Viele interessante Artikel finden sich in der aktuellen Ausgabe von IRRODL. Hier geht es um den Connectivism als Lerntheorie. Die Autorinnen spiegeln Grundprinzipien dieses derzeit so populären Ansatzes - “autonomy, connectedness, diversity, and openness” - mit den Erkenntnissen der Persönlichkeits- und Selbstbestimmungstheorie. Das ist im Detail sehr komplex, oft nur kurz angerissen, aber immer wieder interessant, weil es zeigt, wie vielschichtig einzelne Phänomene im Lichte dieser Theorien sind. Beispielhaft hier ein kurzes Zitat:
“Etienne Wenger (2011) has reflected that in the 21st century identity can be linked to a multitude of communities (or networks). The challenge for individuals is how to engage with and enable individual identity to be realised in these communities and networks.”
Die “tyranny of participation” ist ein weiteres Stichwort, und ein Kapitel ist mit “Autonomy and Lurking” überschrieben. Hinzu kommt, dass immer wieder auf die in MOOCs gewonnenen Erfahrungen Bezug genommen wird. Etwas für eine ruhige Stunde.
Wie können Lernumgebungen und -prozesse aussehen, die sich den Anforderungen der Wissensgesellschaft stellen? Wie müssen Bildungskonzepte gestaltet werden, die “chaos, emergence, and complexity” integrieren? Die Autoren sind optimistisch, dass MOOCs die Kriterien erfüllen, die sich aus diesen Vorgaben ableiten lassen, und somit als ein “example of an open and adaptive, complex system” gesehen werden können. Mit konkreten Erfahrungen, die sie während des Mobi-MOOCs im April/ Mai 2011 sammeln konnten, stützen sie ihre Beobachtungen.
Der Artikel ist keine leichte Kost. Aber er verbindet weitere Bausteine (Chaos-Theorie, Theorie komplexer Systeme) mit dem MOOC-Konzept. Ansonsten gilt: “MobiMOOC brought together three innovations linked to the Knowledge Age: mobile technology, social media, and the MOOC as its learning and teaching format.”
Graham Attwell zieht eine erste Zwischenbilanz. Bewährt haben sich in den bisherigen Open Course-Projekten vor allem zwei Dinge: (a) “a growing practice of hanging programmes together around open webinars, with students using their own blogs or other social software for their personal work”; und (b): “great emphasis on peer support for learning”.
Reicht das aus für eine Erfolgsbilanz? Lässt sich das Modell auch auf andere Felder von Open Education übertragen? Graham Attwell zählt bestehende Grenzen und offene Fragen auf, wie z.B. die Beobachtung, dass “most participants in the early MOOCs seem to be professionals, teachers and researchers already engaged in online learning or multi media and/ or students”. Die Lösung führt dann vielleicht doch wieder zu den klassischen Bildungsinstitutionen … Graham Attwell, Pontydysgu – Bridge to Learning, 23. Mai 2011
Inzwischen haben Offene Online-Kurse ja schon einen festen Platz im Alltag der Edu-Community. Ignatia de Waard kündigt hier einen weiteren an, mit dem Titel “MobiMOOC”: “Mobile learning (mLearning) is all the rage at the moment, but how do you get started and how do you maximize the mLearning plans you have? Simple, follow this free online course …”
Der Kurs dauert 6 Wochen, mit verschiedenen Schwerpunkten und Facilitators, und will die Social Media-Kanäle nutzen, die das Web heute bietet. Ein Smartphone zu besitzen, ist mit Blick auf das Thema sicher sinnvoll bzw. notwendig. Ignatia de Waard, @Ignatia Webs, 17. März 2011
Ich hatte ja schon einmal auf den nahenden 10. Geburtstag von MIT’s OpenCourseWare-Projekt (MIT OCW) hingewiesen. In diesem Artikel finden sich zwei interessante Absätze, die ich als Zitate an dieser Stelle aufnehme. Im ersten wird charmant eingestanden, dass man das einst gesetzte Ziel eigentlich nicht erreicht hat (aber dafür ein anderes …); im zweiten wird aufgezeigt, wie sich MIT OCW vom OER-Projekt in Richtung Open Course und Social Media weiterentwickeln will:
Rita Kop (National Research Council of Canada) hat hier einige Erfahrungen, aber vor allem Daten aus PLENK2010, dem Open Online Course zu Personal Learning Environments, Networks and Knowledge, zusammengetragen. Ich kann einen Blick in der verlinkte Präsentation empfehlen: Es sind zum Teil sehr interessante Versuche, die Aktivitäten der Teilnehmer abzubilden und zu analysieren. Alles noch sehr ergebnisoffen und sicher erst ein Anfang, aber spannend! Ich denke, es geht in die Richtung, die George Siemens u.a. derzeit unter dem Stichwort “Learning Analytics” diskutieren:
Wikipedia: “Learning analytics is the use of intelligent data, learner-produced data, and analysis models to discover information and social connections for predicting and advising people’s learning.” (hier geht es zur aktuellen Konferenz, die am Sonntag startet) Rita Kop, Blog, 24. Februar 2011
“On Jan. 17 George Siemens and I will launch the third offering of our online course called ‘Connectivism and Connective Knowledge’ — or CCK11. We use the term ‘connectivism‘ to describe a network-based pedagogy. The course itself uses connectivist principles and is therefore an instantiation of the philosophy of teaching and learning we both espouse.”
So Stephen Downes dieser Tage. Wieder also eine Gelegenheit, mit den beiden Protagonisten der Open Course-Bewegung Theorie und Praxis des Connectivism zu diskutieren. Und zum ersten Mal fällt mir auf, dass Stephen Downes hier Connectivism vor allem als “network-based pedagogy” vorstellt - und nicht als neue Lerntheorie (auch wenn er es im Artikel nicht ganz durchhält). Stephen Downes, The Huffington Post, 5. Januar 2011
Der Autor hat seine Erfahrungen mit PLENK2010 in vier “lessons learned” zusammengefasst: “- Lesson 1: Learning in a MOOC is Possible
- Lesson 2: Learning Often Occurs Through the Back Channels
- Lesson 3: Learning Without Being Assessed
- Lesson 4: Learning Needs a Daily Reminder”
Zwei Kapitel zum “Connectivism” und zum Kurs “PLENK2010″ bieten den notwendigen Kontext. Und die Erfahrungen sind aus meiner Sicht gut auf andere Lernsituationen und -prozesse übertragbar. Dalit Levy, PLENK2010, 9. Dezember 2010
Dave Cormier war einer der Gastgeber von PLENK2010 (Personal Learning Environments Networks and Knowledge 2010), dem Massive Open Online Course (MOOC), der vor knapp vier Wochen zu Ende ging. In einer kleinen, dreiteiligen Videoreihe hat er jetzt noch einmal zusammengefasst, was ein MOOC ist, wie man sich in einem MOOC bewegt (”Success in a MOOC”) und wie Wissen in einem MOOC entsteht (”Knowledge in a MOOC”). Dave Cormier: “This video introduces you to how a massive open online course is one way of learning in a networked world.” Dave Cormier, YouTube, 8. Dezember 2010
Gestern und heute war ich auf der Campus Innovation in Hamburg, denn ich hatte kurzfristig zugesagt, im Rahmen des Tracks “elearning” zu präsentieren. Die, die meinem Blog regelmäßig folgen, werden mit den Inhalten vertraut sein. Für alle anderen: Ich versuche hier zusammenzufassen, wohin sich derzeit die verschiedenen “open”-Initiativen im Bildungsbereich bewegen; und zum anderen zeige ich auf, welche vielfältigen “Begegnungen” es in diesem Bereich heute gibt: von Business Schools, Hochschulen bis zu Edupunks und DIY-Initiativen. Wobei es für mich im Rahmen einer Konferenz wie der Campus Innovation vor allem um die didaktischen Möglichkeiten geht, die das Internet und Social Media Hochschullehrern heute bieten, ganz gleich, ob und wie sie von den Hochschulen bei der Umsetzung unterstützt (oder behindert) werden. Jochen Robes, Slideshare, 19. November 2010
2002 hat MIT beschlossen, alle seine Kursmaterialien sukzessive online zu stellen; 2008 haben Stephen Downes und George Siemens den ersten MOOC (Massive Open Online Course) auf die Beine gestellt. Und 2010 öffnet eine renommierte Business School ein MBA-Studium für alle und zwar via Facebook. Ich weiß nicht, ob die Reihe so passt oder aufgeht. Aber die Ankündigung ist schon interessant und wird die nächsten Tage und Wochen sicher für Diskussionen sorgen. Ein “Facebook-MBA”. Nur wer die Akkreditierung will, zahlt. Ich zitiere einige Zeilen aus der Presseerklärung:
“Historically there are real barriers for people to take the time to do an MBA. Our new product uses the Facebook platform. We expect to get over 500,000 users in the first year but that is a conservative estimate. Seven years ago we had four students in Hyde Park Corner, this year we have a group turnover of £100m with 12,000 students in campuses around the world. The online world makes it hard to predict but what we do know, is that this is going to change education forever!” said Etingen [LSBF founder].
“Recognising that the traditional business school platform is decades old and academically stale, Facebook was chosen as the largest growing social network” Etingen continued.
Wer es wie ich nur selten schafft, dem Curriculum eines offenen Kurses wie PLENK2010 zu folgen, freut sich bestimmt über solche Zusammenfassungen. Stefanie Panke berichtet von Woche 4 (”Theoretical Background for Personal Learning Environments”), Woche 5 (”Evaluating personal learning environments”) und Woche 6 (”Personal Learning Literacies”) und davon, wie schwierig es ist, in einem MOOC den roten Faden nicht zu verlieren:
“Lately, I’ve had a hard time keeping up with and documenting my attendance at PLENK2010, mainly because I missed several Web meetings and found it difficult to follow the discussion. Looking at the discussion forums, I sense that this is a common experience. Recurring reasons for passive participation or dropping out altogether are the lack of structure and the feeling that “it’s all been said.” Stefanie Panke, Educational Technology & Change (ETC), 22. Oktober 2010
Stephen Downes jetzt in der Huffington Post!! “If we want to ensure that learning is provided to all, we need to rethink the basic premises of the education system.” “… we need, first, to take charge of our own learning, and next, help others take charge of their own learning.”
“Rather, it’s about a complete redesign of the system, from the ground up, using new technologies and new ideas. That’s what I’ll be writing about in this column, hopefully once a week, in The Huffington Post’s education blogs section. I’ll be looking at the people who are building this new system now, at the people who are advocating free, open and authentic learning. I’ll be describing the tech from the perspective of someone who builds it, and the philosophy from the point of view of someone who lives it.” Stephen Downes, The Huffington Post, 18. Oktober 2010
Ich kann auch dieses Mal nur unregelmäßig bei PLENK2010 vorbeischauen. Um so mehr freue ich mich über Artikel wie diesen von Stefanie Panke, die gleich die ersten beiden Wochen dieses Open Courses zusammenfasst (… und ihr PLENK2010-Abenteuer gleich in einem Comic-Strip festgehalten hat!). In der ersten Woche ging es darum, über die eigene persönliche Lernumgebung (PLE) nachzudenken, was viele Teilnehmer offensichtlich bildlich gelöst haben; in der zweiten (laufenden) Woche geht es um das Verhältnis von institutioneller Infrastruktur und PLE. Gestern gab es zu diesem Thema eine Session mit Martin Weller (Open University), an der ich eigentlich teilnehmen wollte … Stefanie Panke, Educational Technology & Change (ETC), 22. September 2010
In diesen Tagen starten ja einige Open Courses (zuletzt habe ich auf Jane Harts Tutorial “How to use social media in your job” hingewiesen). Heute fällt der Startschuss zu PLENK 2010, “Personal Learning Environments, Networks and Knowledge”, und es gibt gute Gründe, vielleicht gerade diesen Kurs auszuwählen, wenn man sich auf das Experiment “Open Course” einmal einlassen will:
a) zwei der Initiatoren von PLENK2010, Stephen Downes und George Siemens, haben vor zwei Jahren mit ihrem Connectivism-Kurs (CCK08) die Welle losgetreten und können bereits auf einige Erfahrungen mit den Unwägbarkeiten von Open Courses zurückgreifen; b) PLENK2010 wird ausdrücklich als “connectivist course” bezeichnet, was eine enge Verbindung von Theorie und Didaktik sowie regelmäßige Reflektionen über das Format selbst mit sich bringt; was c) sicher auch dadurch unterstützt wird, dass das Format bzw. Personal Learning Environments zugleich auch Thema des Kurses ist.
Ich habe jedenfalls am Freitag gleich die Probe aufs Exempel gemacht und an der ersten Elluminate-Session, eine Art “Welcome”, teilgenommen. 75 Teilnehmer aus allen Ecken der Welt hatten sich eingeklinkt. Personal Learning Environments, Networks, and Knowledge 2010 (PLENK)
Am 13. September beginnt PLENK2010, ein weiterer „connectivist course” zum Thema “Personal Learning Environments, Networks, and Knowledge”. Dazu gehört z.B. die Frage, wie (persönliche) Lernumgebungen aussehen können, die über die klassische Lernplattform und traditionelle Kursformate hinausgehen. Der Kurs wird Teilnehmern wieder eine Möglichkeit bieten, sich nicht nur mit einem Thema (PLENK), sondern zugleich auch mit lerntheoretischen Grundlagen (connectivism) und didaktischem Design (open course) zu beschäftigen. Die Gastgeber (facilitators) des Kurses werden George Siemens, Stephen Downes, Dave Cormier und Rita Kop sein, organisiert und sponsored wird er vom Technology Enhanced Knowledge Research Institute (TEKRI) an der Athabasca University (Kanada) mit der technischen Infrastruktur und dem Support, der aus ähnlichen „open course”-Formaten bekannt ist. Stephen Downes, stephen’s web, 12. August 2010
Der Open Course in Education Futures ist in der fünften Woche. Von den Inhalten und Aktivitäten habe ich leider wenig mitbekommen, aber es sind einige kritische Stimmen zum Kursverlauf aufgetaucht, die für eine generelle Bewertung des Open Course-Modells interessant sind. Ein Teil der Kritik kreist nämlich um die Erwartungen der Gastgeber und Teilnehmer. Nun können zwei Gastgeber (die nebenher auch noch ganz andere Dinge unternehmen) bei 700 Teilnehmern gar nicht anders, als diesen Teilnehmern viel Verantwortung zu übergeben - auch für die Organisation ihrer Lernprozesse. „Highly decentralized” nennen sie deshalb ihren Ansatz. Auf der anderen Seite steht auch über diesem Projekt „Course”, und das weckt bei vielen Teilnehmern Erwartungen, was Struktur, Führung, Übersicht und Orientierung betrifft. George Siemens und Dave Cormier machen aus dieser Situation das Beste, indem sie die Kritik offen aufnehmen und versuchen, Missverständnisse auszuräumen. George Siemens, elearnspace, 16. Mai 2010