Meine Eindrücke (I): Corporate Digital Learning MOOC (iversity)

Posted on 09 March 2016 by jrobes

Letzten Montag, am 29. Februar, hat ein neuer MOOC mit dem interessanten Titel „Corporate Digital Learning” begonnen. Ich hatte mich bereits vor einigen Wochen für diesen Kurs angemeldet und habe jetzt das Wochenende genutzt, um mich einmal umzuschauen. Hier meine ersten Eindrücke:

Die Eckdaten:

  • Der Kurs „Corporate Digital Learning” wird inhaltlich von Jeanny Wildi-Yune von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG betreut und über die deutsche MOOC-Plattform von iversity angeboten. Er nimmt Bezug auf eine Studie, die KPMG 2015 publiziert hat („Corporate Digital Learning: How to Get it ‚Right‘”).
  • Der Kurs umfasst 4 Kapitel. Der erste Kapitel, „Introduction to Corporate Digital Learning”, wurde mit Kursbeginn freigeschaltet. Alle zwei Wochen folgt ein weiteres Kapitel.
  • Der Kurs richtet sich an Business & Learning Professionals: „HR and L&D managers, general managers, coaches, trainers, teachers.” Vorkenntnisse werden nicht erwartet.
  • Die Teilnahme am Kurs ist kostenfrei. Wer 80 Prozent des Kurses bearbeitet, kann für 29 Euro ein „Statement of Participation” erwerben.
  • Wenn ich die Zeichen richtig deute, dann haben sich im Moment 3.800 Teilnehmer angemeldet (09.03.2016).

Die Bausteine des Kurses:

Die Lernumgebung eines Kurses besteht aus „Chapters”, „Announcements” (Neuigkeiten der Veranstalter), „Journal”, „Discussions”, „Course Info” und „Certificate”. Das unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen MOOC-Plattformen. Meine Einschätzung: Ein interessantes Feature ist das „Journal”, hinter dem sich der persönliche Blog jedes Teilnehmers verbirgt. Viele Übungen fordern die Teilnehmer auch auf, das „Journal” aktiv zu nutzen. Über das „Journal” wiederum gelange ich auch zu den anderen Teilnehmern des Kurses und kann ihnen bzw. ihren Journalen folgen. Andere Teilnehmer können wiederum öffentliche Journal-Einträge kommentieren.

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Jedes Kapitel besteht aus einzelnen Units. Überraschenderweise gibt es nur ein kurzes Begrüßungsvideo, in den übrigen Units werden vor allem Podcasts eingesetzt. Der Sprechtext der Podcasts wird unter „Additional Materials” parallel als pdf angeboten. Meine Einschätzung: Ich persönlich ziehe den Text vor, vor allem, weil bisher die Möglichkeiten eines Podcasts nicht genutzt werden: Originaltöne, Interviews, evtl. eine Kombination verschiedener Bausteine.

Springen wir in eine Unit, so gibt es neben Inhalten (siehe Podcasts) Übungen, in denen die Teilnehmer aufgefordert werden, etwas „zu tun”: indem sie direkt unterhalb der Aufgabe einen Diskussionsbeitrag publizieren oder ihr persönliches Journal nutzen. Hier ein Beispiel einer Übung aus der Unit „Benefits of Corporate Digital Learning”:
„Can you think of more benefits that were not mentioned in the text and in the other additional materials? Maybe some personal benefits that you have experienced? Or possible benefits you could see in the future? Let us know and discuss them here!”

Meine Einschätzung: Im Moment scheint das Feature „Discussions” den Teilnehmern vorbehalten zu sein. Auf den ersten Blick kann hier jeder eine Frage stellen und auf Fragen anderer antworten. Derzeit stellt sich das Forum noch sehr „übersichtlich” dar. Mit Blick auf die hohe Zahl der Teilnehmer bin ich gespannt, wie sich die Nutzung des Forums entwickelt, wie Übersichtlichkeit und Systematik gewährleistet und wie die Gastgeber hier aktiv werden (wenn sie denn überhaupt hier aktiv werden wollen).

Eine Unit ist als „Journal Assignment” ausgewiesen. Hier werden die Teilnehmer angeleitet („Think”, „Share”, „Comment and discuss”), die erste Kurswoche in einem längerem Journal-Beitrag zu reflektieren.

Die abschließende Unit fand als Live-Event statt, ein Webinar via WebEx. Jeanny Wildi-Yune, die Gastgeberin des „Corporate Digitale Learning”-MOOC interviewte Joachim Niemeier, einem meiner Mitstreiter aus dem „anderen” Corporate Learning-MOOC im Herbst 2015. Das Gespräch war etwas seltsam: es gab keine vorbereiteten Inhalte (was ich nicht unbedingt vermisse …), die anderen Teilnehmer des Webinars waren nicht sichtbar, die Chat- und F&A-Funktionen des Webinars wurden kaum aktiv genutzt und so stellte das Event eine Art „Telko mit Bild” dar. Das mag an meinen Webinar-Einstellungen gelegen haben, aber zumindest von einer Teilnehmerin weiß ich, dass sie ein ähnliches Bild hatte. Meine Einschätzung: Hier ist noch viel Luft nach oben!

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Zu den meisten der bisher freigeschalteten Units gehören noch Reiter, die „Additional Materials” und „References” heißen. Hier wurden nicht nur die Skripte der Podcasts verlinkt, sondern weitere, interessante und aktuelle Materialien: TED Talks, YouTube-Videos, Podcasts, Blogposts, Artikel. Eine Fundgrube, die weit über die Basisinformationen der Gastgeber hinausgeht.

Zusammenfassend:

Der „Corporate Digitale Learning”-MOOC vermittelt einleitend einige Grundlagen zum Thema „Digital Learning”. Deshalb tue ich mich schwer, die inhaltliche Seite des Kurses zu beurteilen und konzentriere mich auf einige Gedanken zum Lernerlebnis.

  • Da das Thema „Digital Learning” heute bereits eine über 20-jährige Geschichte hat, könnte ich mir eine mehr journalistische Herangehensweise und Vermittlung des Themas gut vorstellen: mehr auf einzelne Geschichten und Beispiele aus der Praxis setzen und die übliche Aufzählung der Vorteile, Herausforderungen und Formate in den Hintergrund rücken. Zwar beinhaltet das erste Kapitel auch eine kurze Case Study (RWE, Christian Böhler), aber nur in Form eines kurzen Textinterviews mit anschließender Diskussion („How would you engage your CEO in Digital Learning?, 13 Antworten).
  • Der Kurs ist ein geschlossenes Angebot. Die Teilnehmer werden nicht aufgefordert oder eingeladen, die Diskussion auch auf anderen Plattformen oder eigenen Blogs weiterzuführen und diese Fäden anschließend mit dem Kurs zu verlinken. Es gibt z.B. keinen Hashtag des Kurses, auf den verwiesen wird. Hier wird Potential verschenkt. Vor allem für die deutschsprachige Community wären vermutlich weitere Möglichkeiten des Austauschs hilfreich, ohne dass der Kurs und die Kursplattform verlieren würden.
  • Das Lernerlebnis ist zu statisch. Wer den Kurs auf der Kursplattform öffnet, findet immer die gleiche, gerade beschriebene Anordnung von Kapiteln, Units und weiteren Funktionen. Hier würde ich mir einen Activity Stream wünschen, der mir auf einen Blick anzeigt, was aktuell bzw. in den letzten Stunden passierte. So wie auf den bekannten sozialen Netzwerken und Kollaborationsplattformen. By the way, es gibt zwar in den „Account Settings” die Option „Receive social activity updates”, aber da sich in meinem Postkorb nichts tut, habe ich gerade noch einmal die Settings verändert.

Das für den Moment. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der Kurs weiterentwickelt, denn das Inhaltsverzeichnis macht weiterhin neugierig. Das Format sowieso.

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Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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