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Welche Infrastruktur benötigt eLearning?

Posted on 20 May 2005 by jrobes

Thomas Reglin hat mir diesen Artikel vor einigen Tagen zugeschickt, nachdem ich ihn im Anschluss an das Zukunftsforum in Berlin, wo er präsentiert hatte, um seine Materialien gebeten hatte. Das Spannende aus meiner Sicht: Ich hatte ja auf der CeBIT im März zum Thema “e-Learning für Wissensarbeiter” referiert und am Beispiel eines fiktiven Knowledge Workers eine Rundreise zu verschiedenen Systemen und Tools gemacht - von Online Communities bis zu ePortfolios. Dabei wollte ich aufzeigen, welche Hilfsmittel Knowledge Workern heute zur Verfügung stehen, wie sie diese Hilfsmittel in ihre Arbeitsprozesse integrieren und damit die Trennung von Arbeits- und Lernprozessen auflösen. Zugleich habe ich diese Form des e-Learnings der Welt des Corporate e-Learning gegenüberstellt, die auch heute noch von der Perspektive des Bildungsmanagements und der Kosteneffizienz bestimmt ist.

Ich muss etwas ausholen, denn Thomas Reglin liefert in diesem Artikel die begriffliche Systematik, die mir in meinem praxis- bzw. tool-orientierten Überblick gefehlt hat!! Das ist zum einen die Unterscheidung von e-Learning als formelles arbeitsplatznahes Lernen und e-Learning als Instrument arbeitsintegrierten Lernens. Er schreibt:

“Im Kern geht es um die Unterscheidung von
- arbeitsplatznahem, dabei am traditionellen seminaristischen Paradigma durchgehend orientiertem eLearning [Severing 2003] und
- einem eLearning, das sich als Hilfsmittel für jene Lernprozesse versteht, die an wissensintensiven Arbeitsplätzen immer schon stattfinden, ohne dass die Akteure in eine explizite Lernsituation eintreten (arbeitsintegriertes Lernen).”

Oder, wie er auch sagt, es geht um die Unterscheidung von formellem und informellem e-Learning.

Auf die Infrastruktur für formelles e-Learning - und da kommt der Titel dieses Artikels ins Spiel - will ich an dieser Stelle nicht eingehen. Wie steht es aber um die Infrastruktur für informelles e-Learning? Hier müssen sich Lernende und Organisationen, so Thomas Reglin, grundlegend verändern:
“- Die Lernenden müssen über Selbstorganisationskompetenzen, Recherchestrategien und Medienkompetenz verfügen, bereit sein, sich weiter zu entwickeln, und für Neues offen sein.
- Die Organisationen müssen diese Kompetenzen fördern (Stichworte: Coaching und Lernberatung) und ihren Mitarbeitern die Freiräume zugestehen, die zu ihrer Betätigung erforderlich sind. Das hat technische Aspekte (Computer- und Internetzugänge, Firewalls), ist aber vor allem eine Frage der Offenheit für Innovationen, auch solche, die bottom-up angestoßen werden, und – im Falle der Online Communities – auch eine Frage der Bereitschaft zur Wissenskommunikation im Unternehmen und über Unternehmensgrenzen hinweg.”

Und der Autor schließt mit einer Bemerkung, die jede Weiterbildungsabteilung aufrütteln sollte: Problemlösesituationen im Kontext von Wissensarbeit erzeugen kontinuierlich Lernbedarf einer Art, der sich durch formalisiertes Lernen schlicht nicht decken lässt. Seinem Wesen nach nicht antizipierbar, bedarf er eigener Instrumente, wie es eben (u.a.) Suchmaschinen und Diskussionsforen sind. Die Individuen sind daher in zunehmendem Maße auf Selbstlernkompetenz angewiesen. Sie zu fördern wird zu einer vordringlichen Aufgabe der Berufspädagogen. Und formelles eLearning wird künftig nicht zuletzt daran zu messen sein, inwiefern es fließende Übergänge zum informellen Lernen mit Medien vorsieht.”

Wie bereits angedeutet: Es ist eine schöne Sache, wenn man seine eigenen Gedanken so “aufgeräumt” wiederfindet. Und da ich die durchschnittliche Länge eines Eintrags bereits weit überschritten habe, noch eine Bemerkung: Ich denke, dass man im nächsten Schritt die kollaborative Seite der Wissensarbeit und des arbeitsintegrierten Lernens noch deutlicher herausstreichen sollte. Es ist ja kein Zufall, dass fast alle Hilfsmittel und Instrumente, die hier beschrieben werden, gerade durch ihre Möglichkeiten der Vernetzung und des Knowledge Sharing derzeit so große Aufmerksamkeit erzielen! Vielleicht muss hier das Modell der “vollständigen Handlung” (bitte den Artikel lesen!) mit seinen Stufen Informieren, Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren, Bewerten ergänzt bzw. erweitert werden. Vielleicht stößt es gar an Grenzen.
Thomas Reglin, in: Hahne, K.; Zinke, G. (Hrsg.), E-Learning: Virtuelle Kompetenzzentren und Online-Communities zur Unterstützung arbeitsplatznahen Lernens, Bielefeld 2004, S. 125 - 142 (pdf)
[Kategorien: e-learning, Informelles Lernen]

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2 Comments For This Post

  1. Alexander Roth Says:

    Hallo Herr Robes,

    auch ich beschäftige mich in meiner Diss mit flexiblen Infrastrukturen für eLearning und Wissensorganisation.
    Als ich Ihren Eintrag gelesen habe, musste ich an eine Präsentation von Tobias Ley vom Know-Center Graz denken, die meine Gedanken zu dem Thema grundlegend geordnet hat und mir seitdem einen guten Ausgangspunkt für weitere Überlegungen bietet. Er skizziert verschiedene E-Learning-Paradigmen auf einer Skala der Selbstregulation. Sie finden die Folien unter http://www.newmedialab.at/images/stories/DCEWSpresentations/dce2004_04_ley_2.pdf

    Mit freundlichen Grüßen aus Paderborn,

    Alexander Roth

  2. Jochen Robes Says:

    Danke für die Präsentation & Anregung!

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Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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