Archive | November, 2006

Die neue Offenheit des Wissens

Posted on 10 November 2006 by jrobes


Viermal im Jahr liegt ein Wissenschaftsmagazin in unserem Briefkasten, die MaxPlanckForschung. In der Regel überfordern mich die meisten Beiträge und ich überfliege sie nur, doch dieses Mal war “Information” das Titelthema. Okay, die Beiträge über die Steuermechanismen im Fliegenhirn sowie die Quantenkryptografie habe ich aus Selbstschutz übersprungen, um dann beim Stichwort “Open Access” hängen zu bleiben. Interessant ist hier, dass das Thema am konkreten Beispiel einer Online-Zeitschrift, der Atmospheric Chemistry and Physics, diskutiert wird. Vor allem das dort etablierte Begutachtungsverfahren (Peer Review) wird ausführlich beschrieben (siehe Grafik; zum Betrachten anklicken).

Alle Seiten, die im Artikel zu Wort kommen, bestätigen, dass sich Open Access durchsetzen wird; zu offensichtlich sind die Vorteile. Offen ist allenfalls, welche Dienstleistungen die Fachverlage zukünftig anbieten werden. Dazu passt, was gestern an anderer Stelle über die “Krise der geisteswissenschaftlichen Fachverlage” zu lesen war: Verlage seien “in der engeren wissenschaftlichen Kommunikation überflüssig geworden”, heißt es dort in einem der letzten Absätze lapidar (Zitat von Georg Jäger, Frankfurter Rundschau v. 9.11.2006).
Ina Helms, MaxPlanckForschung, 3/2006
[Kategorien: Zukunft des Internet, Open Access/ Open Content]

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Student’s Attitudes towards the Hypermedia Learning Environment “Physics for Medical Students”

Posted on 10 November 2006 by jrobes

An der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf können Medizinstudenten wählen, ob sie an herkömmlichen Praktikumsversuchen teilnehmen, oder ob sie die gleichen Inhalte mit Hilfe einer hypermedialen Lernumgebung (HML) bearbeiten. Die Studierenden zwei weiterer Universitäten können ebenfalls auf diese HML zugreifen. In zwei aufeinander folgenden Befragungen hat die Autorin die Einstellungen der Studierenden zur Arbeit mit der HML untersucht.

“Overall, the students expressed a positive if differentiated attitude towards the HML. They appreciated the flexibility and individuality that the work with the HML offered, and they made use of the opportunity to work at home and at any time they liked. … However, they criticized social aspects such as the remote tutor and a lack of teamwork which resulted from the frequent choice of individual homework. The self-determined learning and the lack of hands-on activities received ambivalent ratings depending on the different types of learners.”
Heike Theyßen, European Journal of Open, Distance and E-Learning (EURODL), 2 November 2006
[Kategorien: e-learning]

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eUniversity - Update Bologna

Posted on 09 November 2006 by jrobes

Eine Konferenz im Bundeshaus, Vorträge im Plenarsaal des Bundestages – das macht schon was her! Und es gab kaum einen Redner, der sich nicht beeindruckt zeigte. Über 500 Teilnehmer, strahlendes Wetter, beste Rahmenbedingungen also. Was habe ich, als Zaungast sozusagen, mitgenommen?Die Hochschulen haben es derzeit nicht leicht: Während e-Learning, das Stichwort vergangener Konferenzen, noch als primär didaktische Herausforderung begriffen werden konnte, angereichert mit einem Schuss “Change Management”, geht es heute ums Ganze. Man steckt mitten drin in Strukturreformen, in Bologna, und als ob das nicht schon genug wäre, muss man sich auch noch permanent mit dem Vorbild USA und den keine Ruhe gebenden OECD-Statistiken auseinandersetzen. Die Zeit drängt, die Zahl der Studierenden steigt weiter, das finanzielle Korsett bleibt eng, neue Märkte und Zielgruppen müssen trotzdem erobert werden.

Von daher ist es sicher gut und richtig, die “e”-Themen auch einmal kleiner zu schreiben. Was auch alle Sprecher des ersten Tages taten: Jörg Dräger, Hamburger Senator, in seinem Grußwort etwas weniger: er zeigte noch einmal sehr schön die Stationen auf, die die Hansestadt seit 2001 gegangen ist: von e-Learning, über den eCampus bis zur eUniversity. Aber schon Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin, zeichnete das große Bild. Er ließ sich auch von seinen eigenen präsentationsuntauglichen Folien nicht aufhalten, bot anschauliches Material und eigene Erfahrungen zum amerikanischen Hochschulwesen, nannte Zahlen, verglich die FU Berlin und erzählte, was man dort trotzdem losgetreten hatte. Beeindruckend und informativ!

Thomas Hoeren, Münster, hat mich dann - unerwarteterweise – prächtig unterhalten. Dabei ging es um Juristisches, um rechtliche Konsequenzen des digitalen Campus-Managements, Datenschutz, Mitbestimmung, DRM, Beweiswertproblematik, usw., aber sein ironischer Stakkato-Vortrag präsentierte das Thema leicht verdaulich. Und solange man nicht selbst davon betroffen ist … Abdul Waheed Khan von der UNESCO dagegen bestätigte nur Altbekanntes.

Abschließend ging es dann noch in einem Workshop zur Sache, die “Web 2.0″ hieß. Zuerst gab Thorsten Hampel, Paderborn, einen kurzen Überblick. Nichts Neues, aber einige interessante Pointierungen, wie z.B. die Bezeichnung des Übergang vom traditionellen zum E-Learning 2.0 als Übergang vom “Autorensystem zum ko-aktiv genutzten Lernraum” (Abstract). Gabi Reinmann, Augsburg, versuchte, das Nicht-zu-Vereinbarende, Bologna und Web 2.0, zusammenzubringen. Nachdem sie einleitend auf Gegensätzliches hinwies (z.B. Fremd- vs. Selbstorganisation), entwarf sie anschließend eine Lerninfrastruktur auf drei Ebenen, die Fachstudium und Praxisgemeinschaften zusammenbringt – in jeden Fall etwas zum Nachlesen (Abstract).

Ansonsten kann ich nur empfehlen, in den Beiträgen der unmittelbar Beteiligten und Betroffenen weiterzulesen, z.B. Gabi Reinmann, Joachim Wedekind, Michael Kerres.

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Armut ist kein Schicksal

Posted on 06 November 2006 by jrobes

Nein, ich will mit diesem Verweis kein neues Spielfeld eröffnen. Aber hinter diesem Titel steckt ein Gespräch zwischen Friedhelm Hengsbach und Gert G. Wagner, in dem es um Wirtschafts- und Sozialpolitik und immer wieder um Bildung geht. Hintergrund dieses Gesprächs ist eine Denkschrift zur Armut, “Gerechte Teilhabe. Befähigung zur Eigenverantwortung”, die die EKD im Juli herausgegeben hat. Was Friedhelm Hengsbach an dieser Denkschrift missfällt, ist ihr Fokus auf Arbeitsmarktpolitik und Bildung; was er vermisst, sind neue wirtschafts- und finanzpolitische Konzepte.

Vor allem, und da habe ich mehrmals genickt, sieht er nicht die Bildung als Schlüssel für die drängenden Probleme der Gegenwart. Ich will nur einen Satz zitieren, der vielleicht zeigt, warum ich bei der Lektüre dieses Gespräch glühender Anhänger der katholischen Sozialethik war (denn für diese steht Friedhelm Hengsbach):
“Bildung bekommt, wie derzeit überall in der Debatte über Armut und Arbeitslosigkeit, einen viel zu großen Stellenwert. Massenarbeitslosigkeit resultiert aber nicht aus mangelnden Bildungsanstrengungen. Die Perspektivlosigkeit und damit einhergehende Bildungsmüdigkeit junger Leute ist die Folge, nicht die Ursache der anhaltenden Massenarbeitslosigkeit. Sie wissen, dass sie sowieso keine Chance bekommen, und haben aufgegeben.”

Es gibt weitere interessante Stellen, in denen Friedhelm Hengsbach versucht, die Aufmerksamkeit von dem Schlüsselsatz “Bildung schafft Arbeitsplätze” wegzulenken. Zu Recht, wie ich finde! Als Ende der Achtziger meine Studienkollegen, die ihr Referendariat abgeschlossen hatten, als Lehrer keine Jobs bekamen, war nicht ihre Bildung das Problem. Wer heute lernt, weiß nicht, ob er damit Kompetenzen erwirbt, die morgen gefragt sind. Diese Unsicherheit bleibt, und die können mehr Bildung, bessere PISA-Ergebnisse und höhere Studienanfängerquoten nicht beseitigen. Es sei denn, man diskutiert über die Strukturen, die diese Unsicherheit bedingen.

Trotzdem führt selbstverständlich - aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive - an Bildung und lebenslangem Lernen kein Weg vorbei! Und von daher steht Bildung wiederum zu Recht im Mittelpunkt.

Schön, dass die Frankfurter Rundschau solchen Gesprächen Platz gibt. Begrüßenswert, dass es darüber hinaus auch für alle online nachzulesen ist - hoffentlich etwas länger als die vielerorts üblichen sieben oder vierzehn Tage!
Friedhelm Hengsbach und Gert G. Wagner, Frankfurter Rundschau vom 4 November 2006
[Kategorien: Weiterbildung allgemein]

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Who profits from user-created content?

Posted on 03 November 2006 by jrobes

Howard Rheingold fragt: Wenn Millionen von Nutzern die Seiten von del.icio.us und flickr mit Inhalten füllen und diese Seiten (wie geschehen) von z.B. Yahoo gekauft werden, gehört ein Anteil der Kaufsumme nicht den Nutzern?

Dabei verweist er auf einen Kommentar von Henry Jenkins: “This is an issue I raised here a few weeks ago. At the heart of the Web 2.0 movement is this idea that there is real value created by tapping the shared wisdom of grassroots communities, composed mostly of fans, hobbyists, and other amateur media makers. I have often celebrated these efforts as helping to pave the way for a more participatory culture — one that will be more diverse and innovative because it expands the range of content we can access. Yet, as I suggested here a few weeks ago, there is a nagging question — if these grassroots efforts are generating value (and in fact, wealth) and their creative power is being tapped by major corporations, at what point should they start receiving a share of revenue for their work?

We have all seen major media companies telling us that file-sharing is bad because it takes other people’s intellectual property without just compensation. So, why are these same companies now taking their audience’s intellectual property for free? Do we understand their profits primarily as a tax to support the infrastructure that enables their distribution?”
Howard Rheingold, DIY Media Weblog, 2 November 2006
[Kategorien: Web 2.0, Social Software]

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E-Learning Success: Engaging Organizations, Motivating Learners

Posted on 03 November 2006 by jrobes

Wann ist e-Learning wirklich erfolgreich? Wenn es gelingt, “to engage learners, motivate managers and energize your organization”. Dazu, so Lance Dublin, braucht es eine Implementierungsstrategie, die auf den Prinzipien des “change managements”, des “consumer marketings” und der “change communications” aufbaut. Change Management, die Einführung von e-Learning als Übergang zu begreifen; als lang andauernde Reise und nicht als einmaliger Event; und bei der Einführung von e-Learning an verschiedene Zielgruppen zu denken und gezielt auf die Menschen zu setzen, die über den Erfolg von Innovationen entscheiden, z.B. die “early adopter”. Es sind grundlegende und wichtige Punkte, die der Autor anspricht. Manchmal frage ich mich allerdings, ob es heute noch die Zeit und den Raum gibt, um eine Bildungsstrategie so in Unternehmen oder Organisationen zu platzieren.
Lance Dublin, CLOmedia, November 2006
[Kategorien: e-learning]

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Reisepläne

Posted on 02 November 2006 by jrobes

In der nächsten Woche bin ich auf zwei Veranstaltungen, auf die ich mich sehr freue:
Am Dienstag geht es nach Bonn, wo das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Institut für Medien und Kompetenzforschung (MMB) zu einer Fachtagung mit dem Titel “Bildungsforschung trifft Medienforschung” einladen. Gemeinsam werden wir diskutieren, wie Neue Medien genutzt werden können, um die Berufsbildung zu verbessern; und ob es nicht sinnvoll ist, im Rahmen dieser Überlegungen stärker auf Instrumente der Medienforschung zurückzugreifen. Mehr zur Veranstaltung hier.

Für die nächsten beiden Tage habe ich gleich Urlaub eingereicht. Denn in Bonn geht es weiter: Campus Innovation Hamburg und das education quality forum veranstalten zwei Tage lang (8./9.11.) die Konferenz “eUniversity - Update Bologna” im Internationalen Kongresszentrum Bundeshaus. Michael Kerres, Dieter Lenzen, Rolf Schulmeister, Gabi Reinmann usw. - alle sind angekündigt! Mehr Informationen auf der Veranstaltungsseite.

Und wie immer gilt: Wer Lust auf einen gemeinsamen Kaffee hat, schickt einfach eine kurze Mail an info@weiterbildungsblog.de! See you!

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How Do People Interact with Blogs?

Posted on 02 November 2006 by jrobes

Die deutschsprachigen Blogs, die mich interessieren, beobachte und lese ich mit Hilfe eines Newsreaders (Bloglines). Nur ganz selten, wenn z.B. ein interessanter Eintrag nicht ganz zu lesen ist, besuche ich die Seite des Blogs selbst. Dadurch geht mir - theoretisch - ein Teil der Kommunikation verloren, denn die Kommentare, die auf einen Blogeintrag erfolgen, bekomme ich nicht mit. Das war auch der Anlass für Tony Karrer, folgende Fragen einfach mal in den Raum zu stellen:

“- Do you only read the RSS feed?
- Do you ever click to the blog post itself (as opposed to the links it provides - which would be on another blog)? If so, why did you click?
- Do you ever leave comments?
- Do you ever read comments? If so, how did you find them?”
Einige seiner Leser haben gleich geantwortet!
Tony Karrer, eLearning Technology, 1 November 2006
[Kategorien: Weblogs]

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e-Learning 2.0: Neue Perspektiven für die Weiterbildung

Posted on 01 November 2006 by jrobes

Vor einigen Tagen durfte ich einen kleinen Beitrag zum aktuellen “who is who in e-learning 5.0″ schreiben. “who is who” ist ein “jährlich erscheinendes Nachschlagewerk für Corporate E-Learning”, herausgegeben vom Whois-Verlag in Heidelberg. In diesem Jahr enthält das Buch viel Web 2.0, Artikel und Interviews zum Thema, eine Reihe von Case Studies und den Branchenguide. Erscheinen soll es noch im November, aber hier sind schon mal mein Einstieg und Beitrag:

“Auf einmal war er da, der Begriff “e-Learning 2.0″. Es war der Kanadier Stephen Downes, Senior Researcher am National Research Council of Canada, der ihn im Oktober 2005 in die Diskussion warf. Mit dem neuen Begriff – oder “Buzzword”, wie viele sofort riefen! - wollte er darauf hinweisen, dass etwas Neues entstanden ist, etwas, das unser vertrautes Bild von e-Learning verändert. Denn wenn wir heute von e-Learning sprechen, denken wir vor allem an Lernplattformen und SCORM, an strukturierte Kurse in Form eines Web-based Training oder Online Tests. Kurz, wir denken vor allem an das effiziente Management von Lernangeboten. …”
Jochen Robes, who is who in e-learning 5.0, November 2006 (pdf)

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SkillSoft buys Netg

Posted on 01 November 2006 by jrobes

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Die Nachricht ist zwar schon eine Woche alt, aber ich will sie dann doch nicht einfach vorbeiziehen lassen. SkillSoft, einer der weltweit größten Content-Anbieter auf dem e-Learning-Markt, hat Netg, einen der weltweit größten Content-Anbieter auf dem e-Learning-Markt, gekauft. Für 285 Mill. Dollar vom Mutterkonzern Thomson. Eine weitere Wegmarke auf dem Konsolidierungspfad der e-Learning-Industrie, wie Elliott Masie anmerkt. Aber ein Schritt, der bis heute für weit weniger Diskussionsstoff gesorgt hat als frühere Bewegungen - vielleicht, weil es “nur” um Content geht!?
SkillSoft, Press Release, 25 Oktober 2006
[Kategorien: e-learning]

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Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management
und Web 2.0
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