Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

KnowTech 2010

Diese Woche wurde die Herbst-/ Wintersaison der Konferenzen und Tagungen eingeläutet. In Bad Homburg trafen sich wieder die Wissensmanagement-Interessierten. Ich war jetzt zum vierten Mal in Folge dabei, aber zum ersten Mal ohne eigenen Vortrag. Was haben also die anderen präsentiert?

Die Keynote Speaker haben ihr Potenzial nicht ganz ausgeschöpft. Peter Kruse war leider verhindert, so dass Frank Schomburg uns über die Dynamik der Netze informierte („Erfolgreich in intelligenten Netzwerken …“) Sehr unterhaltsam und informativ, wobei ich nach wie vor Schwierigkeiten mit der nextpractice-Rhetorik habe (… können Netzwerke intelligent sein?) David Gurteen („Future Trends in KM+“) war offensichtlich bei bester Gesundheit, beschränkte sich aber darauf, eine allgemeine Change-Agenda für Wissensmanagement-Projekte zu präsentieren. Hier empfehle ich unbedingt Gurteens Festschrift „10 Years in KM“ und seinen monatlichen „Knowledge Letter“ zur Vertiefung! In Peter Beukes (IBM) Vortrag wurde nicht nur aus seinem IBM-Kollegen Luis Suarez mehrmals „Luis Sanchez“, er schaffte es zudem nicht, sich stärker von der Agenda des eigenen Unternehmens zu lösen (Sein Titel: „Smarter Arbeiten – mehr Erreichen bei gleichem Aufwand“). Schade.

Im Anschluss bin ich munter zwischen verschiedenen Plenen und Foren gewechselt, so dass ich an dieser Stelle nur zwei Themen kurz festhalten möchte: Tobias Kunz (Lufthansa) erzählte sehr anschaulich und offen von der Einführung einer Enterprise 2.0-Lösung im Konzern. Vom Start des Auswahlprozesses Anfang 2008 bis zur kürzlich erfolgten Live-Schaltung, von der Shortlist der Anbieter, über die Pilotierung, bis zu Lizenzmodellen und Budgets. Und schließlich auch von mittlerweile 25.000 Nutzern und verschiedenen Nutzungsszenarien. Trotz der hohen Beteiligung gibt es aber auch offene Punkte: denn noch existieren alte Intranet-Welt (eBase) und neue Community-Plattform (eTeaming) in der Lufthansa nebeneinander und noch dominiert die Verkehrssprache „deutsch“ … Irgendwie, und das ist sicher nicht untypisch für Enterprise 2.0-Initiativen dieser Größenordnung, ist das Ganze eine Mischung aus top down & bottom up, oder: Projektmanagement 1.0 & Community 2.0. Die Präsentation schloss für mich übrigens an einen Wissensmanagement-Stammtisch aus dem Mai 2008 an, über den ich hier berichtet habe!

Ein ähnliches Projekt präsentierte am zweiten Tag Audi („Das Audi wikinet“). Auch hier schilderten die Referenten von Audi und Cogneon, wie man sich in verschiedenen Etappen der Lösung und ihrer Einführung genähert hat und auch hier steht die Wikifarm als Community-Plattform noch neben dem klassischen CMS. Jetzt will man sich auf den Weg begeben, die Wiki-Szenarien in ein umfassendes Enterprise 2.0-Konzept zu überführen. Um diesen Punkt abzuschließen: Es gab in diesem Jahr eine Reihe von Case Studies, die nicht von einzelnen, kleinen „Web 2.0″-Experimenten in Unternehmen berichteten, sondern auf konkreten Enterprise 2.0-Konzepten und Social Media-Strategien aufbauten.

Am zweiten Tag habe ich, und das ist das andere Thema meiner Zusammenfassung, noch einige Zeit im Forum 8 („Gesellschaftlicher Dialog für die Wissensgesellschaft …“) verbracht. Günther Szogs (New Club of Paris) hatte wie schon in den letzten Jahren verschiedene Referenten zusammengebracht, um thematische, regionale und gedankliche Grenzen in der Wissens-Diskussion zu sprengen. Dazu gehörten z.B. Peter Pawlowsky (TU Chemnitz, u.a. über erste Ergebnisse aus dem BMWi-Projekt „Wissensmanagement 2010″; sehr spannend!), Günter Koch (execupery, über die Wissensstadt Wien), Dagmar Woyde-Koehler (EnBW, über MINDKISS und „Encounters with OUBEY“), Olaf Kaltenborn (Goethe Universität Frankfurt, über eine „andere“ Universität) und Matthias Arning (Frankfurter Rundschau, über Partizipation in Bockenheim). By the way, es war im Drei-Jahres-Vergleich die inspirierendste Runde, auch wenn die Diskussion – nach wiederholten Verbeugungen vor Kant, Habermas, den Kaffeehäusern und Bürgeruniversitäten – den Charme eines Treffens der Grauen Panther anzunehmen drohte …

Was bleibt? Ja, es gab eine Twitterwall, die aber weit davon entfernt war, wahrnehmbare Spuren oder gar Störungen im Ablauf zu hinterlassen. Vielleicht hat ja auch die KnowTech ein demografisches Problem … Wie auch immer, es kann mit Blick auf 2011 sicher nicht schaden, über einige Überraschungsmomente nachzudenken, wie z.B. die Keynote eines WM-Zaungastes, die Ansprache und Einbindung jüngerer Zielgruppen oder die Ausdehnung der Konferenz, z.B. in die Region.

Zuallerletzt aber ein herzliches Danke für die wunderbare Organisation und die anregenden Gespräche!
KnowTech 2010

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