Es gibt Autoren, die das Medium „Blog” mit ihren Beiträgen regelmäßig überstrapazieren. Henry Jenkins gehört dazu. Aber meistens lohnt die Lektüre, wie auch in diesem Fall. Denn Henry Jenkins schafft es, Zweifler wie mich für einen Beitrag übers Spielen zu begeistern. Wie? Indem er gleich zu Beginn seiner Ausführungen sagt, „I want to push games aside and talk about play”. Als Kronzeugen zitiert er Bruno Bettelheim:
“Generally speaking, play refers to the young child’s activities characterized by freedom from all but personally imposed rules (which are changed at will), by free-wheeling fantasy involvement, and by the absence of any goals outside the activities itself …
Games, however, are usually competitive and are characterised by agreed-upon, often externally imposed, rules, by a requirement to use the implements of the activity in the manner for which they were intended and not as fancy suggests, and frequently by a goal or purpose outside the activity, such as winning the game.”
Play vs. Games (und game-based learning), that’s it! Im Folgenden stellt er uns seine “Six Properties of Play” vor: permission, process, passion, productivity, participation, pleasure. Aber da war ich schon überzeugt … Henry Jenkins, Confessions of an Aka-Fan, 13. Mai 2011
“Social Media ist auf dem Sprung, immer breiter in die Arbeitswelt einzuziehen”, schreibt Joachim Niemeier. Dort wiederum treffen die neuen Möglichkeiten auf ganz unterschiedliche Mitarbeiter: z.B. die Social Media-Aktiven, die Digital Natives (die wiederum nicht zwangsläufig mit den neuen Technologien vertraut sein müssen) sowie die große Gruppe derer, die noch nicht viel mit Social Media zu tun hatten. Deshalb entwickeln erste Unternehmen konkrete Lernangebote, um die Kompetenzen für einen bewußten und reflektierten Umgang mit diesen Medien zu vermitteln.
Wie ein solches Lernangebot aussehen könnte, hat gestern Ellen Trude von Bayer Business Services im Rahmen unseres OpenCourses präsentiert. Wichtige Stichworte waren “entdecken” (statt vermitteln), “Lernbegleiter” (statt Trainer) und “Community” (statt e-Learning). Alles weitere, inklusive der wichtigsten Links, hat Joachim Niemeier dankenswerter zusammengefasst. Joachim Niemeier, centrestage, 12. Mai 2011
Wer nimmt eigentlich am vernetzten Lernen und am Social Networking aktiv teil? Was für uns im Netz oder im Rahmen eines OpenCourses (s. “#opco11 und die (guten) Gründe, nicht-teilnehmender Teilnehmer zu sein”) noch eine spielerische Debatte ist, wird in Unternehmen schnell zum Business Case und zur Grundsatzfrage. Dan Pontefract ist Learning Manager (Telus) und stellt sie deshalb: “Should employees be incented to use social technologies?” Er bietet uns, ganz im Oxford-Stil, zwei Optionen an. Beide treffen aus meiner Sicht nicht den Punkt. Denn sie lassen die Arbeit der Mitarbeiter, ihre Verantwortung, ihre Freiräume, die Qualität ihrer Aufgaben außen vor. Wenn es hier aber nicht “stimmt”, bleibt das Zählen (oder Nicht-Zählen) von Blogposts eine taktische Übung. Dan Pontefract, trainingwreck, 9. Mai 2011
Ein weiteres Dokument, das fordert, nicht einseitig auf die Entwicklung und den Zugang zu Open Educational Resources (OER) zu blicken. Und das diesbezüglich auch vor einer neo-kolonialistischen Haltung warnt: “The assumption is that if well-known universities obtain grant support to develop OER as a sideline to their core activities, resource-poor countries and institutions will gratefully use them ‘as is’ to improve their teaching.” Nachvollziehbar. John Daniel, COL Blog, 9. Mai 2011
Es gibt sicher genügend aktuelle Anlässe, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Aber da die Grundformen wissenschaftlichen Arbeitens längst zum Alltag vieler Knowledge Worker gehören, ist diese Handreichung nicht nur in Bayreuth einen Blick wert. Wobei sich der hier zusammengestellte Katalog von Hilfen und Quellen auf die klassischen Methoden und Techniken konzentriert: das Zitieren, die Literaturrecherche, das Finden und Benutzen von Quellen, usw. Das kollaborative wissenschaftliche Arbeiten, Open Access, Creative Commons usw. sind zumindest keine eigene Überschrift wert. Franziska Kelch, ZEIT Online, 3. Mai 2011
Vor ein paar Tagen hatte ich mit Sascha Reimann (managerSeminare) über Communities, Communities of Practice und Netzwerke geplaudert, ihre Möglichkeiten, ihre Grenzen sowie ihre Unterschiede. In der aktuellen Ausgabe von Training aktuell ist jetzt der Artikel erschienen, der gut zum Thema unserer OpenCourse-Woche passt. Findet auch Nicole Bußmann (@NicoleBussmann), die ihn mir bzw. uns netterweise zur Verfügung stellt.
“Der Begriff ist in Mode: Immer häufiger bezeichnen sich Expertenrunden – Verbands-Foren, Xing-Gruppen oder andere Plattformen für den fachlichen Austausch – als Communities of Practice. Auch wenn der Begriff streng genommen nicht immer zutrifft (s. Kasten S. 40), markiert seine Konjunktur einen Trend, der selbstorganisierte Weiterbildung mit dem von Social Media geprägten Netzwerkgedanken verbindet.” Sascha Reimann, Training aktuell, Mai 2011, S. 39-41 (pdf)
George Siemens, gerade aus seinem letzten OpenCourse “CCK11″ entlassen, meint, dass “self-directed learning” immer weniger die Lernerfahrungen und -prozesse beschreibt, die wir heute machen. “When faced with learning in complex environments, what we need is something more like network-directed learning – learning that is shaped, influenced, and directed by how we are connected to others. Instead of sensemaking in isolation, we rely on social, technological, and informational networks to direct our activities.”
Das ist ein alter Hut, werden jetzt einige sagen. Lernerfahrungen sind immer sozial und vernetzt, sind “praktisch” (wenn es nicht nur um das Memorieren von Fakten geht), eingebettet in einen sozialen Kontext. Die Frage könnte also lauten: Wie hat sich das vernetzte Lernen unter den Bedingungen und Möglichkeiten von Social Media verändert? George Siemens, Connectivism, 1. Mai 2011
“Have you ever thought about how completely irrelevant structured learning is?” Mit diesem Satz von George Siemens startet eine kurze Video-Präsentation zum Connectivism. Im Hintergrund läuft Eric Whitacre’s Virtual Choir. Sehr schön. Debbie Kroeker, Vimeo, 15. April 2011
Anbei die Eingangszeilen meiner ersten Zusammenfassung, die ich gerade auf “OpenCourse 2011″ gepostet habe:
“Die erste Woche unseres OpenCourses ist fast um und die gute Nachricht lautet: Wir mussten unseren Notfallplan (“Was machen wir eigentlich, wenn nichts passiert?”) nicht aus der Schublade ziehen. Im Gegenteil! Wir sind jetzt bei 778 Teilnehmern, über 800 Tweets, Dutzenden Blogposts, einigen Audioboos … Sie scheint also zu funktionieren, die Vernetzung, und das Thema, “Zukunft des Lernens”, scheint auch einen Nerv zu treffen! Deshalb an dieser Stelle schon einmal ein herzliches Danke und die Hoffnung, dass wir vieles von diesem Anfangselan in die nächsten Wochen mitnehmen können. …”
Ellen Trude berichtet hier von einer unternehmensinternen Weiterbildung mit dem programmatischen Titel “Enjoy Social Media”. Langsam scheint sich also durchzusetzen, dass die neuen technischen Möglichkeiten nicht nur für das Branding, Marketing und Recruiting interessant sind, sondern zunehmend den Arbeitsalltag aller Mitarbeiter zu prägen. Bleibt nur noch die Frage, wie man das Thema vermittelt, ohne in überholte Muster und Routinen zu verfallen. Also:
“Bei Enjoy Social Media: … wird nichts gelehrt: es gibt keine Vorträge, PowerPoint-Sessions, Handbücher, ist die Trainingsunterlage im pdf-Format Geschichte. Alle Inhalte sind “offen”, das heißt, können (und sollen) von den Lernenden verändert werden. …”
Mehr von Ellen Trude über das Projekt am 11. Mai im Rahmen unseres OpenCourses oder im aktuellen Werk von Armin Trost und Thomas Jenewein, “Personalentwicklung 2.0″. Ellen Trude, trainingkonzepte, 4. Mai 2011
Wer in der betrieblichen Weiterbildung oder, heute, Learning & Development zu Hause ist, wird mit dem Thema “Compliance” vertraut sein. In vielen Unternehmen ist es ein wichtiges Motiv, ein Learning Management System im Haus zu haben und sich mit e-Learning zu beschäftigen. Ansonsten betrachten es alle Beteiligten als leidige Pflichtübung. Was auch daran liegt, so Clark Quinn, dass zuviel Zeit und Energie in nutzlose Wissensabfragen und Gedächtnisübungen investiert wird.
“That’s a waste of time and money. For another, the criteria are often knowledge based, not performance-based. We can make meaningful tests, either computer-administered (simulations), or real performance. What doesn’t work are knowledge tests. And LMSs don’t care what the form of assessment is, if it can be recorded. What we should be looking for are competency assessments, based upon real performance, not knowledge test.” Clark Quinn, Learnlets, 3. Mai 2011
Wie sollte man Meetings gestalten, um sie für Knowledge Worker zu einer produktiven Erfahrung zu machen? Auf diese Frage folgen in der Regel Ratschläge, die die Organisation und den Ablauf von Meetings betreffen. Die Autorin dagegen versucht, den spezifischen Ansprüchen von Knowledge Workern gerecht zu werden und entwickelt auf diese Weise überraschend interessante Prinzipien - die zudem ganz ohne die Erwähnung von Social Media auskommen:
1. Connection before content …
2. Circles connect …
3. Learn in small groups - integrate knowledge in large groups …
4. Diverge then converge …
5. Outside experts inform the thinking of others, not provide them answers …
6. Connect new ideas to what knowledge workers already know …
7. We learn when we talk …
(via Stephen Downes) Nancy Dixon, conversation matters, 3. Mai 2011
Seit April 2010 ist das iPad in den USA zu haben, seit Mai 2010 auch in Deutschland. Joachim Wedekind hat sich früh das “teure Spielzeug” geleistet und zieht hier ein Resümee, auch als Mediendidaktiker: “Als Spass- und Arbeitsgerät ist das iPad für mich super. Das Angebot an Lernanwendungen, die die neuen Interaktionsmöglichkeiten wirklich ausnutzen, ist es deutlich ausbaufähig”.
Doch er ist nicht der Einzige, den das iPad fasziniert. Anno Stockem ist zwar erst vor kurzem auf den Zug gesprungen, weist aber auf einen weiteren, wichtigen Punkt hin: “Die aus meiner Sicht unmittelbarste und attraktivste Nutzung von Tablets wäre die Vernetzung von Lernern untereinander bzw. ggf. mit Dozenten oder “Inhaltslieferanten” …”(”ipad in der Weiterbildung?”) Natürlich wäre jetzt zu fragen, was das heißt und ob es für die Vernetzung ein iPad sein muss. Doch wie auch immer, er deutet an, wohin die Reise auch gehen kann, nämlich von den einzelnen Applikationen zu umfassenderen Lehr-/Lernszenarien.
Claude Almansi nimmt das aktuelle Themenheft der “International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL)” zum Anlass, um über einige grundlegende Dinge in Massive Open Online Courses (MOOC) nachzudenken. Ihre Schlussfolgerung: Manches ist komplizierter vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Zum Beispiel die berühmt-berüchtigten “Lurker”, die in den Statistiken von Online-Aktivitäten auftauchen, ohne selbst etwas aktiv bzw. kreativ beizutragen. Zum einen: “Lurking is not a problem, as long as lurkers are learning.” Zum anderen geht es um unterschiedliche Haltungen und Persönlichkeiten der Teilnehmer, die verschiedene Formen der Teilnahme mit sich bringen, so Almansi.
Der Beitrag ist auch so interessant, weil die Autorin auf einige jüngste Erfahrungen aus Open Online-Kursen wie z.B. PLENK 2010 zurückgreift. Sie weist darauf hin, dass PLENK zuletzt 1.616 Anmeldungen hatte, hinter denen jedoch nur 40-60 aktive Teilnehmer standen. Und sie erklärt sehr anschaulich, wie sich für sie als “digital immigrant” das konnektivistische Lernen durch das Netz verändert hat:
“Example: I am presently in charge of the Conferences page here. As I am not an academic - nor likely to be able to afford the costs of attending most conferences - this task would have been totally beyond me in pre-digital times. As I explained in the introduction of that page, now, I strive to update it via indications sent by e-mail, added to the comments of that page, gathered from mailing-lists, social networks, etc. To these information resources, I recently added Lanyrd, a twitter-based application: if you sign in to it with your twitter account, you will see which conferences your twitter contacts are attending in the near future.”
Erstens sind diese Fundstücke ganz unterhaltsam und zweitens sollte man so etwas für den richtigen Anlass immer in seinem Archiv haben. Bin gespannt, was die Kollegen von xplanation hier noch ausgraben. “This week, we will be listing off our top educators in movie history. Here are the first two in our countdown.” xplanation, 2. Mai 2011
Nachtrag (06.05.2011): Inzwischen steht die kleine Filmreihe (I.-V.) komplett im Netz (hier).