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Hier stand ein Hinweis …

Posted on 21 August 2006 by jrobes

… auf einen Artikel zum Thema “Gewalt & Medien”, nächtlich geschrieben, dann für einige Stunden ruhen lassen, bis mich ein berechtigter Kommentar auf den ganzen Unsinn hinwies. Ich weiß nicht genau, ob ich jetzt “politically correct” handele, wenn ich den Hinweis einfach lösche; deshalb lasse ich den Auslöser kommentarlos noch für einige Stunden drin:
http://www.golem.de/showhigh2.php?file=/0608/47251.html&wort[]=spitzer

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14 Comments For This Post

  1. Helge Staedtler Says:

    Die Titelzeile “Töten lernen per Software” finde ich unangemessen, wenn man sich mit dem Thema sachlich auseinandersetzen möchte. Das reiht sich ein in die Tradition mit der das Thema “Gewalt” in den Medien aus meiner Sicht sehr häufig als reine Aufmerksamkeitshure missbraucht wird.

    Da in dem Artikel von Spitzer das Wort “Rahmungskompetenz” nichteinmal auftaucht, geschweige denn für die Erklärung der Zusammenhänge genutzt wird, kann ich das kaum ernst nehmen.

    Auch wenn der Beitrag als “Sommerloch”-Beitrag überschrieben ist frag ich mich schon, ob eine solche Überschrift wirklich sein muss.

    Sobald die neusten Zahlen zur jährlichen Verkehrstotenstatistik draussen sind könnte ich mir ja überlegen ebenfalls einen Beitrag zu schreiben mit dem Titel: “Töten lernen per Hardware (in der Fahrschule)”, das wäre in etwa vergleichbar. Bloss die Anzahl der Toten wäre um Potenzen höher.

    Aber ich bin wohl auch kein Sommerloch-Pädagoge, von daher hätte ich es wohl besser nicht lesen sollen. Meine Schuld!

  2. Jochen Robes Says:

    Ja, danke, mit dem Abstand von einigen Stunden nerven mich Überschrift und Artikel auch - ich habe die Überschrift erst mal aus Prinzip eingesetzt, weil ich immer dem Titel des Originals folge, aber hier tendiere ich stark zu einer Ausnahme bzw. Selbstkorrektur: entweder ein neuer Titel oder den ganzen Artikel im virtuellen Raum verschwinden lassen. Er ist es wohl nicht wert.
    Gruß, JR

  3. Martin Ebner Says:

    Jetzt muss ich mich auch noch in die Debatte einmischen.

    Ich finde, dass die Wahrheit wohl in der Mitte liegt. Nachdem ich das Buch “Vorsicht, Bildschirm” von Hr. Spitzer gelesen habe, stehe ich der Thematik vorsichtig gegenüber.
    Dort zeigt Spitzer m.E. eindeutige, statische Zusammenhänge zwischen Bildschirmkonsum und späteres Verhalten (und das methodisch einwandfrei).

    Habe mir den Artikel auch durchgesehen und dort ist es wohl alles sehr überspitzt (schönes Wortspiel :-)) ausgedrückt.

    Bin gespannt auf eure Antworten.

  4. Jochen Robes Says:

    Ich glaube, in den dreieinhalb Jahren, in denen ich jetzt hier auf Beiträge verweise und diese kommentiere, ist das der erste oder zweite Beitrag, bei dem ich im Nachhinein ans “Löschen” denke. Wobei die Überschrift des Artikels von Spitzer dazu sicher am meisten beiträgt.

    Ansonsten: a) Ich habe “Vorsicht Bildschirm” nicht gelesen, muss also hier etwas vorsichter sein. Spitzers Thesen kann man aber schon länger nachlesen (http://www.weiterbildungsblog.de/archives/000866.html).
    b) Der Artikel im P.M. Magazin ist zumindest schlechter Stil. Eine Aussage von Matthias Horx zu nehmen und “falsch” dahinter zu setzen, ist argumentativ dünn. Die Glaubwürdigkeit eines Wissenschaftlers per se höher anzusetzen als die eines Journalisten (Steven Johnson) ist … Ja, wie ernst darf man den Autor dann in seiner wissenschaftlichen Argumentation nehmen?
    c) Selbst wenn ich den Thesen und Belegen von Manfred Spitzer zusprechen möchte, dass sie für eine Reihe von ernst zunehmenden Fakten sensibilisieren: Ich bezweifele, ob diese Art der Darstellung Menschen hilft. Um was geht es denn: die Verbannung des Fernsehens oder des Computers hinter Schloß und Riegel, bis die Menschen in ihrer Entwicklung “so weit” sind? Das Verbot von Gewaltdarstellungen? (ist auch eine zweischneidige Sache und auch dafür gibt es Belege!).
    d) Also geht es am Ende doch darum, mit diesen Medien (wie mit allen Technologien) vernünftig und kompetent umzugehen. Aber davon ist in den Artikeln von bzw. über Spitzer wenig zu lesen. Es bietet natürlich auch nicht so plakative Überschriften und Thesen.
    e) Die Thesen von Spitzer erinnern mich stark an Neil Postman, der ja schon in den achtziger Jahren mit Blick auf die neuen Medien die Kindheit verabschiedete. Ich glaube, “bildungskonservativ” nannte man diese Haltung.
    Viele Grüße, JR

  5. Matthias Rückel Says:

    Hallo Herr Robes, natürlich ist der Artikel von Spitzer mindestens provokativ. Ich finde es interessant, daß hier über den Titel “Töten lernen per Software” als “ungemessen” diskutiert und anschliessend Argumente präsentiert werden, daß Egoschooterspiele nicht soooo schlimm sind und doch nur ein Faktor von vielen für Gewalt sind. Das ist für mich eine verkehrte Welt. Ich hoffe Sie handeln politisch unkorrekt und lassen den Artikel so wie er war drin.

  6. Helge Städtler Says:

    @Matthias Rückel: Hmm, das mit dem “unangemessen” geht wohl an meine Adresse. Wo hab ich was von “Ego-Shooter” Spielen geschrieben? Oder war ich doch nicht gemeint?

  7. Helge Städtler Says:

    Mein Beitrag war vielleicht auch nicht ganz “emotionally correct”, ich hab mich bissel aufgeregt über so eine platte Überschrift. Man muss ja nicht mit mir einer Meinung sein. Gerade unterschiedliche Meinungen führen ja zum Diskurs wie man hier schön sieht. ;-)
    Ich denke kaum, dass Computerspiele per se Gewalt hervorrufen. Wenn das passiert, dann wird Simulation mit der Wirklichkeit verwechselt. Dann sollte man das auch zum Thema machen: Wie unterscheide ich zwischen “Wirklichkeit” (sofern es DIE Wirklichkeit gibt) und “Simulation”.

    Und dann redet man über Rahmungskompetenzen. Die werden nämlich auch benötigt, um von der Scheinwelt/Simulation des TV unterscheiden zu können, das betrifft also nicht nur Gewalt, es kann auch ganz normale Meinungsmache sein, vor der man sich mit Rahmungskopetenzen schützen kann.

    Ob man den Artikel / Überschrift / Kommentare usw. dann im Weblog belässt oder ändert, oder… das ist jedem seine Sache.

    Meine Ansicht.

  8. Martin Ebner Says:

    @Helge: Ich muss jetzt noch einmal auf das von mir angesprochene Buch “Vorsicht, Bildschrim” eingehen, da dies mir sinnvoller erscheint.

    M.S. schreibt dort nie, dass Computerspiele per se Gewalt hervorrufen, sondern zeigt, dass es statisch wahrscheinlicher ist, dass Personen die oftmaligen, regelmäßigen Kontakt zu solchen haben, einmal gewalttätig werden.

    Für mich persönlich war (und ist) es nur erschreckend, dass es einen eindeutig signifikanten Zusammenhang gibt und damit ist es m.E. beachtenswert.

    Was die Überschrift usw. betrifft habt ihr vollkommen recht. Und Punkt.

  9. Helge Städtler Says:

    @Martin: Okay, nehmen wir an, dass es statistisch wahrscheinlicher ist, dass Personen die oftmaligen, regelmäßigen Kontakt zu Computerspielen haben, einmal gewalttätig werden.

    Wenn ich dann mal vermute(!), dass der grösste Anteil der Personen die Computerspiele spielt männlichen Geschlechts ist (siehe z.B. JIM-Studie 2005 die sagt 15% Mädchen, 61% Jungs spielen; http://www.mpfs.de/fileadmin/Studien/JIM2005.pdf), könnte es dann vielleicht sein, dass gar nicht der Einfluss der Spiele gemessen wurde, sondern der des Geschlechts?

    Ich kann das jetzt nicht beurteilen, weil mir die Studie nicht vorliegt. Aber hört sich für mich fast danach an. Schätze die Wahrscheinlichkeit, das Sportwagenfahrer Gewalt in Form eines tödlichen Unfalls ausüben ist auch höher ist als im Rest der Bevölkerung. Hat das dannn mit dem Automobil zu tun, oder damit das es überwiegend Männer sind?

  10. Martin Ebner Says:

    @Helge: habe extra nachgeschaut, Geschlecht ist getrennt behandelt und für beide korreliert die Aussage.

    Wie oben schon mal gesagt, die Studien scheinen methodisch einwandfrei und sauber, soweit ich das von meinem bescheidenen Standpunkt sagen kann.

  11. Helge Städtler Says:

    Also was mir vom Spitzer wesentlich besser gefällt im Vergleich zu dieser P.M-Magazin-Schlacht ist sein Audio-Beitrag auf SWR2.

    http://www.swr.de/swr2/sendungen/wissen-aula/archiv/2005/02/27/index.html

    Gefunden bei wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Spitzer

    Da spricht Spitzer über das eigentliche Problem, dass wir immer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen, einer Umgebung, die sensorisch weitaus reizärmer ist als die natürliche Umwelt.

    Ich denke das provozierende Gewalt-Thema ist für Ihn nur ein Hebel, auf das stark angestiegene Zeitkontingent medienvermittelter Umweltwahrnehmung aufmerksam zu machen. Von daher trifft seine Warnung “Vorsicht Bildschirm” genau diesen Kernpunkt.

    Um in einem Schritt zum “Töten lernen per Software” zu gelangen muss man aber wohl den Schritt ganz schön verlängern, um nicht über unliebsame Dinge die das nicht stützen zu stolpern.

  12. Jochen Robes Says:

    @Helge: Bin zwar schon mit einem Bein im Urlaub, aber einen Punkt von Dir will ich doch noch kurz aufnehmen:
    ” …eigentliche Problem, dass wir immer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen”
    “… stark angestiegene Zeitkontingent medienvermittelter Umweltwahrnehmung… ”

    Ich habe etwas Schwierigkeiten mit der Wertung, die, vielleicht sogar von Dir ungewollt, in diesen Sätzen steckt: irgendwie heißt es ja, dass die Zeit ohne Bildschirm wertvoller ist als die vor dem Bildschirm, dass Erfahrung “erster Hand” unproblematisch, aber medienvermittelte Umweltwahrnehmung ihre Grenzen hat bzw. haben sollte.

    Kurz: Mit diesen Gegenüberstellungen kann ich wenig anfangen. Zum einen gehe ich davon aus, dass der Anteil medienvermittelter Kommunikation weiter zunehmen wird. Das kann man sicher sinnvoll oder weniger sinnvoll gestalten, aber nicht anhalten oder zurückdrehen. Letzteres wäre wie die Globalisierung aufhalten zu wollten oder einen Grad der Technisierung zurückzudrehen. Wie gesagt, ich heiße vieles nicht gut, was im Zeichen der Globalisierung passiert und finde es sinnvoll, Gegenzeichen zu setzen; aber ich weiß nicht, ob ein “Zurück” ein Ziel sein kann.

    Zum anderen weiß ich nicht, ob wir biologisch eine Grenze für medienvermittelte Kommunikation besitzen. Welcher Anteil ist kritisch? Vier Stunden Fernsehen am Tag? Sechs Stunden vor dem Computer? Ich bin überzeugt davon, dass für unsere Vorfahren die Natur “sensorisch noch viel reizstärker” war, als sie es für uns heute - auch ohne Bildschirm und Computer - ist. Aber was leiten wir daraus ab? Gibt es irgendwo in unserer Entwicklungsgeschichte einen Punkt, den wir als Maßstab nehmen können, um heute die Verteilung von Erfahrung erster und zweiter Hand beurteilen zu können?

    Wie gesagt, diese Punkte, die ich in der ganzen Diskussion auch immer mithöre, machen mich etwas ratlos. Ich möchte dann doch lieber über Inhalte oder Sendungen oder den kompetenten Umgang mit medienvermittelter Kommunikation zu reden.
    Gruß, JR

    PS: Weil mir einige Stichworte aus den letzten Beiträgen so vertraut erschienen, bin ich gerade noch einmal an meinen Bücherschrank. Und was habe ich gefunden: Der “Spitzer” im Jahre 1979 hieß Marie Winn und schrieb über “Die Droge im Wohnzimmer. Für die kindliche Psyche ist Fernsehen Gift. … ABSCHALTEN”. Und die andere Position nahmen Karl Bauer und Heinz Hengst ein: “Wirklichkeit aus zweiter Hand. Kindheit in der Erfahrungswelt von Spielwaren und Medienproduktion” (1980). (Ich hab mal Kommunikationswissenschaften studiert …)

  13. Helge Städtler Says:

    Jochen, danke für die Literaturhinweise aus vergangenen Jahren. Ich seh es mit dem “Zeit zurückdrehen” ähnlich: Das wird nicht gehen. Wär auch schade so ganz ohne Internet.

    Erstaunlich, da bringt so eine “doofe” Überschrift diese ganzen konstruktiven Statements und Denkanstösse ins rollen. Ich würde sagen, alles richtig gemacht, oder? Mehr kann man sich fürs eigene blog ja kaum wünschen, als eine lebhafte Diskussion.

    Kommunikationswissenschaften sind natürlich mit weblog und podcast klar im Vorteil. :)

  14. Cora Burger Says:

    Hallo,

    ich fände es sehr schade, wenn der Hinweis auf den reißerisch aufgemachten Artikel und die obige, m. E. sehr wichtige Diskussion entfernt würden. Als Mutter zweier Kinder im Pubertätsalter bitte ich darum, solche Diskussionen weiterzuführen und Medieneinsatz immer wieder kritisch zu hinterfragen.

    Zwar haben mein Mann und ich versucht, unsere Kinder an einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien heranzuführen, hatten bis vor kurzem keinen Fernseher und haben strenge Vorgaben bei der Computernutzung erlassen - mit gegen Null gehendem Erfolg. Während der Sohn inzwischen nicht mehr nur am Flugsimulator spielt, sondern im realen Segelflieger fliegt, geht die Tochter in der Scheinwelt des Chattens (verknüpft mit entsprechender Musik) auf und überträgt den dortigen, von Gewalt geprägten Umgangston auf die reale Welt. Wir hoffen, dass sie irgendwann ins normale Leben zurückfindet.

    Natürlich ist dieses Abgleiten in eine Scheinwelt auch auf anderem Weg möglich und in der Pubertät nichts Ungewöhnliches. Ich halte es jedoch für wichtig, diese Gefahr der Medien vor allem den Eltern und anderen Erziehungsberechtigten immer wieder bewusst zu machen, um Kinder nicht leichtfertig zu Opfern werden zu lassen und so behutsam wie möglich gegensteuern zu können.

    Cora Burger

About me

Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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