Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Banking 2.0, LEARNTEC und EduCamp (2)

Die drei Veranstaltungen, an denen ich letzte Woche teilgenommen habe, hätten kaum unterschiedlicher sein können. Der Reihe nach: Am Montag gab es einen Workshop in Zürich zum Thema „Banking 2.0 – Lernen mit Social Software“, veranstaltet von der Uni Zürich und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Teilnehmer kamen aus Schweizer Banken und Finanzdienstleistern, es gab etwas Input (u.a. Deutsche Bank Research und centrestage) vorneweg und dann haben wir uns in kleineren Runden am Verhältnis der Banken zum Web 2.0 „abgearbeitet“. Durchaus ergebnisoffen, denn das wachsende Interesse am Thema stößt immer wieder an bekannte strukturelle und organisatorische Grenzen. Matthias Rohs spricht in seiner Nachbetrachtung auch von einem „Spannungsverhältnis“ zwischen Befürwortern und Gegnern (weitere ausführliche Informationen zur Veranstaltung bei Martina Göhring).

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Von Dienstag bis Donnerstag dann die LEARNTEC in Karlsruhe. Mein „Pflichtprogramm“ bestand aus einer Präsentation (siehe hier) und der Moderation eines Workshops, den ich mit „Twitter: Kann man mit 140 Zeichen lernen?“ betitelt hatte. Beide Veranstaltungen waren sehr gut besucht und natürlich sorgte vor allem das Stichwort „Twitter“ für eine lebhafte Diskussion, zu der die Referenten Andrea Back (Universität St. Gallen), Martin Raske (Credit Suisse), Joachim Niemeier (centrestage), Martin Ebner (TU Graz) und Sandra Schaffert (Salzburg Research Forschungsgesellschaft) tatkräftig beitrugen.

Ansonsten ist die LEARNTEC in einer nun schon länger andauernden Selbstfindungsphase. Die Messehallen in Karlsruhe wirken überdimensioniert, Messe und Konferenz laufen weitestgehend parallel, das Sektionsprogramm schwankt stetig zwischen Theorie und Praxis, das Themenspektrum ist vielfältig, ohne klare Schwerpunkte zu setzen, die Präsentationsformen sind klassisch und die Keynotes … habe ich dieses Jahr bewusst ausgelassen. Trotzdem scheinen die Besucherzahlen wohl zufriedenstellend gewesen zu sein, und im nächsten Jahr will ein neues Leitungsteam für frischen Wind sorgen. Und die inhaltlichen Schwerpunkte? Nicole Bußmann (managerSeminare) spricht ganz mutig von zwei Highlights: „Produktivität von Wissensarbeitern“ und „Microlearning/ Twitter“ (und liefert noch einige weitere Randnotizen). Das lasse ich gerne so stehen. Mein Resümee: Ich werde auch nächstes Jahr wiederkommen, denn die LEARNTEC ist für mich nach wie vor der Treffpunkt im Jahr, um liebgewonnene Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen (weitere Eindrücke finden sich auf Twitter unter #learntec).

Freitag und Samstag dann mein erstes EduCamp in Hamburg. Ich wollte, nach vier verpassten Veranstaltungen, dieses Mal unbedingt dabei sein, also habe ich unmittelbar im Anschluss an die LEARNTEC die Koffer noch einmal gepackt. Vorneweg: Das EduCamp war eine kurzweilige, mit viel Liebe und Engagement organisierte Veranstaltung, die mir viel Spass und viele Anregungen gebracht hat. Ich will kurz die Besonderheiten festhalten, die das EduCamp aus meiner Sicht von Veranstaltungen wie z.B. die LEARNTEC unterscheidet:

– Das EduCamp ist eine sehr intensive Veranstaltung, die schon weit vor dem Treffen in Hamburg begann, parallel im virtuellen Raum weitergeführt wurde (Twitter) und bis heute, lebhaft, reflektierend und streitlustig, aufgearbeitet wird. Das geht mit einem starken „Wir“-Gefühl der Teilnehmer einher, sehr spontan, emotional, aktionsbezogen, zuweilen ausgrenzend.
– Das EduCamp ist eine Veranstaltung, die thematisch offen ist und bis zum Morgen des jeweiligen Veranstaltungstages jedem Teilnehmer die Chance eröffnet, ein Thema vorzuschlagen und mit anderen zu diskutieren (hier z.B. die Sessionpläne aus Hamburg). Sehr offen, sehr informell, mit der Möglichkeit, viele Eindrücke in kurzer Zeit zu gewinnen.
– Im Moment sind die EduCamps noch sehr hochschulbezogen. Das betrifft den Veranstaltungsort, die Teilnehmer und die Themen. Vielleicht muss das sogar so sein, weil nur unter diesen Rahmenbedingungen die Freiheiten eines offenen Diskurses möglich sind, die ich gerade geschildert habe. Vielleicht könnte es aber auch ein Ziel sein, die Veranstaltung stärker an andere Zielgruppen heranzutragen und diese einzubinden.
Es ist unmöglich, auf alle Beiträge zum EduCamp im Netz hinzuweisen. Wer etwas Zeit hat, findet bei Helge Städtler Links zu einigen Blogs und dann natürlich Twitter …

Was mich bei allen Veranstaltungen dieser letzten Woche immer wieder überrascht, sind die Fragen nach den Inhalten und Themen, die „laufen“. Oder die Diskussionen über „top down“- oder „bottom up“-Strukturen. Das ist nicht mein Fokus. Ich möchte auf allen Veranstaltungen Menschen treffen, die ich noch nicht oder nur aus dem Netz kenne. Um mich auszutauschen und Gemeinsamkeiten auszuloten, die vielleicht am nächsten Tag, in der Regel aber erst nach Wochen und Monaten wieder aufgenommen werden, und manchmal nie mehr. Von daher ergänzten sich die Orte dieser Woche, Zürich, Karlsruhe und Hamburg, wunderbar.

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5 Responses to “Banking 2.0, LEARNTEC und EduCamp (2)”

  1. Banking 2.0, LEARNTEC und EduCamp (2) | weiterbildungsblog

    […] Die drei Veranstaltungen, an denen ich letzte Woche teilgenommen habe, hätten kaum unterschiedlicher sein können. Der Reihe nach: Am Montag gab es einen Workshop in Zürich zum Thema “Banking 2.0 – Lernen mit Social Software”, veranstaltet von der Uni Zürich und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Teilnehmer kamen aus Schweizer Banken und Finanzdienstleistern, es gab etwas Input (u.a. Deutsche Bank Research und centrestage) vorneweg und dann haben wir uns in kleineren Runden am Verhältnis der Banken zum Web 2.0 „abgearbeitet”. Durchaus ergebnisoffen, denn das wachsende Interesse am Thema stößt immer wieder an bekannte strukturelle und organisatorische Grenzen. Matthias Rohs spricht in seiner Nachbetrachtung auch von einem „Spannungsverhältnis” zwischen Befürwortern und Gegnern (weitere ausführliche Informationen zur Veranstaltung bei Martina Göhring). Den originalen Beitrag finden Sie hier http://www.weiterbildungsbl … | jrobes […]

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