt. Angefangen vom MOOC/ CCK08 im September 2008 bis zu aktuellen Projekten (z.B. PLENK2010) und ersten damit verknüpften Erfahrungen und Fragestellungen. Ich denke ja immer (sehr optimistisch, ich weiß!), dass da auch an deutschen Hochschulen etwas in diese Richtung gehen könnte. Es muss ja nicht gleich um globale Partizipation und die ganze Social Media-Palette gehen. Jochen Robes, Slideshare, 28. September 2010
Wenn ein Thema es in den “Chronicle” geschafft hat, ist es “angekommen”. Auch wenn der Titel etwas irreführend ist, es geht um “Open Teaching” und die erste Welle an offenen Online-Kursen. Der Artikel gibt einen guten Überblick, erweist dem “Massive Open Online Course” bzw. MOOC von Stephen Downes und George Siemens die nötige Referenz, geht aber auch auf die Herausforderungen ein, die viele mit dem neuen Konzept verbinden: Verlust an Privatheit und Kontrolle, Lernen im geschützten Raum, Copyright-Fragen. Trotzdem herrscht ein sympathisierender Grundton, auch wenn der letzte Absatz Lernplattformen wie Blackboard und der Frage gehört, ob sich heute geschlossene Systeme öffnen können. Marc Parry, The Chronicle of Higher Education, 29. August 2010
“Open Courses” sind aktuell eine der spannendsten Bewegungen im Online-Lernen. Sie sind die logische Weiterentwicklung dessen, was MIT 2002 mit der Publikation seiner Kursmaterialien im Netz losgetreten hat. Sie sind zudem eng verknüpft mit der Idee des Connectivism und damit eine interessante Verbindung von Theorie und didaktischem Design. Die hier vorliegenden Überlegungen von George Siemens, einem der aktivsten Initiatoren von “Open Courses”, fassen die bis heute gemachten Erfahrungen zusammen. Sein Fokus liegt dabei auf zwei Fragen: “How do MOOCs reflect effective practices within the digital economy?” und “In terms of discourses, literacies, and prior knowledge, what digital skills are privileged and rewarded within the MOOC environment?” Um diese Fragen herum gruppiert er eine Reihe von interessanten Beobachtungen über die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen dieses Formats. Einige will ich an dieser Stelle kurz festhalten: Continue Reading