Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Stell dir vor du bloggst und keiner macht mit

Ruth Bettina Müller war auf der zweiten BlogTalk in Wien und berichtet von einer „gedrückten Stimmung“ auf dem Podium. 15.000 deutschsprachige Blogger soll es geben, doch das Ganze kommt hierzulande nicht richtig auf Touren, so ein Teilnehmer, den die Autorin weiter zitiert: „Die Abbrecherquote sei hier zu Lande besonders hoch, weniger als 20 Prozent der Blogger sind nach einigen Monaten noch dabei. An mangelnder Benutzerfreundlichkeit könne es nicht liegen, denn in Frankreich und den Niederlanden werde der Dienst viel besser angenommen. Zudem halte man sich nicht an die Spielregeln, denn es werde zuwenig kommentiert und verlinkt.“

Ich will an dieser Stelle nicht mit generellen Einschätzungen kommen – dafür fehlt mir der Überblick über die Blogging-Community. Am Hinweis auf die fehlende Bereitschaft zu kommentieren ist allerdings was dran. Woran liegt’s? Schreibhemmungen? Keine Lust auf Öffentlichkeit???
Ruth Bettina Müller, Spiegel Online, 12 Juli 2004
[Kategorien: Weblogs]

Verwandte Beiträge

2 Responses to “Stell dir vor du bloggst und keiner macht mit”

  1. andreas

    Im deutschen Sprachraum ist man möglicherweise darauf bedacht, nicht als Angeber oder Wichtigtuer dazustehen. Wenn sich jemand durch etwas hervortut, ist m.E. die Gefahr, neidvoll angefeindet zu werden, höher als beispielsweise in den USA. Über Frankreich und die Niederlande kann ich nichts sagen, weil ich diese Länder zu wenig kenne und keine Blogs von dort lese.

    Bescheidenheit ist eine Tugend, die von vielen Leuten in Deutschland (bewusst oder unbewusst) als wichtig angesehen wird. Ich selbst habe mich schon oft dabei erwischt, dass ich dachte: „Das interessiert doch keinen, warum sollte ich darüber schreiben“. Und mein Blog ist noch nicht mal ein persönliches sondern befasst sich eher mit technischen Themen.

    Amerikaner scheinen selbst über Triviales viel freier und ungezwungener zu schreiben und haben außerdem kein Problem, auf eigene Leistungen und Gedanken hinzuweisen.

    Vielleicht fehlt uns ein wenig das generelle Selbstbewusstsein, unsere eigene Meinung hochzuschätzen?

  2. Jochen Robes

    Hallo Andreas,
    Ja, die Amerikaner tun sich wirklich leichter, auch scheinbar Triviales noch mal zu erzählen. Das zeigen die unzähligen „How-to“-Artikel, die dort noch erscheinen, wenn man selbst hier (Deutschland) das Gefühl hat, zu diesem Thema sei doch bereits alles gesagt.

    Aber noch ein Punkt, der mir immer wieder, auch im geschäftlichen Alltag auffällt: Man tut sich im englischsprachigen Raum mit der Anrede einfach leichter. Spätestens das zweite e-mail beginnt mit „Hi Jochen“, während wir dahin tendieren, Ansprachen lieber ganz wegzulassen, um nicht zu lange über Titel und entsprechende Anrede („Du“, „Sie“) nachdenken zu müssen. Damit hängen natürlich auch die dahinter stehenden Hierarchien zusammen: Während in amerikanischen Blogs ganz selbstverständlich Professoren und Studierende in einem Forum diskutieren, scheint mir das in Deutschland eher die Ausnahme zu sein. Soweit überhaupt in Foren diskutiert wird …

Comments are closed.