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Informelles Lernen im Betrieb

Posted on 24 May 2005 by jrobes

Ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview mit mir, das seit heute online ist:

CHECKpoint elearning: “In einem ihrer Vorträge machten sie deutlich, wo die Unterschiede zwischen dem Corporate Gedanken für Wissensmanagement und dem Persönlichen Wissensmanagement lägen. Abschließend sagten sie, es sei eine Herausforderung diese beiden Bereiche zusammen zu bringen. Wie stellen sie sich das vor?”

Dr. Jochen Robes: “Die Unterscheidung, auf die ich vor allem hinweisen wollte, ist die zwischen formellem und informellem eLearning. Heute liegt der Schwerpunkt in Unternehmen, was eLearning betrifft, in elektronisch gestützten Kursen, wie wir sie seit den ersten Tagen des CBT kennen. Der Mitarbeiter tritt dabei aus dem Arbeitsprozess heraus, um zu lernen. Er “öffnet” ein Lernprogramm mit einem definierten Umfang, sequenziell abgehandelten Themen und mit Aufgaben und Tests zur individuellen Wissensüberprüfung.

In wissensintensiven Arbeitsprozessen suchen Mitarbeiter jedoch Angebote, die darüber hinausgehen: Sie nutzen das Internet, Suchmaschinen wie Google, Portale und Datenbanken, um relevante Informationen zu finden. Sie greifen auf Online-Communities, Expertengruppen und Diskussionsforen zurück, um sich in Netzwerken zu orientieren und ihre Entscheidungen zu stützen. Sie lernen, ohne aus dem Arbeitsprozess herauszutreten.

Diese Form des Lernens setzt natürlich voraus, dass Mitarbeiter autonom und eigenverantwortlich ihre Arbeits- und Lernprozesse steuern können! Deshalb habe ich, natürlich stark verkürzt, auch vom “eLearning für Wissensarbeiter” gesprochen. An anderer Stelle wird diese Form des arbeitsintegrierten Lernens mal persönliches Wissensmanagement, mal informelles Lernen bzw. e-Learning genannt. Wie auch immer: Es ist bis heute noch viel zu selten ein Thema in der betrieblichen Weiterbildung, obwohl gerade hier ungeheure Potenziale liegen.”
Joscha Remus, CHECKpoint elearning, Mai 2005
[Kategorien: Informelles Lernen]

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5 Comments For This Post

  1. Tim Schlotfeldt Says:

    Ein schönes Interview, vor allem da ich das Thema ebenfalls für sehr wichtig halte und es mir am Herzen liegt. Mit dem Begriff »Wissensarbeiter« bin ich in diesem Zusammenhang nicht so recht glücklich, da dieser auch atwas elitäres in sich trägt bzw. so verstanden werden kann und damit vielleicht Berührungsängste erzeugt.

  2. Jochen Robes Says:

    Spätestens mit den Arbeiten von Peter F. Drucker hat sich der Begriff des “Knowledge Workers” weitestgehend durchgesetzt (”The new workforce”, 2001; http://www.economist.com/displayStory.cfm?story_id=770847), um den Übergang zur Knowledge Society oder Wissensgesellschaft zu beschreiben. Sollen wir es beim englischen Begriff belassen? Ist der “Wissensarbeiter” eine schlechte Übersetzung? Oder ist es elitär, sich “Wissensarbeiter” zu nennen? Ich sehe keine überzeugenden Alternativen, aber ich bin offen für Vorschläge.

  3. Tim Schlotfeldt Says:

    Ich hatte dazu mal geschrieben: “Ich sehe die ganze Weiterbildungsdiskussion auch etwas zwiespältig. Vor allem der Begriff »Knowledge Worker« hat sich zu einem elitären, fast schon mysthischen Begriff entwickelt, der meist nur von jenen verwendet wird, die sich selbst als einen solchen Knowledger Worker sehen. Naja, wie dem auch sein, ursprünglich sollte dieser Begriff wohl für eine Verschiebung der erforderlichen Kompetenzen in der Arbeitswelt stehen…”

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Begriff »Wissensarbeiter« eine sehr abschreckende Wirkung haben kann, und zwar ausgerechnet dort, wo es um Veränderungen geht. Rein sachlich ist an dem Begriff nichts auszusetzen, im Kontext eines sagen wir mal Expertengesprächs ist er auch anwendbar. Außerhalb dieses Expertenkreises jedoch werden »Wissensarbeiter« und »Knowledge Worker« meines Erachtens missverstanden als eine elitäre (Selbst-) Beschreibung oder als eine diffuse, noch nicht zu überblickende und damit Unbehagen auslösende Anforderung an den modernen Mitarbeiter.

    Eine Alternative kann ich leider nicht anbieten. Ich vermeide diese Ausdrücke derzeit konsequent und übe mich in einfachen Umschreibungen.

  4. Winfried U. Graichen Says:

    Danke für die Dohme-Quelle. Interessant und hilfreich!

    Eine Beschreibung informellen und formellen Lernens in Unternehmen liefern Dr. Bernd Wildenmann und Peter von der Heydt in “Führungsnachwuchs auf dem Sprung”, 2000, Neuwied. Beide Autoren - ein Berater und ein Banker - schildern, wie Nachwuchsführungskräfte über on-the-job Erfahrungen, Trainings und Coachings ihre Kompetenzen erweitern und Veränderungsprozesse in einer Bank anstoßen und umsetzen.

  5. Jochen Robes Says:

    Danke für den Tipp!

About me

Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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