Moodle und Web 2.0: Diskurs Ralf Hilgenstock - Peter Baumgartner

Posted on 19 December 2009 by jrobes

Wie steht Moodle als Lernplattform eigentlich zum Web 2.0? Ist das Ganze nicht ein Widerspruch? Das Web 2.0, wie wir es nutzen und schätzen gelernt haben, so Peter Baumgartner, ist ein offener Raum, in dem wir Menschen mit gleichen Interessen und Vorlieben begegnen können, die wir heute noch nicht kennen. Web 2.0 in diesem Sinne kann eine Lernplattform nicht abbilden. Will sie auch gar nicht, entgegnet Ralf Hilgenstock. Eine Lernplattform ist ein geschlossener, geschützter Raum, eine Umgebung, in der sich Lehrende und Lernende treffen. Hier wird nicht Web 2.0 gespielt, sondern es werden Web 2.0-Instrumente wie Wikis, Blogs und RSS-Feeds in konkreten Lernszenarien eingesetzt.

Im Grunde genommen geht es in der Diskussion nicht um Moodle und Web 2.0, sondern um Praxiserfahrungen. Irgendwann muss der Schüler, muss der Student, der Lernende “raus”. Früher nannte man es Praktikum, heute ist das Netz ein Praktikumsplatz. Die ersten Schritte können noch in Lernräumen erprobt werden, die mit Hilfe von Moodle und dort integrierten Instrumenten gestaltet werden. Doch irgendwann geht es nicht mehr um Moodle, sondern Lehrende und Lerner verabreden sich im Web, drehen ein Video und veröffentlichen es auf YouTube, schreiben gemeinsam einen Wikipedia-Eintrag und warten gespannt auf die Reaktion der Community, testen das Publizieren eines Blogs, usw. Hier verwaltet Moodle vielleicht noch den Kurs und stellt Räume der Reflektion zur Verfügung, aber die neuen sozialen Kompetenzen werden im Netz erworben.
Ralf Hilgenstock, Moodle-Blog, 19. Dezember 2009

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2 Comments For This Post

  1. Lisa Rosa Says:

    Wieso erst irgendwann? Lernende und Lehrende werden zukünftig gleich auf “geschützte Räume” verzichten können. Auch Grundschüler können schon im Netz surfen und in netzöffentlichen Blogs schreiben - eigenen und fremden. Der “geschützte Raum” ist immer der vom User gestaltete Raum (welche Nachrichten mache ich welcher Öffentlichkeit sichtbar? in facebook beispielsweise). Die sogen. Lernplattformen sind keine Schutzräume sondern Kontroll- und Bevormundungsräume in der Logik des Bildungssystems aus der Buchgesellschaft.

  2. Maik Riecken Says:

    “Kontroll- und Bevormundungsräume” - darin ist ja eine deutliche Wertung enthalten und der Standpunkt, dass geschlossene Setups im modernen Lernprozess nichts zu suchen haben.

    “Der ‘geschützte Raum’ ist immer der vom User gestaltete Raum” - das halte ich persönlich als Techniker für einen Glauben, ebenso wie die Kontrollierbarkeit der eingespeisten Daten in Facebook (es ist nicht der Raum das Users, es ist ein Raum innerhalb einer technischen Infrastruktur, die der Durchschnittsnutzer nicht versteht).

    Ich habe das hier einmal exemplarisch für eine Funktion gezeigt:
    http://riecken.de/index.php/2009/12/das-macht-facebook-nicht/

    Schon im Chemielabor musste man nicht unbedingt auf seine eigene Experimentiererei aufpassen - es spritzte oft genug vom Nachbartisch zu einem herüber. Was ich Dritten zugänglich mache, können diese Dritten weiterveröffentlichen. Und ich kann diverse Beispiele aus unserer lokalen Community anführen, die auch die meisten Web2.0-affinen Menschen als suboptimal empfinden werden.
    Kontrolle entsteht für mich erst durch Kompetenz und Erfahrungen - nicht im Vertrauen auf “Profileinstellungen”. Mir ist es lieber, dass z:B. ein Grundschüler auf meiner geschlossenen Plattform angegangen/beleidigt wird (oder andere Erfahrungen macht) als öffentlich im Netz. Das eine kann ich thematisieren und deckeln, das andere nicht. Ich könnte weitere Beispiele nennen. Und es spricht für mich nichts dagegen auch mit Grundschülern in einem zweiten Schritt bevormundend oder verantwortungsvoll (je nach Standpunkt) zu überdenken, was man davon dann veröffentlichen kann. Das ist z.B. der Ansatz von Mahara.

    Ich kann nicht mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu meiner Meinung dienen. Ich kann nur aus meinen Erfahrungen heraus sprechen. Meine Erfahrung sagt mir, dass es erlaubt sein darf und gut sein kann, in geschlossenen Räumen Unterricht durchzuführen. Meine Erfahrung sagt mir, dass ich deinen Standpunkt auch sehr schnell mit Stereotypen bedienen könnte. Meine Erfahrung sagt mir, dass das der Sache nicht dient. Genau deswegen gibt es in Deutschland z.B. eine Ideologisierung der Gesamtschuldebatte, die bestimmt mehr schadet als nützt. Diesen Fehler sollten wir nicht machen. Ich glaube nicht, dass mein Rezept “das Richtige” ist. Und ich glaube an Pluralität als Korrektiv in diesem Bildungswald aus Subjektivismus.

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