Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Editorial zum WissensWert Blog Carnival Nr. 5

Anfang Juni habe ich im Rahmen unseres WissensWert Blog Carnivals die Frage: „Warum twitterst Du eigentlich?“ in die Runde geworfen. 32 Rückmeldungen (!) sind eingetroffen, die ich an dieser Stelle kurz zusammenfassen will. Vorneweg: Vielen Twitter-Nutzern scheint es wie mir zu gehen: Man ist neugierig auf Twitter, macht mit, ohne aber genau Rechenschaft über das „Warum“ ablegen zu können. Diese Neugierde ist häufig verbunden mit dem Gefühl, über eine Sache nur reden und urteilen zu können, wenn man sich zumindest einmal auf sie eingelassen hat. Warum wird also getwittert? Ich habe drei Gründe gezählt (und unzählige kleine Motive und Antreiber …):

1. Sich informieren. Oder: „Twittern ist beinahe wie Zeitung lesen“
Twitter wird von vielen als ein neuer, spannender Informationskanal beschrieben. Die Vorteile dieses Kanals:
– er ist aktuell: die Nachrichten treffen in Echtzeit und im Minutentakt ein
– er ist persönlich und personalisierbar: ich folge Menschen, die mich interessieren; und die Nachrichten sind authentischer
– er lässt an Meinungen, Stimmungen und Trends teilhaben
– er ist beiläufig: es ist immer nur ein zufälliger Ausschnitt, den ich wahrnehme, und ich weiß das
– er ist (fast) überall zugänglich: ob Rechner oder iPhone, wenn ich online bin, bin ich dabei

2. Wissen teilen. Oder: „Weil ich in die offene Weite eine Frage eintippen kann und tatsächlich schon umgehend Antworten erhalten habe“
Viele Blogger nutzen Twitter aktiv – als zusätzlichen Kanal für die ganz kurzen, alltäglichen, privateren Nachrichten. Viele ziehen Twitter dem Bloggen vor, weil 140 Zeichen eine angenehme und willkommene Beschränkung sind. Twitter ist praktisch, denn „140 Zeichen sind einfach nicht viel, das zu schreiben dauert nicht lange …“ Twitter als Instant Messaging.

Das Teilen von Informationen und Wissen kann durchaus eine strategische Seite haben. Einige Autoren berichten davon, wie sie Twitter nutzen, um auf ihre Blogposts oder kommerzielle Dienstleistungen aufmerksam zu machen; andere haben verschiedene Accounts eingerichtet, um Informationen gezielter veröffentlichen zu können; man besetzt Hashtags, um interessante Themen, Veranstaltungen und Events zu steuern.

Aber Twitter hat auch die andere, alltägliche Seite. Vor allem Power-User berichten davon, dass sie regelmäßig kurze Fragen in das Twitterverse rufen und oft schnelle, hilfreiche Antworten erhalten. Fragen wie z.B. „Wer hat bereits Erfahrungen mit xy gemacht?“ Twitter ist direkt, informell und spricht einen großen Kreis an, ohne zu verpflichten.

3. Networking. Oder: „Weil Leute, die mich interessieren, es tun und ich die da antreffe“
Followers und following – Twitter ist im Kern ein Networking-Tool. In vielen Beiträgen wird deshalb betont, dass man in Twitter auf einfache Weise mit den Menschen, die man kennt, verbunden ist. Aber auch ganz bewusst mit den Menschen, die man noch nicht so gut kennt, den „weak ties“. Von daher halten viele auch das Nebeneinander von Banalem und Sinnvollem ganz bewusst und gerne aus. Die Rede ist auch von „Schaulust“ und „Voyeurismus“.

Das Networking via Twitter kann dann im Rahmen von Konferenzen oder Barcamps unmittelbar greifbar werden. Features wie Retweets und Konventionen wie Hashtags unterstützen den Kommunikationsfluss innerhalb der verschiedenen Twitter-Communities.

Eine letzte Anmerkung: Die meisten Twitter-Nutzer haben im Rahmen des WissensWert Blog Carnivals aus ihrer persönlichen Perspektive geantwortet. Nur wenige erzählen von konkreten Zielen, die sie via Twitter erreichen wollen. Auf den Einsatz von Twitter in Lehr- und Lernveranstaltungen an Hochschulen wird zweimal hingewiesen; ein Schreiber erwähnt das Potential von Microblogging für Unternehmen. Das sind sicher spannende Stichworte für die nächste Runde zum Thema! Und, außerhalb der Reihe, ein letzter, guter Grund zu twittern:

4. Spass haben. Oder: „Um es ganz kurz zu fassen, weil ich mich wohlfühle. Manchmal sogar wie eine Nachtigall …“

Verwandte Beiträge

7 Responses to “Editorial zum WissensWert Blog Carnival Nr. 5”

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS