Archive | February, 2005

Nachhaltigkeit von eLearning-Innovationen: Fallstudien zu Implementierungsstrategien von eLearning als Innovationen an Hochschulen

Posted on 28 February 2005 by jrobes

Welche Wege gehen Hochschulen, um e-Learning dauerhaft in ihrem Lehr- und Arbeitsalltag zu verankern? Nachdem einige Jahre lang die Fördertöpfe für eine Vielzahl einzelner und teilweise paralleler Projekte und Konzepte offenstanden, wird jetzt verstärkt versucht, die e-Learning-Aktivitäten hochschulweit im Rahmen einer übergreifenden und nachhaltigen Strategie zu bündeln. Da man noch mittendrin in diesem Prozess steckt, ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, heute bereits von erfolgreichen Implementierungsstrategien zu sprechen, worauf auch die Autoren hinweisen.

Um so wichtiger ist die systematische Betrachtung einzelner Fallbeispiele. Vier Hochschulen haben Sabine Seufert und Dieter Euler genauer untersucht und dabei festgestellt, dass sie ganz unterschiedliche Wege gewählt haben, um die Potenziale von e-Learning zu nutzen: Während z.B. die Universität St. Gallen auf einen Reformprozess setzt, der pädagogische Innovationen favorisiert, zielt die Universität Stuttgart langfristig auf die Vermarktung von e-Learning und die Erschließung neuer Zielgruppen. Während die einen (Basel und St. Gallen) e-Learning als Teil einer umfassenden Modernisierung ihrer Hochschulen betrachten, haben andere (Stuttgart und Zürich) explizite e-Learning-Strategien formuliert.

Dieser SCIL-Arbeitsbericht enthält eine Fülle von Details. Die systematische Analyse der Dimensionen “Didaktik”, “Technik”, “Ökonomie”, “Organisation” und “Kultur” liefert ein umfassendes Raster, um den jeweiligen Stand der e-Learning-Implementierung einer Hochschule transparent zu machen. Und wer neugierig ist, welche Technologien die untersuchten Hochschulen einsetzen, wird auch fündig. Eine Anmerkung am Rande: Zum Thema passt auch gut die Arbeit von Kubicek u.a. (“Organisatorische Einbettung von E-Learning an deutschen Hochschulen”, 2004), die es aber irgendwie nicht ins Literaturverzeichnis der Autoren geschafft hat.
Sabine Seufert und Dieter Euler, SCIL-Arbeitsbericht 4, Januar 2005 (pdf)
[Kategorien: e-learning]

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The Performance Plan Vision

Posted on 25 February 2005 by jrobes

An einer Frage kommt in Interviews heute kein LMS-Anbieter mehr vorbei: “What about informal learning?” Meistens darf dann der Interviewte selbst vorstellen, was er unter “informal learning” versteht und dementsprechend antworten. Bobby Yazdani, CEO von Saba, einem der weltweit größten LMS-Anbieter mit DaimlerChrysler als größtem Kunden in Deutschland, gibt wie folgt Auskunft:

“There are many forms of informal learning. How can we go and capture it? In the new version of Saba, there is a notion of a catalogue of formal, instructional, well-designed content. But then there is something else. It’s called the knowledge catalogue, which is different than your learning catalogue. As a knowledge management notion, it is essential that people can publish knowledge nuggets that are SCORM-based into a knowledge base. Anybody can do it, and the system is smart enough to convert it into SCORM and put it there.”

Bobby Yazdani betont die Möglichkeiten für Fachexperten, eine Knowledge Base schnell um Informationen zu ergänzen, die wiederum von anderen genutzt werden können. SCORM hält alles zusammen. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht das Qualitäts-Problem an:
“When you have a living system, you have to deal with good and bad stuff. And you have to let the community sort itself out. The new release of the product has a lot of concepts expanding the world of learning to the world of informal learning, to knowledge management, and to collaborative learning.”

Die weitere Aufzählung ist etwas offen, macht aber neugierig. Was bleibt, ist die grundlegende Frage, die auch mein gestriger Kommentar zu Stephen Downes (“Living in a Distributed World”) angesprochen hat: Wie weit trägt der “centralized approach” (= ein zentrales System zur unternehmensweiten Steuerung aller Lern- und Informationsprozesse), wenn es um das Lernen der Zukunft geht?
Interview mit Bobby Yazdani, CHECKpoint eLearning, Februar 2005
[Kategorien: Learning Management Systems, Informelles Lernen]

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Living in a Distributed World

Posted on 24 February 2005 by jrobes

Stephen Downes beschreibt in dieser Präsentation ein Szenario “virtueller Lernumgebungen” und bewegt sich dabei zwischen den Polen “centralized” und “distributed”. Ganz klar, wofür sein Herz schlägt! Dabei bezieht er sich auf Scott Wilson, auf dessen Modell ich vor einiger Zeit bereits einmal hingewiesen hatte. Besonders gut gefallen hat mir aber das abschließende Statement:

“- E-Learning has been grounded in centralized systems
- But these centralized systems, such as the LMS, are like a dysfunctional crutch …
- There’s so much going on out there… you have to leave the cocoon and experience the web…
- Stop trying to do online what you do in the classroom… it’s a different world online…
… and you are no longer in control…
… and that’s a good thing.”

Stephen Downes, KnowTips, 23 Februar 2005 (ppt)
[Kategorien: Trends in der Weiterbildung, e-learning]

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e-Learning: Was läuft?

Posted on 23 February 2005 by jrobes

Ich hatte auf der LEARNTEC ein ausführliches Gespräch darüber, wie man sich über Entwicklungen und Trends auf dem internationalen E-Learning-Markt auf dem Laufenden hält. Einige Bälle flogen hin und her. Ich fasse kurz zusammen, auf welche Must Reads wir uns zu später Stunde geeignet haben:

OLDaily/ Stephen Downes
Stephen Downes ist Kanadier und Researcher an der Schnittstelle von Learning, Philosophie und Internet. Er ist der Blogger und eine weltweit anerkannte Kompetenz, wenn es um neue technische Entwicklungen geht, die das selbstgesteuerte Lernen mündiger Bürger unterstützen. Was er schreibt, in Interviews antwortet, vorträgt, fasst er täglich (!) zusammen.

Internet Time Blog/ Jay Cross
Jay Cross ist ein “alter Hase” im e-Learning-Geschäft, der fest in der internationalen Learning-Community verankert ist. Er berichtet regelmäßig über die Konferenzen und Workshops, die er besucht, und die Ideen, die er anschließend in Geschäftsmodelle zu übersetzen versucht. Er hat, eigenen Angaben zufolge, den Begriff “e-Learning” erfunden. Und neuerdings das “Workflow Institute” gegründet.

The MASIE Center/ Elliott Masie
Elliott Masie ist der “e-Learning”-Guru. In seinen regelmäßigen Trendanalysen berichtet er über das, was Corporate Learning bewegt. Doch Elliott Masie ist weniger für seine Schriften oder Online-Angebote berühmt, als für seine Auftritte auf unzähligen Konferenzen. Er muss ein engagierter und origineller Redner sein. Leider hatte ich noch nie das Vergnügen, einer Präsentation beizuwohnen.

Bersin & Associates/ Josh Bersin
Jetzt sind wir ganz in der Welt des Corporate Learning angekommen, in der professionelle Beratung und Expertise nur gegen gutes Geld zu haben sind. Josh Bersin produziert Studien und Marktanalysen, immer am Puls der Zeit – und regelmäßig stellt er kurze Case Studies seinen Lesern online zur Verfügung. Er war z.B. der erste, der über die Implementierung der SAP Learning Solution in Deutschland berichtete!

Brandon Hall
Hier wird es gut und teuer, wobei ich, was das “gut” betrifft, auf das vertrauen muss, was andere über die Studien von Brandon Hall urteilen. Und wirklich: Auf der LEARNTEC erzählte mir ein Besucher, wie er vor einiger Zeit viel Geld für die Produktstudien von Brandon Hall hingelegt hatte, um sich schnell über den Markt der LMS, LCMS, KM-Lösungen und Autorentools zu informieren. Wie gesagt, mir fehlt leider das nötige Kleingeld.

So, fünf Adressen, um sich zu informieren. Ein Anfang. Für jeden Geldbeutel etwas. Viele Informationen gibt es online - via Newsletter und RSS Feed. Bleibt das Lesen.

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eleed - e-learning & education

Posted on 22 February 2005 by jrobes

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Bereits für letzten Dezember angekündigt, ist es jetzt da: Das Journal eleed, das “eine Plattform für neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse aus dem weitgefächerten Gebiet des E-Learnings bieten” will. Die Initiatoren setzen auf Open Access und einen Reviewing-Prozess, um “eine hohe wissenschaftliche Qualität sicherzustellen”. Beteiligt sind die FernUniversität in Hagen und die Initiative CampusSource, gefördert wird das Ganze durch das NRW-Ministerium für Wissenschaft und Forschung. Auf einige der aktuellen Beiträge werde ich in den nächsten Tagen noch gesondert eingehen.
eleed - e-learning & education, Februar 2005
[Kategorien: e-learning]

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Compliance Major Driver of Learning

Posted on 22 February 2005 by jrobes

Das ist keine gute Nachricht:

“A recent scan by The MASIE Center pointed out a major new trend: Compliance Driven Learning and Training. Organizations are reporting increases from 10% to 48% in the amount of training and learning that is being delivered due to Compliance requirements. These range from HIPPA (in the health care arena) to Oxley Sarbanes (board and financial compliance) to OSHA (manufacturing) and other arenas.
In fact, in some organizations over 80% of new learning expenditures are linked to Compliance Driven topics. A number of learning directors have mentioned a concern that a good portion of Compliance Training can be seen (and actually can be) more of a ritual to show focus on compliance rather than triggering new skills, knowledge or procedures. As a member of Boards, I can tell you from personal experience that some Oxley Sarbanes training has been more about documenting that the issue was addressed.”

Die Diagnose ist eindeutig: Es geht um effizientes Informations- und Bildungsmanagement, um Instruktionen und weniger um den selbständigen Lerner.

Das ist eine gute Nachricht.

Compliance Training bedeutet e-Learning. Denn es betrifft in der ersten Welle vor allem große und internationale Unternehmen, die schnell und effizient ihre Mitarbeiter schulen müssen. Compliance Training bedingt zudem den Einsatz von Learning Management Systemen, denn die Schulungen müssen in der Regel jederzeit gegenüber Dritten dokumentiert werden können. Und es liegt nahe, hier unternehmensübergreifend über Lösungen (Produkte) nachzudenken, denn die Anforderungen sind für Unternehmen einer Branche oft identisch. Das Thema könnte zum Standbein einer Branche werden.
Elliott Masie, The MASIE Center, 15 Februar 2005
[Kategorien: Trends in der Weiterbildung, e-learning]

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eLearning-Journal

Posted on 21 February 2005 by jrobes

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In einer Zeit, in der viele e-Learning-Magazine bereits wieder von der Bildfläche verschwunden sind und Kongress-Veranstalter gerne auf das “e” im Titel verzichten, ein neues e-Learning-Journal aufzulegen, ist mutig! Wenn das Ganze zudem im strukturschwachen Bremerhaven passiert, darf man durchaus über Fördermittel spekulieren, die den Projektstart erleichtert haben. Wie dem auch sei: Das erste Heft selbst enthält eine Reihe nützlicher Informationen und interessanter Artikel, die allerdings mehr für die Sache werben als Hintergrundinformationen für die bieten, die schon länger am Thema dran sind.

So liefert z.B. Thomas J. Schult (“Zukunftsreise in neue Lernwelten”) einige Antworten auf die Frage, wie wir in zehn oder fünfzig Jahren lernen werden und welche Rolle das Internet dabei spielen kann. Seine sympathische Vision:
“Lernen wird sich im Web vermutlich zunehmend selbst organisieren. Wer vorankommen will, besorgt sich nicht zwangsläufig einen Kurs beim Weiterbildungs-Broker, sondern gründet eine Community mit einer gemeinsamen Vision, die ihre eigene Dynamik entfalten kann. Wenn sich die Bereitschaft, Wissen zu teilen dann mit Techniken wie Blogs oder Wikis paart, können eindrucksvolle Ergebnisse herauskommen. Wie die gemeinschaftlich verfasste Enzyklopädie Wikipedia zeigt, die es mittlerweile mit etablierten Lexika aufnehmen kann.”
Wobei ich mich mit Blick auf die letzten fünfzig Jahre nicht trauen würde, über das Lernen “in fünfzig Jahren” zu spekulieren …

Daneben gibt es noch einen hilfreichen Überblick über die europäische Förderlandschaft (hier), einen Ausflug in die amerikanische e-Learning-Szene (hier), der allerdings mehr auf Formulierungen als auf Neuigkeiten oder Hintergründe setzt, sowie einen Praxistest, der sich 14 Englisch-Lernprogrammen widmet. Und man wirbt mit einer Anbieter-Datenbank, in die ich allerdings noch keinen Blick werfen konnte.
Die nächste Ausgabe ist für den Juli 2005 angekündigt. Man darf gespannt sein, wie lange der Atem und das Budget (!) der Initiatoren reichen!
eLearning-Journal, 1/ 2005 (Februar)
[Kategorien: e-learning]

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Geld und Wissen: Welche Rendite bringt Bildung?

Posted on 19 February 2005 by jrobes

Anbei noch die Präsentation, die ich auf der LEARNTEC, genauer gesagt: im Rahmen der Sektion M, “Zukunft ohne Risiko? - Wirtschaftliche Bewertung strategischer Bildungsinvestitionen”, gehalten habe. Übrigens: die Zahl der Zuhörer schwankte zwischen 15 und 40 …
Jochen Robes, 17 Februar 2005 (pdf)
[Kategorien: Bildungsökonomie, Human Capital Management]

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LEARNTEC 2005 - eine Nachbetrachtung

Posted on 19 February 2005 by jrobes

Ich glaube, die meisten LEARNTEC-Besucher werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass das Innovativste der diesjährigen Veranstaltung der Truck von Luigi Colani war, der diese Woche in Karlsruhe auf dem Messevorplatz parkte. Auch gilt mein ganzer Respekt den Herausgebern des eLearning-Journal, die mit großem Aufwand sicherstellten, dass kein Besucher ohne eine Erstausgabe in Händen die Hallen verließ!

Wenn ich aber jetzt versuche, die LEARNTEC inhaltlich auf den oder zumindest einige Punkte zu bringen, fällt mir das schwer. Nach wie vor präsentiert sie sich überbordend, was die unzähligen Sektionen und Foren betrifft, wenn auch die thematische Blöcke (”Business”, “Technologie” und “Didaktik”) dieses Jahr den Überblick etwas erleichterten. Es ist allerdings kaum nachzuvollziehen, warum die Organisatoren jeden Tag teilweise bis zu sieben Veranstaltungen parallel anboten, so dass viele Vorträge und Workshops nur mäßig besucht waren!

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Was bleibt? Letztes Jahr hatte ich ja bereits von der Spinner-Suite berichtet, mit der Thomas Glatt (Credit Suisse) erfolgreich einen Kontrapunkt zum traditionellen Präsentationsreigen gesetzt hatte. Dieses Jahr gab es die Spinner-Suite sogar an drei Tagen, wobei ich allerdings nur einige Stunden teilnehmen konnte. Der erste Tag stand unter dem Motto “Globalisierung der Bildung – Demokratisierung des Wissens”. Er begann mit einem kurzen, sehr persönlichen Statement von Thomas Bergen (getAbstract), der in zehn Minuten Bildung aus Sicht ecuadorianischer Studenten präsentierte – und damit einen eindrucksvollen Input für die folgenden Diskussionen und den ersten Tag setzte! (mehr von Thomas Bergen in diesem LEARNTEC-Interview). Vom zweiten Tag (”Didaktik des E-Learning: Spiele, Dramaturgie und Lernen”) habe ich nur die ersten neunzig Minuten mitbekommen. Ein Eindruck, der hängenblieb: Während sich Corporate Learning derzeit vor allem auf Rapid E-Learning, Modularisierung und Content Sharing konzentriert, leistet sich die Universität noch die Freiheit, auch komplexere, geschichtenbasierte Formen (Storytelling) auf ihr Entwicklungspotenzial zu prüfen (weitere Informationen auf der Homepage von Frank Thissen).

Apropos Rapid E-Learning: Die Zahl der Anbieter von Autorentools war kaum zu überschauen, und mir fehlt noch etwas der Überblick, um hier Eindrücke zusammenzufassen. Gesucht werden aber offensichtlich Informationen, die dem Interessierten helfen, dass für ihn richtige Werkzeug zu finden. Will ich nur PowerPoint-Präsentationen in multimediale Informations- oder Trainingskurse verwandeln? Oder will ich ein internes Autorenteam mit einem robusten Werkzeug ausstatten, dass die Entwicklung qualitativ hochwertiger Lösungen erlaubt? Wie steht’s um notwendige Standards? Und welches Produkt hat wo seine Stärken? Kein Wunder, dass verschiedene Besucher erzählten, dass es mittlerweile bereits eine Reihe (!) von Lösungen in ihrem Haus gibt …

Weitere Themen, die mir auffielen, ohne dass ich leider Gelegenheit hatte, alle entsprechenden Veranstaltungen aufzusuchen: Intellectual Capital - so gab es z.B. Vorträge über Wissenbilanzen, Kompetenzbilanzen, Bildungscontrolling sowie die mit Basel II verbundenen Herausforderungen (die Vorträge zum letztgenannten Thema waren übrigens sehr gut besucht!); Qualität von e-Learning - ein Thema, das seit Monaten (ob berechtigt, bin ich mir noch nicht sicher) große Aufmerksamkeit erfährt: auf der LEARNTEC waren dementsprechend u.a. Q.E.D. (Qualitätsinitiative E-Learning in Deutschland) und eva (Das Evaluationsnetz) zu finden; Mobile Learning - von der Notebook-University bis zur mobilelearningarena.

Am letzten Tag hatte ich dann noch Gelegenheit, in die Sektion “Design und Betrieb von Learning Communities” hineinzuschauen. Hier war vor allem das Referat von Dietmar Treichel (tomcom) sehr interessant: zum einen war er seit Wochen der erste, der einige kritische Worte zu OpenBC fand: Er sähe dort mehr Beobachter (”Lurker”) als Teilnehmer (”Poster”), was die gesamte Kommunikation aus seiner Sicht wenig authentisch erscheinen läßt. Fairerweise fügte er jedoch hinzu, dass er hier vornehmlich aus der Rolle des Beobachters urteilen würde. Und dann beschrieb er die Zukunft von e-Learning und setzte dabei nachdrücklich auf die soziale, kollaborative Seite des Lernens:
“e-Learning entwickelt sich … von der individualisierten, formalen Instruktion zur prozessnahen, kollaborativen Community, die Social und Corporate Capital hervorbringen kann.” In drei Jahren, so Treichel, werden die bestehenden Formen von e-Learning weitgehend verschwunden sein (mehr Informationen von Dietmar Treichel hier).

An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, was dieses Jahr fast völlig von der Agenda verschwunden ist: Learning Management Systeme! Einige wenige Präsentationen sprachen noch vom “Bildungsmanagement” bzw. der SAP “Learning Solution” oder von “Lernarchitekturen” (Telekom), und man konnte ahnen, dass dahinter auch die Einführung und der Einsatz eines LMS stehen. Und die Sektion P war dem Thema “Open Source” gewidmet, mit mehreren Vorträgen über “Moodle”- und “ILIAS”-Erfahrungen. Aber ansonsten wenig Aufregung um das Technologie-Thema der letzten Jahre! Übrigens, genauso wenig wie von PeopleSoft und Oracle, die beim Vertrieb ihrer LMS-Lösung wohl auf andere Kanäle als die LEARNTEC setzen.

Und dann die Themen, die es erst gar nicht auf die Agenda geschafft hatten und wohl auch nicht so schnell schaffen werden: Blogs, Wikis, Social Software, WebQuests usw. Hier kann ich nur meine Eindrücke des letzten Jahres wiederholen: “Die LEARNTEC ist eine anbietergesteuerte Veranstaltung. Man findet schnell die Schlagworte – von “content is king” bis “blended learning” – wieder, unter denen die Anbieter saisonal ihre Produkte und Lösungen präsentieren. Die Kehrseite dieser Ausrichtung: Was (noch) nicht markttauglich ist, findet auch nur schwer Eingang in den Kongress. So beschäftigten sich wieder nur wenige Veranstaltungen mit dem Lerner selbst und der Frage, wie er (oder sie) das Lernen “anytime anywhere” umsetzt und lebt, von dem seit nunmehr 12 Jahren Learntec die Rede ist.” Okay, jetzt sind es halt 13 Jahre.

Ansonsten gab es wie immer die Versuche des Stammpublikums, über die Zahl der Aussteller und Kongressteilnehmer zu spekulieren, aber hier werde ich mal abwarten, was die offiziellen Statements von Winfried Sommer offenlegen. Vielleicht sagt er auch etwas zum “Schlauch”, der die Besucher seit Jahren trocken über den Festplatz gelangen lässt. Ich war doch überrascht, nicht mehr die bewährte Lösung der “direkten Linie” vorzufinden, sondern einen interessanten, fast verschnörkelten Ansatz, der zudem noch Platz für ein Ausstellungsteam ließ, das allerdings um diesen Standort nicht zu beneiden war.

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LEARNTEC 2005

Posted on 11 February 2005 by jrobes

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So, am Wochenende wird für Karlsruhe und die LEARNTEC gepackt, wo ich die nächste Woche von Dienstag bis Freitag verbringen werde. Deshalb wird es an dieser Stelle auch ruhiger werden. Und wer Lust auf einen gemeinsamen Kaffee hat, schreibt mir einfach eine kurze Mail. See you in Karlsruhe!

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Revenge of the Right Brain

Posted on 11 February 2005 by jrobes

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Vor Jahren habe ich mir mal ein Buch zugelegt, das “Modelle des Menschen” und im Untertitel “Ein Handbuch des menschlichen Bewußtseins” hieß. Es ist eine umfangreiche Beschreibung sozialwissenschaftlicher Modelle, aber das Besondere war hier der Versuch, die zentrale Botschaft dieser Modelle auch graphisch abzubilden, indem spielerisch ein menschlicher Kopf mal beschriftet, mal aufgeteilt, mal seziert und mal verfremdet dargestellt wird. Das gefiel mir, und ich dachte, die Kombination von Text und Grafik macht es vielleicht einfacher, diese Theorien und Modelle zu verstehen und zu behalten (was natürlich ein Irrtum war!). Selbstverständlich informiert ein Modell auch über die linke und die rechte Hemisphäre des Gehirns, mit all den hinlänglich bekannten Attributen.

An diesem Punkt setzt der Artikel an. Seine Kernaussagen: Wir befinden uns im Übergang vom “Information Age” zum “Conceptual Age”, und dieser Übergang bedingt, dass wir uns nicht mehr auf das Erfolgskonzept des “left-brain thinking” verlassen dürfen:
“Until recently, the abilities that led to success in school, work, and business were characteristic of the left hemisphere. … Today, those capabilities are still necessary. But they’re no longer sufficient. In a world upended by outsourcing, deluged with data, and choked with choices, the abilities that matter most are now closer in spirit to the specialties of the right hemisphere - artistry, empathy, seeing the big picture, and pursuing the transcendent.”

Wenn man die aufgeführten Gründe für diese Neuorientierung betrachtet - “Asia, automation, and abundance” -, dann ahnt man, welchen Druck die aktuelle IT-Outsouring-Debatte auf den Schreiber ausgeübt hat. Was aber in jedem Fall bleiben, sind (wieder) eine schöne Grafik und ein paar mahnende Worte:

“Want to get ahead today? Forget what your parents told you. Instead, do something foreigners can’t do cheaper. Something computers can’t do faster. And something that fills one of the nonmaterial, transcendent desires of an abundant age. In other words, go right, young man and woman, go right.”
Daniel H. Pink, Wired, Februar 2005
[Kategorien: New Thinking]

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Why this “Internet thing” is just starting

Posted on 11 February 2005 by jrobes

“Yes, it’s only been ten years. And despite our memories of the crash of 2000, here are ten reasons why I believe that there’s about to be a significant flourishing of Net companies and business successes, not to mention extremely cool things for the rest of us:”

Die zehn Gründe des Autors lauten: 1. Penetration, 2. Bandwidth, 3. Tools, 4. Servers, 5. WiFi, 6. Multimedia, 7. Grandmothers (“It is no longer necessary to explain to the average American (of any generation) what this “Internet thing” is. Google has made the world safe for entrepreneurs. Don’t underestimate how important this is.”), 8. Teenagers, 9. VC, 10. The death of TV.
Amüsant und überzeugend.
Seth Godin’s BLOG, 7 Februar 2005
[Kategorien: Zukunft des Internet]

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The economics of sharing

Posted on 11 February 2005 by jrobes

Ich kann Informationen weitergeben, ohne dass ich selbst etwas verliere oder dadurch in meinem Gebrauch dieser Informationen eingeschränkt bin. Kein Wunder, dass Open Source genau an dieser Stelle funktioniert. Jetzt zitiert der Economist Yochai Benkler, der in einem kürzlich erschienenen Artikel behauptet, “that sharing is emerging for certain physical, rivalrous goods and will probably increase due to advances in technology. Where open source was about sharing information by way of the internet, what is happening now, Mr Benkler notes, is the sharing of the tangible tools of technology themselves, like computing power and bandwidth.

Der Artikel fasst eine Reihe von entsprechenden Beobachtungen zusammen, um mit einem, wie ich finde, interessanten Zitat Benklers zu schließen: “Social sharing represents a third mode of organising economic production, alongside markets and the state.” Okay, es heisst dann noch, dass für die meisten Dinge unseres Lebens Sharing die Ausnahme bleiben wird.
The Economist, 3 Februar 2005
[Kategorien: New Thinking]

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E-Learning-Didaktik: Abschied vom Kursformat?

Posted on 10 February 2005 by jrobes

Der Countdown für die LEARNTEC läuft. Im aktuellen und letzten Newsletter vor Veranstaltungsbeginn findet sich einleitend eine etwas kurzatmige Aufzählung vieler Entwicklungen der letzten Jahre, die, so der Autor, neue “didaktisch-methodische Optionen für den E-Learning-Einsatz” bieten bzw. gar eine neue Didaktik fordern. Dass diese neue Didaktik bereits gelebt wird, unterstreicht anschließend Peter Baumgartner von der Fernuni Hagen in einem kurzen Interview, das zugleich neugierig auf mehr macht:

“Die Sektion wird zeigen, dass diese Veränderungen bereits tatsächlich stattfinden. Insbesondere an Hochschulen verbreiten sich kooperative, konstruktivistisch orientierte Settings immer mehr. Schließlich können wir uns nicht darauf beschränken, unseren Studenten Orientierungswissen zur Verfügung zu stellen. Wir bilden Menschen aus, die später selbstständig Wissen generieren sollen. D. h. nicht, dass wir überall und für alle Lerner nur auf Szenarien setzen können, die bereits gewisse Kompetenzen der Selbstorganisation erfordern. Aber gerade im Bereich der Hochschulen und Erwachsenenbildung ist dies unverzichtbar.”
LEARNTEC Newsletter, Ausgabe 5/Februar 2005
[Kategorien: e-learning]

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Collaborative E-Learning Systems

Posted on 09 February 2005 by jrobes

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Ein Grippevirus setzt mir gerade zu, so dass leider nur wenig Energie für’s Lesen und Schreiben bleibt. Es hat gerade noch für diese Case Study gereicht, die beschreibt, wie Norfolk Southern, eine amerikanische Railway-Company, ihr “concept of rapid e-learning” umgesetzt hat. Die Autoren von Bersin haben schon detailliertere Fallbeispiele veröffentlicht, aber einen Aspekt finde ich auch in diesem erwähnenswert: rapid e-learning als Instrument, um subject matter experts, also Fachexperten, stärker in den Trainingsprozess zu integrieren. Das Ganze wird “Collaborative Authoring System” genannt, und die Grafik zeigt das Zusammenspiel der Beteiligten.
Chris Howard, Bersin & Associates, Februar 2005 (pdf)
[Kategorien: e-learning]

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Design Once for Multiple Uses of Learning Content

Posted on 08 February 2005 by jrobes

Das Thema scheint fast ein Dauerbrenner, aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben: Warum Inhalte, die für ein Lernprogramm entwickelt wurden, nicht auch in anderen Zusammenhängen verfügbar machen? Zum Beispiel zum “just-in-time performance support”? Oder auch über Institutions- und Unternehmensgrenzen hinweg, möchte man ergänzen.

“We are seeing a trend of deploying the same content first as a course format, with objectives, learning pathways and remediation/branches. Then, the content is reformatted, stripping out the “instructional” language and activities, to provide the workforce or customer with on-line performance resources.” Das schreibt Elliott Masie in seinem aktuellen Newsletter.
Elliott Masie, The MASIE Center, 6 Februar 2005 (ist hier wahrscheinlich in den nächsten Tagen verfügbar)
[Kategorien: e-learning]

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Horizons2020

Posted on 07 February 2005 by jrobes

Horizons2020 will das Leben beschreiben, wie es in 15 Jahren aussehen könnte. Im Auftrag von Siemens hat TNS Infratest europaweit Experten zu wirtschaftlichen, politischen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der nächsten Jahre befragt. Entstanden sind zwei Szenariobilder: Horizon1 und Horizon2.

Über Horizon1 heisst es: “Die Gegenwart wird im Jahr 2020 in ganz Europa von einem starken Staat geprägt, der für Sicherheit, Chancengleichheit und Freiheit sorgt. Der Staat ist überall präsent, er engagiert sich besonders im Bildungs- und Gesundheitswesen. …”

Und Horizon2: “Die Schlüsselrolle von Staat und Politik wird in Horizon2 vom freien Markt und dem globalen Wettbewerb übernommen. Die Gesellschaft ist flexibel und zeigt eine hohe Bereitschaft zur Eigenverantwortung. …”

Diese Szenarien werden auf über 300 Seiten ausführlich beschrieben. Ich habe mir dann noch die jeweiligen “Bildungs”-Kapitel durchgelesen, aber sie halten sich eng an die Vorgaben: einer starken öffentlichen Förderung von Bildung in Horizon1 steht die fortgeschrittene Privatisierung von Bildung in Horizon2 gegenüber. Während sich Bildung im ersten Szenario noch an ethisch-moralischen Grundsätzen (Chancengleichheit, Multikulturalität usw.) orientiert, gibt es im zweiten Szenario ein buntes Nebeneinander vornehmlich job-orientierter Akteure und Aktivitäten. Aber das ist, wie gesagt, nur ein kleiner Ausschnitt einer umfassenden Studie! Auf der Seite von Horizons2020 finden sich übrigens eine Reihe weiterer Angebote, z.B. kurze Filme, Stories und Ausblicke.
Siemens, Horizons2020, Januar 2005 (pdf)

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Lernen mit WebQuests

Posted on 04 February 2005 by jrobes

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“WebQuest ist ein Modell, das den Lernenden und Lehrenden die sinnvolle Integration des Internet in den Unterricht ermöglicht. Im Kern geht es darum, ein Problem im Wesentlichen mit Hilfe von Internetquellen zu bearbeiten und zu lösen.” So heisst es im Kapitel 2.1 (“Das didaktische Modell WebQuest: Idee und Entstehung”) dieses Lernprogramms, das vom Heidelberger Institut für Beruf und Arbeit (hiba) entwickelt wurde. Eine schöne Einführung ins Thema mit zahlreichen Materialien und Links zum Weiterlesen. Und wie im richtigen Leben gibt’s am Ende auch einen Abschlusstest.
hiba, 2004
[Kategorien: Trends in der Weiterbildung]

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When Blogging Goes Bad: A Cautionary Tale About Blogs, Email Lists, Discussion, and Interaction

Posted on 04 February 2005 by jrobes

Gerade beim Thema e-Learning gibt es ja keinen Mangel an Erfolgsgeschichten. Aber warum eine Zielgruppe im erhofften Umfang nicht erreicht oder der LMS-Vertrag mit einem Anbieter nicht verlängert wurde, erfährt man in der Regel nicht. Dabei wäre das gerade das Spannende! Dieser Artikel präsentiert eine solche “lesson learned”: über den Versuch, Blogs in einer “writing class” einzusetzen, und sein Scheitern. Die Erfahrung des Autors: Emails können im Einzelfall das bessere Werkzeug sein, um collaboratives Arbeiten zu unterstützen.

“In the end, I think this student made use of the emailing list in this instance because she understood something about the difference between a blog and an emailing list long before I did. If you have a piece of writing that you want to “deliver” or “publish” as a more or less finished text, put it on a blog. If you have something to say to a particular audience in order to enter into a discussion with them, put it on a mailing list.”
Steven D. Krause, Kairos, 2004
[Kategorien: Weblogs]

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Search Engine Users: Internet searchers are confident, satisfied and trusting – but they are also unaware and naïve

Posted on 04 February 2005 by jrobes

Nachdem die erste Welle der “Web-Führerscheine” abgeebbt ist, wird die nächste Herausforderung sichtbar. Etwas, was man bereits ahnen konnte: Viele Internet-User vertrauen “ihrer” Suchmaschine (in der Regel also Google), wissen aber gar nicht so genau, was da passiert, wenn sie suchen. Und das, obwohl “searching is becoming a daily habit for about a third of all internet users.” Pew Internet & American Life Project fassen die Ergebnisse ihrer aktuellen Untersuchung folgendermaßen zusammen:
“Internet users are extremely positive about search engines and the experiences they have when searching the internet. But these same satisfied internet users are generally unsophisticated about why and how they use search engines. They are also strikingly unaware of how search engines operate and how they present their results.”

Die Studie bietet auf ihren 36 Seiten viele weitere Details, und es spricht kein Grund gegen die Annahme, dass diese unmittelbar auf hiesige Verhältnisse übertragen werden können.
Deborah Fallows, PEW/ Internet, 23 Januar 2005
[Kategorien: Media Literacy, Zukunft des Internet]

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Jochen RobesJochen Robes (Frankfurt), Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management,
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