E-Learning 2.0 - Buzzword oder ernstzunehmende Entwicklung?

Posted on 19 July 2006 by jrobes

Eine gute Zusammenfassung verschiedener Quellen zum Thema bietet dieser Artikel - von der Beschreibung neuer Technologien wie Wikis, Weblogs und Podcasts bis zum Versuch, den Begriff Web 2.0 in wenigen Worten zu fassen. Eingehender wird dann die Frage diskutiert, was e-Learning 2.0 für bestehende Bildungseinrichtungen bedeuten kann.

Kurz zwei Anmerkungen: Ich glaube, dass man e-Learning 2.0 deutlicher als Erweiterung bestehender Möglichkeiten und weniger als Höherentwicklung oder Ablösung beschreiben sollte. Die Assoziationen mit einem Releasewechsel führen da sicher etwas in die Irre. Im Artikel heißt es beispielsweise, der “Schritt von E-Learning 1.0 zu 2.0 könnte auch als Entwicklung vom formellen zum informellen Lernen bezeichnet werden”. Ich denke, dass es immer Situationen geben wird, in denen wir auf formelle Lernprozesse nicht verzichten wollen. Eine Ablösung, wenn man denn den Begriff aufnimmt, betrifft also vor allem Situationen oder Zielgruppen, in denen e-Learning 1.0 (oder traditionelle Bildungsprozesse überhaupt) an deutliche Grenzen stößt.

Ein anderer Punkt ist der Hinweis, dass “E-Learning 2.0 … für eine didaktische Weiterentwicklung des Lernens mit Multimedia und dem Internet” steht. Auch hier würde ich den Fokus etwas anders setzen: e-Learning 2.0 steht noch in erster Linie für informelle, selbst gesteuerte Prozesse des Informationsaustauschs und Zusammenarbeitens, und wir nähern uns erst langsam der Frage, wie denn Lernszenarien aussehen können, die bewusst auf den neuen Möglichkeiten des Web 2.0 aufsetzen. Aber das sind Kleinigkeiten.
N.N., Weiterbildung in Baden-Württemberg, Juli 2006
[Kategorien: e-learning, Web 2.0, Social Software, Trends in der Weiterbildung, e-learning 2.0, Podcasting]

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5 Comments For This Post

  1. Helge Städtler Says:

    Antwort: Buzzword!

    Ernst nehmen tu’ ich daran eigentlich nur die positiven “Vibes” der Entdeckungsfreudigkeit. Es ist der Drang Neues zu finden, es zu dokumentieren und zu prüfen. Nur weil Web2.0 mit Hype ohnegleichen durch das Dach marschiert, muss ich mich ja nicht verrückt machen. Ich sag nur (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,424796,00.html ) “Macht eusch nit verrückt”, das würde (http://www.horstschlaemmer.tv/) Horst Schlämmer auch sagen.

    E-Learning sollte in jedem Aspekt stetig weiterentwickelt werden nicht nur in der Didaktik, dafür brauche ich kein Buzzword-Strohfeuer á la “E-Learning 2.0″. Kleine und grosse neue Dinge und Veränderungen sollten ausprobiert werden. Erst das bringt Neuigkeiten. Blosses Gerede von “E-Learning 2.0″ bleibt ein Traumschloss, das man höchstens zum “Visionieren” verwenden kann.

    Dafür allerdings verwende ich es auch gerne, nur sind Traum und Wirklichkeit eben doch etwas weiter auseinander. Ich bin dafür “E-Learning 1.0 aka LMS” endlich als Wegwerf-Prototyp in die Tonne zu werfen und die guten Sachen mitzunehmen. Wir sollten versuchen wegzukommen von “E-Distribution” und “E-Pageturning” und stattdessen eine lerngeeignete “E-Environment” in Angriff nehmen, die Zusatznutzen bereithält.

    Please, no more buzzwords. :-)
    Meine Meinung.

  2. Jochen Robes Says:

    Ja, über die Notwendigkeit von Buzzwords müssen wir wahrscheinlich nicht lange diskutieren. Der letzte Punkt ist da schon interessanter: E-Learning 1.0 “in die Tonne werfen” … Da ich derzeit vor allem von e-Learning 1.0 lebe und für meine Visionen nur dieses Blog, meine Selbstversuche als eLearner 2.0, regelmäßige Konferenzen & Workshops und andere Spielfelder in der Freizeit habe, muss mein Blick vielleicht zwangsläufig etwas differenzierter sein.

    Kurz: Wenn mein Gesprächspartner “e-distribution” haben möchte, z.B. weil er schnell eine Geldwäsche-Schulung anbieten möchte, dann bekommt er selbstverständlich, was “in time, in quality, in budget” möglich ist. Allerdings, das gebe ich gerne zu, steht in diesen Fällen häufig der professionelle Projektmanager im Vordergrund, weniger der Bildungsexperte oder e-Learning-Fachmann.

    Mit e-Learning 2.0, das ist meine Erfahrung, komme ich mit Bildungsmanagern derzeit vor allem nach Feierabend ins Gespräch. Und häufig geht es dann weniger darum, die Bildungsprozesse in Unternehmen radikal umzugestalten, sondern am eigenen Wissensmanagement zu arbeiten, zu überlegen, wie man Web 2.0 für sich und im engsten Umfeld nutzen kann. Aber, jetzt kommt die Vision, irgendwann wird das sicher dazu führen, dass auch in größeren Zusammenhängen neue Wege versucht werden.
    Gruß, JR

  3. Helge Städtler Says:

    @Jochen: Danke für die Antwort.

    Das mit “in die Tonne werfen” ist auch eher im übertragenen Sinne gemeint. Aber so ein kleiner Abschied sollte es schon sein. Von den Dingen mit denen man Geld verdient sollte man sich natürlich nicht verabschieden, solange es noch Geld abwirft. Aber dann vielleicht sicherheitshalber die typische “S-Kurve” für Innovationsmanagement im Blick behalten und gucken wo man sich auf der Kurve gerade befindet.

    Es ist eben auch was anderes “E-Training” oder “E-Teaching-of-critical-Thinking-at-University” umzusetzen. Dennoch macht es ja dann eventuell Sinn, die Dinge die in beiden Use-Cases Sinn ergeben (und zum Geld verdienen beitragen) rauszufinden und in der “Next Generation E-Environment for Learning” wieder einzubauen.

    Gruss,
    Helge

    Nachtrag zur S-Kurve (auch in jedem besseren Marketing-Buch zu finden):
    Die Entwicklung technischer Systeme folgt definierten Gesetzmäßigkeiten. Die S-Kurve beschreibt eine verallgemeinerte Darstellung des Reifegrades (Entwicklungsstatus) technischer Systeme über ihren Lebenszyklus (Kindheit, Erwachsensein, Reife, Alter).

    Quelle: http://www.triz.at/academy_toolbox.htm

  4. Jochen Robes Says:

    Danke, Helge - und sorry, dass ich die “Tonne” so wörtlich genommen habe! Die S-Kurve für e-Learning wäre sicher ein spannendes Thema für eine Diplomarbeit: ausgehend von den Prognosen der neunziger Jahre bis zu aktuellen Beteuerungen, dass e-Learning “sein volles Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft habe”. Auch wenn dabei die Vorstellungen davon, was e-Learning eigentlich ist, sicher weit auseinandergehen - das Beharrungsvermögen von “e-distribution” und “e-pageturning” ist schon erstaunlich.
    Gruß, JR

  5. Mark Sebastian Pütz Says:

    Hallo Herr Robes,
    ich freue mich, dass Sie in Ihrem Blog auf meinen Artikel aufmerksam gemacht und einige Anmerkungen aus Ihrer Sicht geäußert haben. Spannend ist zudem, die anschließende Diskussion in der Kommentarfunktion. In der Tat tangiert der Artikel die Frage, wann und wie es für Bildungseinrichtungen Sinn machen könnte, die Möglichkeiten des Web 2.0 für ihr E-Learning-Angebot zu nutzen. Da der Artikel in erster Linie informieren soll, steht diese Frage allerdings nur am Rande. Vielleicht ergibt sich an anderer Stelle die Gelegenheit, genauer darauf einzugehen (insbesondere auf die hier bereits angerissene Frage, wie so ein Angebot aussehen müsste, damit es auch “verkauft” werden kann).

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Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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