The Digital Turn. Themenwoche des Hochschulforums Digitalisierung

Posted on 11 September 2015 by jrobes

Drei Tage „Digital Turn” liegen hinter mir. Eine geballte Ladung „Digitalisierung”, die die Organisatoren in Berlin zusammengelegt haben. Drei Tage bedeuteten in diesem Fall auch drei Veranstaltungen.

Es begann am Dienstag mit der vom Stifterverband und oncampus gemeinsam ausgerichteten Veranstaltung „MOOCs in Deutschland. Eindrücke und Ergebnisse eines Experiments”. Das Experiment, auf das der Titel hinweist, war das MOOC Fellowship-Programm, das 2013 von Stifterverband und iversity ausgeschrieben wurde. Damit hatte ja die MOOC-Welle auch Deutschland erreicht. Vor diesem Hintergrund ging es an diesem Tag nicht um Grundsatzfragen, sondern um eine erste kurze Bilanzierung. Die allerdings ein bisschen an Pecha Kucha erinnerte. Zahlen wurden stolz präsentiert, Erfahrungen ausgetauscht (hier war, das nur am Rande, vor allem von „Begeisterung” und „Selbstausbeutung” die Rede) und von Kosten wurde gesprochen. Dann durften sich die MOOC-Anbieter vorstellen, wie oncampus, openHPI und die Leuphana Universität Lüneburg. iversity nutzte gleich die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass sie ihre Zukunft weniger in MOOCs, sondern mehr in Professional Development-Angeboten sehen, die dann natürlich kosten. Dann folgte noch ein Plenum, das allerdings keine nachhaltigen Eindrücke bei mir hinterlassen hat.

20thesen_201509.jpgDer zweite Tag fand im Allianz Forum am Pariser Platz statt. Halbzeitkonferenz des Hochschulforums Digitalisierung. Kurze Einführungen und Grußworte. Dann eine Keynote von Art Graesser von der University of Memphis. „Digital Literacy in the Era of Intelligent Tutoring Systems, Agents, MOOCs, and Data Mining” hieß der Titel seines Vortrags. Er sollte dem Thema Digitales Lernen wohl eine empirische Grundierung geben. Aber so richtig teilen wollte die Begeisterung des Referenten für „intelligent tutoring” niemand, und die Informationen über MOOCs und Data Mining boten wenig Neues. Dann hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, den einzelnen Themengruppen, es gibt ja deren sechs im Hochschulforum Digitalisierung, einmal über die Schulter zu schauen. Ich habe es nur in das Forum der Themengruppe „Innovationen in Lern- und Prüfungsszenarien” geschafft. Hier präsentierten Jörn Loviscach (Fachhochschule Bielefeld) und Jürgen Handke (Universität Marburg) gut gelaunt ihre Ergebnisse. In Erinnerung ist mir eine Liste mit vier Lernformaten geblieben, u.a. der Flipped Classroom, die Jürgen Handke vorstellte.

Auch dieser Tag schloss mit einem Podium. Und es war aus meiner Sicht ein Stichwort, um das die Diskussion immer wieder kreiste: Strategie! Es braucht eine Strategie, um die Potenziale des digitalen Lernens auszuschöpfen. Und die Hochschulen entwickeln selbstverständlich ihre eigenen Strategien oder „entwerfen ihre eigene digitale Agenda”, wie es Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen vom BMBF in ihrem kundigen „Impuls” am Vormittag formuliert hatte. Doch was für eine Strategie wird hier gesucht? Eine Digitalisierungs-Strategie, eine Strategie des digitalen Lernens oder eine Lehr-Strategie? Und, wenn man diese Hürde genommen hat: Können 428 individuelle Lehr-Strategien in Deutschland der Sache (Stichworte: Öffnung, Skalierung, Globalisierung, Kollaboration, usw.) gerecht werden? Natürlich nicht. Natürlich braucht es hochschulübergreifende Initiativen, Kooperationen, Netzwerke, kurz: Politik. Und hier flogen dann die Bälle, Wünsche, Ideen, Abgrenzungen so munter hin und her, dass man gespannt sein darf, ob und wie sich überhaupt etwas bewegt.

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Dritter Tag. Jahreskonferenz von ELIG („eLearning Industry Group”). Richard Straub, Generalsekretär, plädierte für eine europäische Perspektive in der Digitalisierungs-Debatte, in der der Fokus auf „the human side” liegt. Gesche Joost (Professorin für Design Research) stellte kurz die CodeWeek (codeweek.de) vor. Dann ein Panel, u.a. mit Thomas Sattelberger, der „design thinking” als zentrale Kompetenz des 21. Jahrhunderts beschwor (aber wer erwähnte das heute eigentlich nicht?); und der auf die Frage nach den möglichen Orten für Innovationen den schönen Begriff der „third places” ins Spiel brachte. Es folgte eine Keynote von Jörg Dräger (Bertelsmann Stiftung): „Inspired by Humboldt: Transforming Education in the Digital Age”. Die Digitalisierung als Mittel, um die Humboldt’schen Ideale wiederzubeleben. An dieser Vorlage hatte das Auditorium etwas zu knabbern. Es folgten kurze Beispiele und Stichworte: Massification, Personalization, Gamification, WeQ, Orientation, Job Matching. Das Ganze auch als Teaser für ein in wenigen Tagen erscheinendes Buch. Ein Sitznachbar meinte, das alles erinnere ihn ein wenig an Luther … Es folgte Ulrich Weinberg (School of Design Thinking, Hasso-Plattner-Institut), der sein Institut und sein Thema vorstellen durfte. Das Bild, das ich mitgenommen habe: Design Thinking und drei “core elements”: multi-disciplinary teams, iterative process, variable space. Ab diesem Punkt werden meine Notizen leider immer undeutlicher …

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Abschließend: Es waren „dichte”, interessante Veranstaltungstage. Viel Aufbruchstimmung. Auch einige Déjà-vus, aber das gehört dazu. Vielleicht hätten den Tagen ein paar Variationen in Ablauf und Umsetzung gutgetan (aber einige Tage vorher hatte ja in Berlin das EduCamp stattgefunden, also: the blame is on me …). Viele Publikationen und Papiere, allen voran die „20 Thesen zur Digitalisierung der Hochschullehre” des Hochschulforums, die in diesen Tagen herausgegeben wurden und auf die ich an anderen Stellen noch gesondert hinweisen werde. Und erste Blogposts der Teilnehmer (u.a. Philipp Hoellermann und Joachim Sucker), die sich noch einmal interessante Aspekte dieser Tage herausgegriffen haben. Also: Die Weichen sind gestellt.
Hochschulforum Digitalisierung, Themenwoche, 8. - 11. September 2015

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Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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