Seit mehreren Monaten ist ein Fachteam der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) dabei, das GfWM-Wissensmanagement-Modell zu entwickeln. Jetzt liegt die Version 1.0 vor. Eine kurze Slideshow verdeutlicht, in welchem Kontext das Modell zu sehen ist: es soll kompatibel mit einer Reihe bestehender Modelle sein, von ISO 9000:2000 bis zur Wissensbilanz made in Germany.
Ich bin nicht ganz glücklich mit diesem Modell, weil es sehr statisch und geschlossen wirkt, das heißt: vor allem auf die organisationsinternen Entwicklungsprozesse fokussiert. Umwelt, Lieferanten und Kunden bilden die Rahmenbedingungen bzw. stehen am Anfang und Ende der Produktentwicklung. Ich denke, dieses Bild kann die Prozesse der Wissensökonomie nicht adäquat abbilden. Ob Web 2.0 oder Open Innovation, die Lernende Organisation befindet sich in einer permanenten Interaktion mit Kunden, Partnern und Experten, ist Teil verschiedener Netzwerke und Communities, und der hier stattfindende Austausch ist fester Bestandteil ihrer Entwicklungsprozesse.
Das GfWM-Wissensmanagement-Modell v1.0 ist, wenn ich nichts Wesentliches übersehen oder missverstanden habe, zeitlos. Dass wir uns in einem Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft befinden, dort vielleicht sogar schon angekommen sind, spiegelt sich in diesem Modell nicht wider. Aber es ist die erste Version und ich bin gespannt auf weitere Rückmeldungen! Simon Dückert, Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM), 12 Oktober 2007
[Kategorien: Knowledge Management]
Heiner Keupp, Sozialpsychologe an der Universität München, spricht von “Erschöpfung”. Zu viele Leuchttürme, zu viel Exzellenz und Elite, die Eintreibung von Drittmitteln als Qualitätskriterium der Wissenschaft, Rankings als wichtigstes Berufungskriterium und schließlich Bologna als Krönung und Höhepunkt gleichermaßen. Keupp spricht Klartext: Es geht um “die endgültige Abtretung der Hochschule an den Markt” und die Auslieferung “ihrer kritisch-reflexiven Restbestände an Autonomie”. Wer ausgewogene Kost bevorzugt, sollte diesen Link meiden. Heiner Keupp, Blätter für deutsche und internationale Politik, 10/2007
[Kategorien: Weiterbildung allgemein]
Von 2000 bis 2004 hat das BMBF im Rahmen des Programms “Neue Medien in der Bildung” die Entwicklung und Erprobung neuer elektronischer Lernmedien mit rund 220 Millionen Euro gefördert. 18 der geförderten Projekte fielen dabei in den Bereich der beruflichen Bildung und werden in diesem Dokument vorgestellt. Kurze Interviews leiten einzelne Kapitel ein: Gerhard Zimmer (Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg) betont dabei die Bedeutung der Aufgabenorientierung didaktischer Konzepte und hebt exemplarisch das Konzept APO-IT (arbeitsprozessorientierte IT-Weiterbildung) hervor. Irmhild Rogalla (Fraunhofer ISST, Berlin) nimmt das Beispiel auf um zu ergänzen, dass das Wesen dieses Prozesses vor allem darin liegt, “Menschen in ihrem Lernen zu begleiten”. Und Volker Hirsche (CSC, Wiesbaden) möchte “Weiterbildung” und “Training” gerne durch “Lernen” ersetzen. Insgesamt ein guter, branchenübergreifender Überblick. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bonn/ Berlin 2007 (pdf)
[Kategorien: e-learning]
Ein Versuch, das neue Zeitalter auf einen Begriff zu bringen, der über Versionszählungen des Internet hinausgeht. Vom “Knowledge Worker” zum “Web Worker”, von Microsoft zu Google, das “information age” selbst als Ausläufer des industriellen Zeitalters. Das erinnert mich daran, bei Zeiten noch einmal bei Daniel Pink (”A Whole New Mind. Moving from the Information Age to the Conceptual Age”) vorbeizuschauen - oder mir endlich das Podcast-Interview anzuhören, das Elliott Masie vor einigen Tagen mit ihm geführt hat. Anne Zelenka, GigaOM, 6 Oktober 2007
Thomas Davenport ist ein renommierter Knowledge Management-Experte (immerhin mit eigenem Kanal auf Harvard Business Online). Schon in seinem Buch “Thinking for a Living”, das 2005 erschienen ist, geht er kurz auf Weblogs ein und äußert seine Zweifel an ihrer Relevanz für Unternehmen. “Perhaps the biggest problem for blogging is the time it takes to read and write blogs. If anything this tool has detracted from productivity, not increased it.”
Vor einigen Wochen hat er - inzwischen selbst aktiv bloggend - dieses Argument wiederholt: “That Enterprise 2.0 technologies produce too much content for their own good. Blogs in particular […] take too much time and attention to read, so inevitably most of them will be wasted on the world.” (”A Bull in the Enterprise 2.0 China Shop”)
Die Argumente von Davenport sind nicht schlüssig und konsequent, und darauf weist auch Tony Karrer hin: So betont Davenport an vielen Stellen den Wert des “Social Networking” für Wissensarbeiter, blendet aber diese Verbindung bei seinen Anmerkungen zu Blogs gerne aus. Und, zum zweiten, ob etwas Zeit kostet oder spart, ist bekanntermaßen eine relative Größe, wenn man z.B. nur an die Art und Weise denkt, wie wir Emails nutzen.
Trotzdem ist am “Zeitproblem” natürlich etwas dran! Hochschullehrer, die engagiert die Web 2.0-Möglichkeiten in ihre Seminarkonzepte einbauen und darüber berichten, sagen nie, dass sie Zeit “gespart” haben, im Gegenteil! Und Personalentwickler und Bildungsmanager würden häufig gerne ambitionierte Community-Projekte starten, wenn sie nur wüßten wann (und manchmal auch wie!). Das sagt viel über Jobprofile und Prioritäten, aber wenig über die Vorteile und Nachteile von Weblogs! Tony Karrer, eLearning Technology, 6 Oktober 2007
Dieser Aufsatz ist in einer Festschrift erschienen, die Rolf Schulmeister, dem “‘Altmeister’ des E-Learning” (StudienVerlag), gewidmet ist. Peter Baumgartner, einer der beiden Herausgeber, behandelt hier das komplexe Thema der Wiederverwendung von Lerninhalten. Es geht um eine alte Idee, die im Zeitalter der Digitalisierung und des e-Learning schnell wieder auf die Tagesordnung kam: Kann ich nicht Zeit und Kosten sparen, indem ich einmal entwickelte Lerninhalte wiederverwende? Wie müssen solche wiederverwendbaren Lerninhalte gestaltet sein? Und: Was sind eigentlich Lerninhalte?
Peter Baumgartner rollt diese Fragen neu auf. Sein Argument: Bisher wurde zuviel über Lerninhalte und Lernobjekte nachgedacht, während die didaktische Seite des Lernprozesses vernachlässigt wurde. Eine Konsequenz dieser Einschränkung ist es, dass im Zusammenhang mit der Wiederverwendung von Inhalten vor allem ihre Vermittlung im Vordergrund steht, seltener ihre aktive Aneignung durch die Lernenden. Lernprozesse werden implizit auf darstellende Lehrformen reduziert.
Ich hatte mir wohl die falsche Zeit aufgeschrieben, so dass ich zuerst einige Minuten auf ein schwarzes Videofenster starrte. Irgendwann, ich war längst zu anderen Arbeiten zurückgekehrt, erwachte auf einmal mein Audiokanal und ich konnte noch rechtzeitig in die Pressekonferenz zum LEARNTEC Forum Schweiz einsteigen. Thema dieses Online-Events war die Präsentation einer Studie, die LEARNTEC und SCIL (Swiss Centre for Innovations in Learning) jüngst durchgeführt haben. 70 Bildungsmanager in deutschen und Schweizer Unternehmen wurden zu diesem Zweck befragt.
Was setzen Bildungsmanager nun an die erste Stelle auf ihrer Dringlichkeitsagenda? Die stärkere Verzahnung von Weiterbildung und Praxis (genauer: “Bildungsmaßnahmen transferförderlich zu gestalten”). 39 weitere Aufgaben folgen. Als ich bereits kurz davor war, für die Unterlage eine geeignete Ablage zu suchen, präsentierte Sabine Seufert (SCIL) plötzlich eine andere Darstellung der Ergebnisse (siehe Grafik). Wunderbar! Auf einer Seite alle Highlights der Trendstudie: nicht nur die dringlichsten Aufgaben (die Blitze), sondern auch die unsicheren Kandidaten (die Fragezeichen)!
Nur eine kurze inhaltliche Anmerkung: Bei einigen Punkten, wie z.B. “Wissensaustausch des Unternehmens mit der internen/ externen Umwelt erhöhen”, darf man annehmen, dass die befragten Bildungsmanager sie schlicht noch nicht auf dem Radar haben; andere Punkte werden von den Autoren nur eingeschränkt angesprochen, z.B. “Wikis zur Unterstützung von Bildungsveranstaltungen nutzen” (warum nicht “Wikis zum Erfahrungsaustausch nutzen”?). Hier könnte ich mir ein “offensiveres” Vorgehen vorstellen - ob der Begriff “Wissensmanagement” nun fällt oder nicht. LEARNTEC, 5 Oktober 2007
[Kategorien: Trends in der Weiterbildung]
Der Titel verspricht mehr, als der Artikel halten kann. Auch in der Einleitung ist noch die Rede von “new approaches” und die Beschreibung der “new learning organization characteristics” lässt aufhorchen: “New learning organizations will emphasize on-demand, informal learning, which helps employees reach the level of expert faster and stay engaged over time. On-demand content, job aids, performance support tools, communities of practice, and coaching programs will be among the primary offerings.”
Die Beispiele jedoch, von denen drei Training Executives anschließend berichten dürfen, sind sicher anspruchsvoll und interessant, aber eine “new learning organization” konnte ich nicht entdecken. Josh Bersin, T+D, September 2007 (pdf)
Die Artikel der aktuellen Ausgabe von Innovate“provide readers with a survey of technology-enhanced proposals and initiatives in a diverse range of contexts”. Man könnte vielleicht auch sagen: eine Reihe spezieller Momentaufnahmen. Also habe ich mich gleich zur Rubrik von Stephen Downes begeben, der hier ausführlich das Social Networking-Angebot von Facebook vorstellt und zugleich dessen Entwicklung und Erfolg nachzeichnet. Interessant sind die Herausforderungen, die Downes aufzählt: Da ist der Vorwurf, Facebook sei ein “walled garden”, der zwar Informationen aufnimmt, aber nicht wieder hergibt. Da ist der Spagat zwischen “openness” und “privacy”. Da ist die Frage, was das Herzstück einer Lernumgebung ausmacht: die Community, wie von Facebook gelebt, oder der Content bzw. Kurs, wie von klassischen Learning Management Systemen bedient. Und genau das ist das Spannende dieser Kurzbeschreibung: dass Stephen Downes hier eine Community wie Facebook konsequent als Lernumgebung betrachtet!
“This is a dilemma that faces not only Facebook but educational applications in general. The closed nature of the learning management system is frequently defended on the ground that students need a safe environment where they can experiment without consequences. But at the same time, students may be more motivated to do well when they are required to present their work in public or to participate in the wider professional community. Students need groups, but they also need networks.” Stephen Downes, Innovate, Vol. 4, Issue 1, Oktober/ November 2007
Was kann passieren, wenn Theorie und Praxis aufeinandertreffen? Zum Beispiel das Folgende: “However, the quite ambitious aim to “create” a number of Virtual Communities of Practice from scratch turned out to be even harder than envisaged. … Although the concept and the advantages of sharing knowledge in Virtual Communities of Practice may be quite clear to the researcher, SMEs in tourism, however, often were not able to see an actual advantage in such a community.”
Die Theorie konstatiert Bedarf, doch die Praxis will nicht so Recht! Dieses erfrischend ehrliche Eingeständnis findet sich in einem Artikel, der sich mit der Entwicklung von Virtual Communities in der Tourismus-Branche beschäftigt (”Soziale Software und die Etablierung virtueller „Communities of Practice” in der Tourismusbranche”).
Überhaupt sind Communities of Practice das Thema der aktuellen Ausgabe der elearning papers. Und das heißt natürlich immer wieder Zitate von und Verweise auf Etienne Wenger! Dazwischen Nützliches: Ein Artikel zählt Vorteile, Barrieren und Erfolgsfaktoren von CoPs und virtuellen Lerngemeinschaften auf. In einem anderen geht es um die Anforderungen, die CoPs an das Wissensmanagement stellen, nämlich: “… to formalize tacit knowledge, to archive mutual resources and to make them retrievable and reusable”(”Wissensmanagement in „Communities of Practice”: Bedarfsanalyse und Entwicklung von Diensten”).
Und dann die widerstrebende Tourismusbranche, in der, überraschenderweise (?), Konkurrenz über Zusammenarbeit siegt. Das erinnert mich an ein Zitat von Dave Snowden: “I was an observer in a debate recently on the question of whether a community of practice had to be self-organising, or if it could be directed. My own view is that communities can evolve, but cannot be designed top down.” Da ist Einiges dran! elearning Papers, Nr.5, 2007
Wenn man sich lange Zeit vor allem mit e-Learning, Wissensmanagement und neuen Bildungsmedien beschäftigt, macht es Sinn, regelmäßig die eigene Agenda auf ihre Aktualität und Relevanz zu überprüfen. Zum Beispiel, indem man sie mit dem Programm des 5. Fachkongresses des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) vergleicht. Zur Konferenz im September habe ich es leider nicht geschafft, aber es gibt ja die vorliegende Sondernummer der BWP.
Interessant ist hier vor allem der Hinweis auf das Forum 7, das sich dem “Lernkulturwandel” widmet. Folgende Thesen werden (u.a.) hervorgehoben: - “Dem Anspruch an eine zukunftsfähige Lernkultur wird das gegenwärtige Bildungssystem nicht gerecht.”
- “Prozessorientierung und Wissensmanagement in der Berufsbildung sind Merkmale einer sich verändernden Lehr- und Lernkultur.”
- “Neue Medien sind integraler Bestandteil einer neuen Lernkultur.”
- “Lernende werden zu ‚Lehrenden‘.”
Schade, da hätte man doch gerne mitdiskutiert! BWP (Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis), Sonderausgabe, August/ September 2007 (pdf)
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