Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Erfolgsmessung im Wissensmanagement

… wirft ein XING-Mitglied im Forum „Knowledge Management Benchmarking – Wer sind die Besten?“ in die Runde und bittet um Antworten. Die auch erfolgen: „ein nicht einfaches Thema“, schreibt der eine, „große (unüberwindbare!?) Herausforderung“ ein anderer. Ist das so? Ich glaube, dass man einen einfachen und naheliegenden Weg viel zu selten nutzt. Denn die meisten Wissensmanagement-Maßnahmen erfolgen ja, um die Produktivität von Wissensarbeitern zu erhöhen: Dinge sollen schneller, effektiver, zielführender als gestern erledigt werden. Von daher ist es eigentlich ein naheliegender Schritt, nach einer definierten Praxisphase diese Mitarbeiter zu fragen, wieviel Zeit sie durch die Nutzung des neuen Angebots (bzw. des neuen Systems oder neuen Prozesses) eingespart haben. Und wem das nicht genügt, der multipliziert die (hoffentlich) gewonnene Zeit mit dem für die Zielgruppe durchschnittlichen Tagessatz. Diese Form der Erfolgsmessung ist pragmatisch und nutzerorientiert.

Hinzu kommt: Die betriebswirtschaftliche Suche nach messbaren Effekten geht häufig von der Annahme aus, dass es sich bei Wissensarbeit um wiederkehrende und vergleichbare Arbeitsabläufe handelt. Doch wenn ich einmal von einzelnen Routinetätigkeiten (Call-Center sind da ein beliebtes Beispiel) absehe, macht diese Annahme immer weniger Sinn. Im Gegenteil, Tätigkeiten wie „eine Präsentation erstellen“ oder „ein Angebot schreiben“ oder „ein Konzept entwickeln“ sind individuell und selten vergleichbar. Auch ein Grund, es dem Urteil der Mitarbeiter zu überlassen, den Erfolg einer Wissensmanagement-Maßnahme einzuschätzen. Was Plausibilitätskontrollen selbstverständlich einschließt!
Verschiedene Autoren, XING, Gruppe „Knowledge Management“, 23 September 2008

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4 Responses to “Erfolgsmessung im Wissensmanagement”

  1. Boris Jäger

    Herr Robes, danke für den Hinweis auf unsere Gruppe! Die Aussage „große Herausforderung“ habe ich der aktuellen Studie zum WM im deutschsprachigen Europa entnommen. Unüberwindbar habe ich mit Ausrufe- und Fragezeichen hinzugefügt, weil die WM-Bewertung schon vor mehr als 10 Jahren als Herausforderung (größte Schwierigkeit) galt (s. Probst et al, Wissen managen, 1997: 318). Auch habe ich, nicht ganz unsarkastisch und vielleicht deshalb missverständlich, auf die Möglichkeit der intuitiven Bewertung von WM hingewiesen. Dies dürfte dann mit Ihren benutzerorientierten Bewertungsvorschlag in etwa einhergehen. – Schöne Grüsse

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  2. Jochen Robes

    Danke für die ergänzenden Hinweise, Herr Jäger! Und auch dafür, dass Sie den Kreis zur XING-Gruppe geschlossen haben! Ich bin leider nicht sehr „systematisch“, wenn es darum geht, wo ich etwas niederschreibe.
    Beste Grüße aus Frankfurt, JR

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  3. Beutel

    Ein Nachteil von Mitarbeiterbefragungen zwecks Erfolgsbewertung ist allerdings dass die Befragten zumindest in größeren Organisationen oft nicht über den wünschenswerten Überblick und, nunja, Wissen verfügen um ein qualfzertes Urteil abzugeben. Viele Informationen werden erst dann zu Wissen wenn man sie, so unmodern das auch klingt, entlag der Linie aggregiert.

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