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Write Articles, Not Blog Postings

Posted on 13 July 2007 by jrobes

An dieser Stelle muss ich Sie warnen: Hören Sie sofort auf zu lesen!! Die Gefahr, dass Sie einen schnell dahin geschriebenen Eintrag lesen, der Sie auf der Suche nach den großen Antworten nicht voran bringt, ist groß! Vielleicht wartet die Weisheit auf einem der Nachbarblogs? Können Sie mit dieser Ungewissheit leben? Oder wollen Sie nicht lieber auf Nummer sicher gehen und ihre kostbare Zeit einem Fachartikel widmen, bei dem Sie davon ausgehen können, dass sein Autor Zeit und Muße investiert hat, um Sie - und sich selbst (!) - voranzubringen?

Bevor Sie sich entscheiden, lesen Sie vielleicht noch diesen Artikel von Usability-Papst Jakob Nielsen. Sein Rat: “To demonstrate world-class expertise, avoid quickly written, shallow postings. Instead, invest your time in thorough, value-added content that attracts paying customers.” Jakob Nielsen bietet einige interessante statistische Experimente an, um seine Argumentation zu stützen. Meines Erachtens vergeblich, denn er stolpert an (mindestens) zwei Hürden:

1) Er nutzt eine Perspektive auf Qualität, mit der man jedes Format aushebeln kann. Mein Rat (nach Nielsen) lautet also kurz: “Write Books, Not Articles” Oder auch wahlweise: “Write Good Books/ Articles/ Blog Postings, Not Rubbish”.

2) Er betrachtet das Schreiben als Investment, als Business Case. Er zieht jedoch nicht in Erwägung, dass es auch andere Motive für das Schreiben geben kann. In der Argumentation von Nielsen scheitert nicht nur der Blogger, sondern auch der, der seine Zeit in Open Source- oder Open Educational Resources-Projekte steckt.

Das nur für den Fall, dass Sie meinem Rat der ersten Zeile nicht gefolgt sind. (via Alan Levine)
Jakob Nielsen, Jakob Nielsen’s Alertbox, 9 Juli 2007
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4 Comments For This Post

  1. Reinhard Völzke Says:

    sehr schön, herr robes,

    natürlich bloggt jeder von uns, um auch von anderen gelesen zu werden. aber, ehrlich gesagt, da mache ich mir nichts vor, dafür lohnt all der aufwand nun wirklich nicht. bei dem überangebot an lesebarem und der täglichen herausforderung, das “richtige” für den moment zu finden - was bedeutet da schon so ein kleines blog? (damit meine ich meins, nicht ihrs!)

    ich blogge immer auch über dinge, die ich mir selbst auf diese weise vertieft aneigne und merke, also als teil meines persönlichen wissensmanagements, etwas hochtrabend ausgedrückt. das hat eine ganz besondere qualität für mich, vor allem dann, wenn ich später etwas “nachschlagen” kann, egal wo ich gerade bin. irgendwie ist das auch ein investment, aber eines, das sich wohl für die meisten von uns nicht unmittelbar in barer münze auszahlt. aber in kontakten schon - besonders dann, wenn geteilte interessen vorliegen. darüber reflektiere ich ja gerade in der einen oder anderen form …

    jedenfalls vielen dank für den humoristisch angehauchten beitrag!

    .reinhard völzke

  2. Joachim Zischke Says:

    Ein Blog ist meist der schriftliche Ausdruck des subjektiven Blickwinkels des Autors. Zugleich bietet ein Blog mir die Gelegenheit des Austauschs, des Dialogs, indem ich meine Sicht der Dinge schildere und auf Reaktionen anderer hoffe. Ein Blog, insbesondere ein fachlich orientiertes Blog, bietet die Chance, Themen nicht streng wissenschaftlich oder fachchinesisch, sondern in einer natürlichsprachlichen Form zu vermitteln.

    Natürlich bedeutet Bloggen Aufwand, es ist eine Investition in Zeit und Geist, längerfristig vielleicht auch in Kontakte.

    Seit März dieses Jahres blogge ich, und ich stelle fest, dass ich mehr und mehr den Spass am Schreiben wiederfinde, meine Stilsicherheit zunimmt, gleichzeitig der Zeitaufwand des tatsächlichen Schreibens abnimmt, einfach weil ich durch die intensiven, regelmässigen Schreibübungen immer geübter werde.

    Hilfreich erscheint mir dabei meine Entscheidung zu sein, mich gleich von Anfang auf das Schreiben von Artikeln und weniger auf kurze, mehr im Telegrammstil gehaltenen Posts konzentriert zu haben. So denke ich aktuell über das Schreiben eines neuen Buches nach. Und das ist doch sicherlich ein positiver Aspekt des Bloggens -

  3. Gabi Reinmann Says:

    Hallo zusammen,

    einen Aufruf zu Gewissenhaftigkeit und guter Qualität kann man sicher unterstreichen. Die nachgeschobene Frage, ob sich das auch “auszahlt” und zwar im wörtlichen Sinne ist in zweifacher Hinsicht sinnlos: Zum einen verdienen vor allem Soziwlawissenschaftler (in Deutschland) fast nie einen erwähnenswerten Betrag mit dem, was sie schreiben, zum anderen schließe ich mich meinen Vorrednern an, dass man wahrscheinlich nur dann längerfristig bloggt, wenn man auch einen persönlicen Nutzen daraus zieht.

    Gabi

  4. Helge Staedtler Says:

    Auch noch ein paar Gedanken dazu von mir…

    Nielsen empfiehlt also:
    “To demonstrate world-class expertise, avoid quickly written, shallow postings. Instead, invest your time in thorough, value-added content that attracts paying customers.”

    Wer sagt denn, das es nur darum geht “world-class expertise” zu demonstrieren? Wer sagt, das der Zweck meines Blogs ist, “paying customers” anzuziehen?

    Von daher sehe ich das exakt so wie Jochen unter Punkt 1 und 2. Wenn man Nielsens Sicht auf die Blogosphäre mal in eine Metapher übersetzen würde, dann würde das z.B. so aussehen:

    Blogs sind wie das Strassennetz. Bitte, bitte, bitte, liebe Leute bewegt doch eure lustigen Vehikel im Strassenverkehr nur genau dann, wenn es absolut den höchsten (Geld-)wert bringt. Ansonsten bitte den PKW, Fahrrad, oder ähnliche Gefährte bitte in der Garage lassen.

    Also keine Fahrt mit dem PKW zu Freunden (rausgeschmissenes Geld), sondern stattdessen die Nutzung des PKW nur für die Fahrt zur Arbeit, oder zum Transport von Werten zum Marktplatz.

    Alles andere ist Zeitverschwendung, Geldverschwendung! Demnach empfiehlt Herr Nielsen denn auch folgerichtig: “[…] this expert asked me whether he should start a weblog. I said no.”

    Klar, oder? Nielsens Internetstrategie ist ja nach eigener Aussage: “I simply tell the truth as I see it […]”. Nun, das ist auch genau meine Strategie für dieses Antwortposting. ;-)

About me

Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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