Das Team von Knewton wirft in regelmäßigen Abständen interessante Infografiken aus. Manche trivialisieren ein komplexes Thema, manche enthalten durchaus Informationen, die neu sind und andere helfen wirklich, eine Sache zu verstehen, weil sie hier mit einfachen Bildern und Zahlen vermittelt wird. Die vorliegende Infografik liegt irgendwo dazwischen.
“Gamification — the use of game design elements in non-game contexts — is gaining increasing traction in the education world.
Check out The Gamification of Education infographic to see how educational games have progressed from the days of Carmen San Diego and Reader Rabbit, and learn how they can help teachers and schools deliver truly meaningful experiences to students.” Meghan Daniels, Knewton Blog, 21. Februar 2012
Karlheinz Pape war letzte Woche auf der Inverted Classroom Conference in Marburg und hat hier einige Eindrücke und Links festgehalten. Zum Beispiel die Slides von Christian Spannagel, der für die “umgedrehte Mathematikvorlesung” geworben hat. Und Karlheinz Pape stellt hier - wie immer - die Frage, ob der “flipped classroom” nicht auch ein Modell für Corporate Learning sein könnte …
“Wenn also das Flipped Classroom Prinzip in Schule und Hochschule so erfolgreich ist - in den USA gibt es im Flipped Classroom Network 5000 Lehrer - warum wenden wir es dann nicht auch im Corporate Learning viel mehr an? Alte Gewohnheiten bei Teilnehmern, wie bei Trainern steuern wohl andere Erwartungen. Flipped Classroom bedeutet aktivere Teilnehmer und eine neue eher coachende Trainerrolle. Wer aber die Erfahrung damit schon mal gemacht hat, für den gilt der Schluss-Satz von Christian Spannnagel: There is no way back!” Karlheinz Pape, Training und Wissensmanagement, 16. Februar 2012
Nachtrag (20.02.2012): Hier beschreibt Christian Spannagel selbst, was er von der Konferenz in Marburg mitgenommen hat (”Flipped Math Lecture und das Aktive Plenum”).
In den letzten Jahren habe ich die einzelnen Trends der Horizon Reports immer in einer grafischen Übersicht aufgelistet. Dieses Jahr verzichte ich auf diese Übung, denn Dörte Giebel hat ein schönes Format gefunden, das einen schnellen Überblick über die Voraussagen ermöglicht. Und sie gibt noch eine Einschätzung des aktuellen Reports und eine kurze Referenz auf den opco12 mit auf den Weg Dörte Giebel, Lernkultur 2.0, 5. Februar 2012
Der Horizon Report 2012 ist etwas ganz Besonderes für mich. Als Mitglied des Advisory Boards durfte ich dieses Mal aktiv an seiner Entstehung und der Auswahl der einzelnen Trends teilnehmen. Eine interessante und spannende Erfahrung, auch wenn die Prozesse klar strukturiert sind und sich alles in einem relativ kurzen Zeitfenster zwischen November und Januar abspielt. Hinzu kam, dass es sich dieses Mal um die zehnte Ausgabe dieses Reports handelt, wie immer gemeinsam vom New Media Consortium (NMC) und der EDUCAUSE Learning Initiative (ELI) durchgeführt. Und wie immer ging es darum, „emerging technologies” zu identifizieren, „likely to have a large impact over the coming five years in education around the globe”. Wobei das Flagschiff, die “Higher Education Edition”, hier noch einmal einen besonderen Schwerpunkt setzt.
Am Format des Reports hat sich nichts geändert. Sechs Trends werden wieder nach ihrer voraussichtlichen “time to adoption” aufgereiht:
- ein Jahr oder weniger: Mobile Apps und Tablet Computing
- zwei bis drei Jahre: Game-based Learning und Learning Analytics
- vier bis fünf Jahre: Gesture-Based Computing und Internet of Things
Ich habe keine Ahnung, wohin das führt, was es für unseren (Lern-)Alltag bedeutet, usw. Nicht einmal der Horizon Report hat es auf dem Radar. Aber Elliott Masie “spielt” bereits damit. Ein 3D Printer für 1.300 Dollar. Elliott Masie, The MASIE Center, 14. Februar 2012
Man könnte es auch die Abschaffung der Vorlesung nennen. Oder man formuliert es etwas offener: “The flipped classroom is a pedagogical model in which the typical lecture and homework elements of a course are reversed. Short video lectures are viewed by students at home before the class session, while in-class time is devoted to exercises, projects, or discussions.”
Aus der Vorlesung oder dem Frontalunterricht wird also ein Workshop oder eine Diskussionsrunde. Das ist nicht unbedingt neu. Neu ist, dass der “flipped classroom” unmittelbar mit “short video lectures” verbunden wird. Das hat Konzept und Begriff im letzten Jahr populär gemacht. Aber in dieser Form entsteht es nicht nebenbei. Wie heißt es im Text: “Although the idea is straightforward, an effective flip requires careful preparation. Recording lectures requires effort and time on the part of faculty, and out-of-class and in-class elements must be carefully integrated for students to understand the model and be motivated to prepare for class.” EDUCAUSE, 7. Februar 2012
Salman Khan (Khan Academy) bleibt seinem bewährten Stil treu. Die Stichworte, die er für eine Zukunft um 2060 vor unseren Augen entwickelt: eine andere Lernumgebung (”flipped classroom”), eine “Achievement”-basierte Lernkultur, der zum Coach entwickelte Lehrer sowie eine 99 prozentige “global literacy”. Unterhaltsam. Salman Khan, YouTube, 27. Dezember 2011
Wahrscheinlich einer der kompetentesten Ausblicke, der in den letzten Tagen geschrieben wurde! Überhaupt kann ich Tony Bates und seine Beiträge nur wärmstens empfehlen!
“The general trends are not going to change much from 2011 (which I identified as course redesign, mobile learning, more multimedia, learning analytics,and shared services), but some of the specifics are becoming clearer. Below I’ve ranked my predictions in order of significance for higher education, and also given a probability rating of the prediction actually happening.
1. The year of the tablet: 99% probable …
2. Learning analytics: 90% probable …
3. Growth of open education: 70% probable (depending on definition of open education) …
4. Disruption in the LMS market: 60% probable …
5. Integration of social media into formal learning: 66% probable on a large scale …
6. The digital university: 10% probability …
7. Watch India …
8. The great unknown: 10% probability …” Tony Bates, e-learning and distant education resources, 2 Januar 2012
Alles muss jetzt raus: Hier noch die Aufzeichnung eines interessanten Web-Talks mit Guido Brombach (DGB Bildungswerk), Ralf Appelt (Universität Hamburg), Daniel Seitz (Mediale Pfade) und Moderator Jöran Muuß-Merholz (pb21.de). Es fallen Stichworte wie EduCaching, QR-Codes und Augmented Reality. Vielversprechend ist auch der Link auf die Seite “iPads und Bildung. Erfahrungsberichte aus dem DGB Bildungswerk”. In der Diskussion geht es u.a. darum, dass Lerner ihre eigene Lernumgebung und ihre eigenen Lernräume gestalten, was mit Tablets einfacher als mit stationären Rechnern umzusetzen ist. Und was bedeutet es eigentlich für Bildungsinstitutionen, wenn Teilnehmer zukünftig ihre eigenen Geräte mitbringen und nutzen (”Bring your own device”)? Blanche Fabri, #pb21.de, 15. Dezember 2011
Dave Cormier, einer der MOOC-Promotoren, hat angesichts der Vielzahl der Jahresrückblicke kapituliert. Stattdessen präsentiert er uns sieben Schwarze Schwäne. Für alle, die (wie ich) Nassim Nicholas Taleb’s Buch nur vom Hörensagen kennen, hier die kurze Einführung von Dave Cormier:
“I thought i might want to do something a little different this year… I want to talk about Black Swans. A black swan is a suprise event that changes the whole nature of a conversation. They are events that, in hindsight, EVERYONE wants to say they saw coming, but no one (or few people) predicted ahead of time. They are usually dramatic events, though it’s not the level of the drama that’s important, but rather the impact that it has.”
Und hier seine Schwäne:
Black Swan 7 - Free WORKING LMS for learning
Black Swan 6 - Copyright Bans Open textbooks in the US
Black Swan 5 - Oil his $400/barrel
Black Swan 4 - US government invests in Analytics
Black Swan 3 - International students stop coming
Black Swan 2 - Free books for everyone!
Black Swan 1 - MIT accredits MOOCs
Ja, ich muss es zugeben: Noch ein lesenswerter Überblick über einige Entwicklungen des laufenden Jahres! Audrey Watters geht die Sache journalistisch, aber umfassend und sehr kompetent an. Die “amerikanische” Brille ist zwar bei Stichworten wie “STEM” und “Higher Education Bubble” nicht zu übersehen. Aber sie verbindet dafür viele Trends mit Hinweisen und Links auf junge “Ed-Tech Companies”, was noch einmal Phantasie für weitere Entwicklungen und potenzielle Märkte freisetzt. Hier die Kandidaten:
1. The iPad, 2. Social Media — Adoption and Crackdown, 3. Text-messaging, 4. Data (Which Still Means Mostly “Standardized Testing”), 5. The Digital Library, 6. Khan Academy, 7. STEM Education’s Sputnik Moment, 8. The Higher Education Bubble, 9. “Open”, 10. The Business of Ed-Tech Audrey Watter, Hack Education, 16. Dezember 2011
“Here’s my theory – the primary driver for pedagogic change is something that has changed the behaviours of learners - independently of teachers, teaching and education – the internet. Let me elaborate …” Und mit folgenden Punkten stützt Donald Clark diese Theorie bzw. Hypothese:
1. Asynchronous - the new default
2. Links - free from tyranny of linear learning
3. Search and rescue
4. Wikipedia and death of the expert
5. Facebook and friends
6. Twitter, texting and posting
7. Youtube - less is more and ‘knowing how’
8. Games
9. Tools
10. Open Source Donald Clark, Donald Clark Plan B, 7. Dezember 2011
Tony Bates präsentiert hier eine hervorragende Zusammenfassung des laufenden Jahres: Learning Management Systems, Course Redesign, Mobile Learning und Open Educational Resources sind einige seiner Stichworte. Okay, ich hätte natürlich noch ein paar Zeilen über MOOCs ergänzt …
“Conclusion. Slow but definite progress in online learning was made in 2011. Certainly growth continues, and there is a great deal of innovative activity around the fringes of formal courses, and especially in informal learning. The LMS and lecture capture remain though the bedrock for most online learning, and that’s not the future I’m looking for.
Da ich bereits mehrmals auf die Idee des “Flipped Classroom” verlinkt habe, will ich die Einleitung kurz halten: “Lectures at night, ‘homework’ during the day” heißt es hier mit Verweis auf Dan Pink (”Flip Thinking - the new buzz word sweeping the US”). Die Frage, die Jane Hart anschließend stellt, ist natürlich naheliegend: Sollte man nicht häufiger darüber nachdenken, auch Webinare nach diesem Prinzip zu organisieren? Und, ja, ich weiß, dass hier jeder nickt, der professionell mit der Sache zu tun hat, aber ich weiß auch, dass es in der Praxis doch immer wieder um einen “initialen Input” geht. Also vielleicht noch einen Schritt weiter gehen?!
“So there is clearly a time and place for using the traditional presentation model, but I thought it would be a good idea to try and explore the flipped model – in order to provide a more social webinar. In other words to start with the premise that there would be no (or very little) formal presentation and that the focus will be on social and collaborative activities.” Jane Hart, Learning in the Social Workplace, 9. Dezember 2011
Schon der Horizon Report hatte ja Anfang des Jahres eine vorsichtige Wette auf das Thema abgegeben. Jetzt also diese Handreichung, die das Wichtigste kurz und knapp zusammenfasst. Es geht um die Lernaktivitäten und -spuren im Netz und ihre Auswertung, um Studierende auf ihrem Lernweg zu unterstützen sowie Curricula und Kurse zu verbessern. Und es hat wie vieles zwei Seiten: Sinnvolle Unterstützung im Zeitalter des “networked learning” oder “Big Brother”.
“Learning analytics (LA) applies the model of analytics to the specific goal of improving learning outcomes. LA collects and analyzes the “digital breadcrumbs” that students leave as they interact with various computer systems to look for correlations between those activities and learning outcomes. … Learning analytics tools can track far more data than an instructor can alone, and at their best, LA applications can identify factors that are unexpectedly associated with student learning and course completion.” EDUCAUSE, 6. Dezember 2011
Clark Quinn ist Gastgeber in der 13. Woche des #change11-MOOC (Massively Open Online Course). Der Titel “Slow Learning” ist vielleicht etwas verwirrend, weil er hier weniger eine neue Bewegung postuliert oder Tempo aus Lernprozessen herausnehmen will. Vielmehr lotet er offen und tastent aus, wie eine optimale Lernumgebung für uns aussehen könnte. Eine Einladung zum Mitdenken und Spinnen.
“Our formal learning approaches too often don’t follow how our brains really work. …
For me, that would be having a personal mentor traveling with me, looking at my tasks, providing both support in the moment, and developing me slowly over time. …
The notion is a sort-of personal GPS for your knowledge work. …”
Mit dieser Feststellung ist die Autorin auf der sicheren Seite. Auch wenn die Belege über “schools adopting iPads” noch aus den USA stammen, wer in Zukunft über die technische Ausstattung von Lernräumen und Bildungsinstitutionen nachdenkt, wird an Tablets bzw. dem iPad nicht vorbeikommen. Hinzu kommt, dass auch hierzulande jeder zehnte Jugendliche in seinem Haushalt bereits auf ein Tablet/ iPad zugreifen kann … (JIM-Studie)
“But let me say this: I’ve seen the iPad in the hands of my 2 year old niece this year. I’ve seen it in the hands of my 5 year old nephew. I’ve seen it in the hands of my 67 year old dad. The iPad might not revolutionize education, but there is something extremely intuitive about its interface, the touchscreen, the operating system.” Audrey Watters, Hack Education, 2. Dezember 2011
Seit Salman Khan das Stichwort in die Runde warf (ich finde leider gerade die Stelle nicht), wird der “Flipped Classroom” fleißig diskutiert. Luka Peters stellt deshalb das Konzept noch einmal vor, weist darauf hin, dass es gar nicht so neu ist und fügt noch eine Reihe von Quellen und Links hinzu, z.B. zur geplanten Konferenz zum Thema (Marburg, 14./ 15. Februar 2012).
“Ob Schule oder Studium, das Prinzip dieses didaktischen Konzepts funktioniert so: Die Lernenden bereiten sich erst mit Online-Material, z.B. Vorlesungsaufzeichnungen, Podcasts oder Wikis, auf ein Thema vor. Der Präsenztermin wird für die Lösung von Aufgaben oder anderen dialogischen Lernmethoden genutzt. Dabei steht der Dozent oder Tutor unterstützend zur Seite, offene Fragen, die das vorbereitende Material nicht beantworten konnte, können in Präsenz beantwortet werden. An der Beantwortung können sich zudem auch die Lerner selber beteiligen.” Luka Peters, edaktik, 30. November 2011
Wer wie ich das EduCamp in Bielefeld (18. - 20. November 2011) verpasst hat, kann sich hier einen ersten Überblick über das Geschehen verschaffen. Es finden sich Hinweise auf die verschiedenen Sessions, z.B. zum Flipped Classroom, zu OER, Wikis, Web Apps, zur Schülerbeteiligung und zum MOOC-Klassentreffen. Und es gibt vor allem den direkten Link zum EduCamp-Channel auf YouTube, wo jede Session und ihre Protagonisten noch einmal kurz gewürdigt werden. marazico, minus, 23. November 2011