Posted on 15 July 2010 by jrobes
Ich bin ja auch manchmal geneigt, die Web-Community und einige mit ihr verbundene Veranstaltungen für ein Abbild der Weiterbildungs-Szene in Deutschland zu nehmen. Ist sie natürlich nicht. Nicht einmal da, wo es um Trends in der Weiterbildung geht. Das wird spätestens dann klar, wenn man einen Blick auf Programme und Statements von Konferenzen wie dieser wirft, veranstaltet vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Hier geht es um Bildungsmärkte, um Bildungspolitik, um Fördermaßnahmen, um Geringqualifizierte, Migranten und ältere Arbeitnehmer. Die Referenten kommen natürlich von der BA, den Gewerkschaften und den großen Instituten und Interessenvertretungen. Die Trends heißen konsequenterweise demografischer und technologischer Wandel, Fachkräftemangel und Globalisierung. Am Rande taucht sogar das Stichwort informelles Lernen auf. Laptops sind auf den Fotos der Veranstaltung nicht zu sehen (die Referenten ausgenommen). Aber immerhin stehen Zusammenfassungen und Präsentationen online zur Verfügung.
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, 21./22. Juni 2010
Apropos “Trends”: Die untenstehende Zusammenstellung von Slogan/Foto finden sich im Kopf der Veranstaltungsseite des IAB. Ist das noch zeitgemäß?

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Posted on 24 October 2008 by jrobes
Pünktlich zum Bildungsgipfel haben McKinsey und die Robert Bosch Stiftung eine Studie zur Lage der Bildung in Deutschland präsentiert. 109 Seiten. Dreh- und Angelpunkt dieses Appells sind der Mangel an 2,4 Millionen Fachkräften, den die Autoren für das Jahr 2020 errechnen und mit einem volkswirtschaftlichen Schaden von 1,2 Billionen Euro beziffern. Wo soll nun eine Bildungsreform ansetzen, um diese Lücke an “Vollzeitäquivalenten” (an diesen Begriff sollte man sich bei der Lektüre schnell gewöhnen!) zu schließen? Im ersten Kapitel werden verschiedene arbeitsmarkt- und bildungspolitische Maßnahmen durchgerechnet, um “Reserven für den Arbeitsmarkt” auszuloten. Im zweiten Kapitel konzentrieren sich die Autoren auf zwei Felder, auf denen sie unmittelbaren Handlungsdruck sehen: im Schulbereich wird die Professionalisierung des Leitungspersonals, im Ausbildungsbereich die akademische Qualifizierung von Facharbeitern erörtert. Kurze pädagogische Exkurse und der Blick auf einige Erfolgsmodelle jenseits unserer Grenzen komplettieren die Studie.
Mein Fazit: Man muss schon bildungspolitisch und -ökonomisch vorbelastet sein, um wirklich Vergnügen an dieser Ausarbeitung zu finden. Denn hier geht es um Bildung als “volkswirtschaftliches Vermögen” und als “Investition”, um “Bildungsrenditen”, um den nationalen “Bildungsvorsprung”, den es (wieder) zu gewinnen gilt, und immer um Innovationen und die Sicherung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Da kann es bei der Lektüre durchaus passieren, dass man bei der Forderung nach einer “Individualisierung von Bildungswegen” noch nickt, aber nur wenige Zeilen später beim “Case-Management”, das eine Bildungslaufbahn begleiten soll, erschrickt. Wenig überraschend, dass es auch Bildungstechnologien (von eLearning oder Wissensmanagement ganz zu schweigen) nicht in dieses Bild “zukunftsfähiger” Bildung geschafft haben.
McKinsey & Company im Auftrag der Robert Bosch Stiftung, unter Mitwirkung von Hartmut Ditton, Peter Fauser, Manfred Prenzel, Jürgen Oelkers und Michael Schratz, 15. Oktober 2008
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