Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Web 0.0. Die neuen Idiotae

Irgend jemand hat offensichtlich das Gerücht in die Welt gesetzt, Web 2.0 und user-generated content seien die Antworten auf die letzten offenen Fragen! Das muss jedenfalls bei Bernd Graff angekommen sein, der sich, wie vor ihm schon unlängst Frank Schirrmacher und Michael Konken, sofort auf rückhaltlose Spurensuche begeben hat. Zurück am heimischen Herd der Süddeutschen wusste er Überraschendes von Bloggern und Wikipedianern zu berichten:
„Sie zerfleddern – wie es gerne auch wir Zeitungsmenschen tun – jedes Thema. Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt. Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.“

Ja, so sind sie, die User, schreiben, bloggen, podcasten einfach drauflos und nehmen keine Rücksicht auf unvorbelastete Leser, die sie prompt mit Wallraff, Kisch und Grass verwechseln! Entwarnung also für die Qualitätsjournalisten und Medienwächter! Und hoffen wir, dass ihr Denken und ihre Geschäftsmodelle weiterhin dem Ansturm der Massen widerstehen!
Bernd Graff, sueddeutsche.de, 7 Dezember 2007

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5 Responses to “Web 0.0. Die neuen Idiotae”

  1. Helge Staedtler

    Na das hört sich ja fast nach einer Ablösung für die „Klowände des Netzes“ an. Irgendwann erwischt es wohl jeden mal in der guten alten Dead Tree Media-Welt. Vielleicht sollte er sich die Blogs mal ausdrucken auf Papier, vielleicht schauts dann harmloser aus… 😉

    Oder mal versuchen sich in „2.0“ reinzudenken, statt es im Handstreich als Klowand 2.0 (huch, das wäre ja schon zuviel Lob) zu labeln. Zum beispiel hier:

    Na das hört sich ja fast nach einer Ablösung für die „Klowände des Netzes“ an. Irgendwann erwischt es wohl jeden mal in der guten alten Dead Tree Media-Welt. Vielleicht sollte er sich die Blogs mal ausdrucken auf Papier, vielleicht schauts dann harmloser aus… 😉

    Oder mal versuchen sich in „2.0“ reinzudenken, statt es im Handstreich als Klowand 2.0 (huch, das wäre ja schon zuviel Lob) zu labeln.

    Zum Beispiel hier:
    http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=235

    Spass am Wandel sag ich da nur… 🙂

    Antworten
  2. Helge Staedtler

    Ich muss mich korrigieren, Herr Graff hätte es fast geschafft… aber nur fast: Das erste virale Marketing der Sueddeutschen Zeitung erfolgreich zu verbreiten. Erwischt! 🙂

    Offenbar hat er die Lage ja richtig eingeschätzt, Zitat: „Die Me-Volution ist in vollem Gange“ – dem ist ja nichts hinzuzufügen.

    …und für Qualität gilt sicher sowohl im Print als auch im Netz die linksschiefe Verteilung des Long Tail.

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  3. Lore Reß

    Da sollte sich Herr Graff doch einfach mal mit Andrew Keen zusammentun, dann können die beiden sich Schulter an Schulter ausweinen. Der hat es immerhin zu einer Keynote auf der Online Educa geschafft. Interview mit A. Keen in dem aktuellen Heft managerseminare und hier zum Buch http://ajkeen.com/e.htm .

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  4. Gabi Reinmann

    Was man dem armen Mann wohl angetan hat, dass er so erbost ist? Mag ja sein, das er mit manchen Sätzen recht hat. Wer aber in seinem eigenen Text derart „schreit“ (und man hört ihn ja förmlich aus den Zeilen schreien), der hat wohl ein Poblem besonderer Art.

    Gabi

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