“… …are condemned to repeat them, said philosopher George Santyana.” Und sagt Jay Cross. Er erinnert in einer kurzen Zeitreise daran, was zwischen 1999 und heute geschah und welche Lehren (E-)Learning Companies daraus ziehen können. “For those of you too young to remember, a dozen years ago venture capitalists, mainly in Silicon Valley, fell in love with the concept of eLearning. Money gushed into learning start-ups. …” Jay Cross, Internet Time Blog, 28. Januar 2011
Steve Wheeler ist Associate Professor of Learning Technology an der University of Plymouth - und übermorgen mit einer Public Keynote auf der LEARNTEC in Karlsruhe! Von daher ist es interessant zu lesen, wie er die Learning Technology 2011 wahrgenommen hat, die letzte Woche in London stattgefunden hat. Und eine gute Einstimmung!
“The gulf is widening between the vendors and the practitioners. It was never more apparent this week than at Learning Technologies - one of the largest events of its type in Europe. … Several people remarked openly that the ‘downstairs’ learning technology and skills exhibition was the ’same old same old’ and that it contrasted sharply with the practices that were being debated, disseminated and discussed ‘upstairs’ in the main conference venue at Olympia 2, in West London.” Steve Wheeler, learning with ‘e’s, 28. Januar 2011
Nicole Bußmann hat noch schnell, bevor der Januar um ist, ihre Trends für das laufende Jahr aufgeschrieben. Sie reichen von “1. Burnout” bis “8. Reputation Management”. Wobei sie sehr eigenwillig mit dem Begriff “Trend” umgeht und einige Klassiker wie “Führung/ Leadership” oder das “Digitale Lernen” auf die Liste gesetzt hat. Bei anderen Punkten, wie z.B. dem “Burnout”, wäre es hilfreich, diesen auf die Weiterbildung “runterzubrechen”. Was heißt das konkret? Klassische Seminare zum Thema? Für alle oder nur für einzelne, gefährdete Zielgruppen? Oder Appelle an die Selbstverantwortung aller Mitarbeiter? Nicole Bußmann, managerSeminare/ News Blog, 28. Januar 2011
Ein lesenswerter Beitrag, weil das Thema “Medienbildung/ Medienkompetenzen” überall auf der Agenda steht (zu Recht!) und das Zeug zum Dauerbrenner hat. Erst Anfang der Woche hat Henry Jenkins auf eine britische Initiative verwiesen (”Manifestos for the Future of Media Education”). Joachim Wedekind (Institut für Wissensmedien, Tübingen) verlinkt hier das deutsche Pendant, das Medienpädagogische Manifest, und weitere, damit verbundene Initiativen. Aber was er dort und in verschiedenen Positionspapieren liest, ist ihm zu mutlos, zu sehr “Trockenschwimmen”. Also:
“Meine Vision für einen solchen Kongress wäre z.B. schon eher eine Initiative ETAPPE (Ein TAblett Pro PErson), mit dem ersten ETAPPEnziel, alle GrundschülerInnen (und natürlich auch alle GrundschullehrerInnen) mit Tablets zu versorgen und damit überhaupt erstmal Voraussetzungen zu schaffen für eine organische Integration in alle Fächer und Arbeitsformen.” Joachim Wedekind, konzeptblog, 26. Januar 2011
Mercedes Bunz hat gerade in ZEIT und FAZ etwas Platz bekommen, um ihre Gedanken auszubreiten. Dabei versucht sie, uns auf das vorzubereiten, was wirklich mit der “Digitalisierung” und der “Automatisierung des Wissens” auf uns zukommt. Dass sich natürlich unsere Arbeit verändern wird; dass die Rolle des Experten neu definiert werden muss; aber auch, dass Google und seine Algorithmen nur die Vorläufer neuer, intelligenter Systeme bilden; und dass diese Systeme immer weiter selbst neues Wissen generieren. Auch wenn Puristen hier einen laxen Umgang mit Begriffen wie “Information” und “Wissen” bemängeln werden, regen die Artikel zum Weiterdenken an.
Etwas aus den Archiven des WWW: Ein Tagungsbericht von Martin Lindner, der im März 2010 den Social Business Design Summit (#sbs2010) in London besucht hat. Sein zentrales Thema: Die aktuelle Verfassung der “Enterprise 2.0″-Idee, 2006 von Andrew McAfee angestoßen, seitdem von Social Media-Fans, Barcamp-Besuchern und Marketing-Experten fleißig diskutiert, aber in der Praxis noch nicht angekommen (was ja auch bis heute für das Thema “Social Media in der Weiterbildung” gilt, um diese Brücke kurz zu schlagen …). Hier bohrt Martin Lindner in seiner interessanten Review nach. Warum ist das so?
“Das eigentliche Problem ist aber die Veränderung der internen Strukturen, mit denen sich die dritte und größte Gruppe [auf dem Kongress, JR] beschäftigte: die täglichen Arbeitsprozesse, das Multitasking, der SAP-getriebene Planungswahn, das defensive Abblockverhalten der latent überforderten Mitarbeiter.”
Ist das Etikett “social” ein Hindernis, fragt Martin Lindner weiter? Vielleicht. Aber vor allem der folgende Punkt leuchtet mir ein: “Wir sollten uns eher um das Design von Arbeitsumgebungen kümmern, um die Zirkulation von kleinen Informations- und Wissensstücken …” Und Luis Suarez soll in London gesagt haben: “Do not change organisations, let’s hack behaviours!” Das klingt erst einmal gut. Und ist sicher auch im Januar 2011 noch aktuell (via Ellen Trude). Martin Lindner, Netzpiloten, 24. März 2010
Noch aus Studienzeiten habe ich mehrere Bücher von Marshall McLuhan im Regal. In Reichweite liegt zufällig “Das Medium ist Massage”, eine Taschenbuch-Ausgabe von Ullstein, die ich mir vor vielen Jahren zugelegt habe, weil ich glaubte, damit einen seltenen und kostbaren Fehldruck (”Massage”?) zu erwerben. Was sich leider als Irrtum herausstellte. Mit den anderen Büchern bin ich übrigens auch nicht viel weiter gekommen. Von daher ist es sehr beruhigend, diese Rezension von Nicholas Carr zu lesen, der nach überstandener Coupland-Lektüre (”Marshall McLuhan: You Know Nothing of My Work!”) sein McLuhan-Bild wie folgt zusammenfasst:
“Watching McLuhan, you can’t quite decide whether he was a genius or just had a screw loose. Both impressions, it turns out, are valid. … His books read like accounts of acid trips written by a bureaucrat.” Nicholas Carr, The New Republic, 12. Januar 2011
Qwiki über sich selbst: “We are the first to turn information into an experience.” Qwiki wird sicher nicht an die Tiefe einer Online-Enzyklopädie wie Wikipedia reichen, bietet aber einen interessanten Ansatz, Informationen darzustellen. Qwiki, Januar 2011
Hier ein Blogpost von Martin Ebner, den ich einfach mal durchreiche:
“Das letzte Video vor dem Online-Start des Lehrbuchs “Lehren und Lernen mit Technologien” am 1.2.2011 widmet sich durchaus diskussionswürdigen Fragen: “Wie erleben Kinder von heute Technologien? Was sind ihre Technologien?”
Hierzu haben wir ihnen einfach ein paar Technologien (vom Rechenschieber bis hin zum iPad) vorgelegt, mit der Bitte diese zu bedienen oder zu beschreiben. Hier das Ergebnis:” Martin Ebner, E-Learning Blog, 24. Januar 2011
Die Prognosen von Tony Bates habe ich aus zwei Gründen mit Gewinn gelesen: Zum einen decken sich seine Trends weitgehend mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen. Unter Überschriften wie “Course Redesign”, “The Future is Mobile”, “Open Educational Resources” oder “More Multimedia” stellt Tony Bates eine Reihe von technischen, didaktischen und organisatorischen Entwicklungen vor, die das laufende Jahr prägen werden: das reicht von iPads und e-Books, über kurze Videoformate bis zur fortschreitenden Integration von Social Media in Kursmodelle und Lernumgebungen.
Hier noch, wie Tony Bates “Learning Analytics” versteht:
“Learning analytics is the measurement, collection, analysis and reporting of data about learners and their contexts, for purposes of understanding and optimizing learning and the environments in which it occurs. In other words it is the application of business intelligence software to learning and learners.”
Gibt es wirklich einen Trend zur Kürze - im Alltag, in den Medien, in der Weiterbildung? Wann wird aus dem Trend eine Norm (”Fasse Dich kurz!”)? Und wo haben lange Formate ihren Sinn? Gabi Reinmann ist auch über “Short ist the new long” gestolpert, macht sich einige Gedanken, um schließlich für ein sinnvolles Nebeneinander unterschiedlicher Formate zu plädieren. Gabi Reinmann, e-Denkarium, 20. Januar 2011
Ein Buch über “Offene Bildungsinitiativen”, das offen im Netz zugänglich ist: das “passt” und deshalb zuerst einen Dank an den Waxmann-Verlag! Im Vorwort heißt es: “An deutschen Hochschulen treten offene Bildungsinitiativen unter verschiedenen Namen in Erscheinung - man kennt sie als „studentische Projekte“, „selbstorganisierte Studienarbeiten“ oder „universitäre Bottom-up-Initiativen“.” Wer sich in den einschlägigen Netzwerken bewegt, ist einigen dieser Initiativen wie z.B. den EduCamps, der Maschendraht-Community, w.e.b. Square oder MyPaed, vielleicht schon einmal begegnet. Im Band werden sie und viele andere ausführlich vorgestellt und in separaten Beiträgen, “Metareflexionen” genannt, kritisch gewichtet.
Man kann sich über diese Initiativen freuen und festhalten, dass es zuerst einmal hervorragende Erfahrungs- und Lernräume für Studierende sind (wie es Gabi Reinmann in ihrem Nachwort ausführt). Man kann natürlich auch die Messlatte höher legen und das Etikett “offen” nur da gelten lassen, wo das “Bildungsestablishment” grundlegend in Frage gestellt wird (wie es Karsten Wolf in seiner Metareflexion tut). Hannah Dürnberger, Sandra Hofhues und Thomas Sporer (Hrsg.), Waxmann: Münster, New York, München, Berlin 2011
Henry Jenkins (USC Annenberg School for Communication, Kalifornien/US) ist einer der renommiertesten Forscher auf dem Feld der “new media literacies” und “participatory culture” (mit einem lesenswerten Blog, “Confessions of an Aca-Fan”). In diesem Interview liefert er zwar keine Definitionen (die dem Thema “literacies” zuweilen gut stehen würden), aber er streift viele interessante Felder der Medienpädagogik, Medienkompetenzen und Social Media-Agenda.
LG: While I was waiting for you I tweeted that I was going to interview you. I was going to ask if anybody has any questions for you too. I’m sure I would have gotten some responses. HJ: That’s the sort of open-ended communication that I think is really interesting right now. … Lisa Gualtieri, eLearn Magazine, 19. Januar 2011
Mal einen Blick über den Tellerrand werfen? Tony Bates war 2004 als Mitglied eines World Bank-Projektteams in der Mongolei “to explore the potential of low-cost rural distance learning (RDL)“. Was er damals erlebte und warum die Herausforderungen heute die alten sind, beschreibt er in diesem Beitrag. Tony Bates, e-learning and distant education, 14. Januar 2011
Eine umfassende, kritische, aber jederzeit sachliche Analyse “of one of the most ambitious educational reform initiatives to date”. Sechs Jahre ist es her, seitdem Nicholas Negroponte die Idee vorstellte, 150 bis 200 Millionen Laptops an die Kinder der ärmsten Länder zu verteilen, weniger als 2 Millionen Laptops sind seitdem wirklich ausgeliefert worden und nicht alle haben ihren Bestimmungsort erreicht. Die Autoren beschreiben noch einmal systematisch die Vision hinter One Laptop per Child (OLPC) sowie die theoretischen Grundlagen des Projekts (”the constructionist learning theory of Seymour Papert”), geben einen exzellenten Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand und zeigen die Schwachstellen des Projekts auf. Kurz: “a technocentric vision”.
“The analysis reveals that provision of individual laptops is a utopian vision for the children in the poorest countries, whose educational and social futures could be more effectively improved if the same investments were instead made on more sustainable and proven interventions.”
Clive Shepherd macht aus seiner Sympathie für TotaraLMS kein Hehl, “the first example (as far as I know) of an out-of-the-box Moodle implementation designed wholly for corporate needs”. Aber er beschreibt auch sehr anschaulich, warum Unternehmen und Hochschulen für LMS-Anbieter zwei unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Anforderungen sind. Hier Saba, Cornerstone oder SAP, dort Blackboard oder Moodle; auf der einen Seite LMS, auf der anderen Seite VLE (in UK auch begrifflich getrennt). Mit Moodle bzw. TotaraLMS könnte diese Grenze durchlässig werden. Clive Shepherd, Clive on Learning, 17. Januar 2011
Eine nette Fingerübung von Nicholas Carr (”The Shallows. What the Internet Is Doing to Our Brains”), der über drei Entwicklungen nachdenkt: alles wird kürzer; mit Konsequenzen für unsere Lesegewohnheiten: das Browsen ersetzt das um Verständnis ringende Lesen; und was wir heute als “kurz” wahrnehmen, wäre früher, also vor dem Internet, vielleicht überhaupt nicht wahrgenommen worden. Nicholas Carr, Rough Type, 16. Januar 2011
Das ist schon das 14. Kurz-Interview im Rahmen des L3T-Projekts! Microlearning, so Martin Lindner hier, sind die kurzen Informationseinheiten, die das Web heute prägen; “activity streams” auf Facebook, Twitter und Co., denen wir versuchen, Sinn und Struktur zu geben, für uns und für andere. “Alles geht, aber wir kommen gar nicht mehr hinterher, das anzuwenden, was technisch möglich ist.” Interview mit Martin Ebner, E-Learning Blog, 17. Januar 2011
Nicht nur, aber auch in der ZEIT wird in diesen Tagen Wikipedia gefeiert. Zu Recht. “Es ist nicht zu hoch gegriffen, Wikipedia als das größte gemeinsam geschaffene Werk der Menschheit zu bezeichnen”, heißt es überschwenglich im zentralen Artikel des Dossiers (”Die Guten im Netz”). Darüber hinaus gibt es kurze Einblicke in “Edit-Wars” und die Eigenarten der deutschen Wikipedia-Ausgabe, es wird geschrieben über “Inklusionisten” und “Exklusionisten”, über die Plattform “Ushahidi”, und ein Historiker hat einen professionellen Blick in das Online-Lexikon geworfen. Sehr schön: Ein Live-Ticker zeigt an, welche Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia gerade editiert werden! Die ZEIT, Januar 2011